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Mittwoch, 4. Juli 2012

The Stone Roses, Manchester, 30.06.12

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Konzert: The Stone Roses u.a.Ort: Heaton Park, ManchesterDatum: 30.06.2012Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Dauer: The Stone Roses 105 min, Beady Eye 45 min

von Ursula (neulich als ich dachte) und Dirk (Platten vor Gericht)
Wir hatten das Thema schon einmal: Eigentlich mag ich Bands nicht gerne mehrmals sehen. Klar, bei grundsätzlich tollen Interpreten ist zumindest bei neuen, guten Albumveröffentlichungen, jedes Mal wieder ein Konzertbesuch fällig. Aber ich bin nicht der Typ, der sich Karten für die halbwegs erreichbaren Stationen einer kompletten Morrisseytournee kauft, so gerne ich ihn auch mag.
Folglich war ich auch nicht begeistert, als ich erfuhr, dass die Stone Roses, für deren großes Reunionkonzert in Manchester ich zu meiner eigenen Überraschung Karten ergattert hatte, anschließend etliche Konzerte in Europa bekanntgaben, die VOR der großen offiziellen Wiedervereinigung stattfinden sollten – und als einer dieser Auftritte beim Hurricane Festival sein sollte, für das ich ebenfalls Karten hatte. Über dieses Konzert berichtete ich ja bereits, aber das Event in Manchester hatte natürlich andere Dimensionen.
Gestern war sie nun, die offizielle Stone Roses Reunion. Eines von drei Konzerten im Heaton Park im Band-Heimatort Manchester, an drei aufeinander folgenden Tagen, vor jeweils 75.000 Zuschauern. Beim Hurricane Festival hätte die Band, wenn jeder einzelne Gast gekommen wäre, immer noch „nur“ 70.000 erreichen können. In Wirklichkeit kam aber nur jeder Siebzigste bis Hundertste ...

225.000 Menschen hatten also dafür bezahlt, eine Band, die seit 1994 nichts mehr veröffentlicht hat, zu sehen, eine für mich unvorstellbare Zahl. Bei unserer Ankunft in Manchester gestern Morgen sahen wir sie aber schon überall: Menschen in unserem Alter, meistens in Gruppen, in Gummistiefeln und mit Stone Roses
T-Shirts. Manchesters Plattenläden haben ihre Auslagen mit Alben der Roses und Band aus ihrem Umfeld dekoriert, in den Pubs waren alle eifrig mit Vorglühen beschäftigt.

Der Heaton Park, in dem das Massenevent stattfand, liegt relativ weit außerhalb. Aus der Innenstadt konnte man mit Shuttlebussen oder der Straßenbahn anreisen. Als wir uns gegen 15 Uhr der Bahn näherten, warteten hier bereits Massen andere Konzertbesucher, und bereits nach einigen Haltestellen wurde die Anreise zu einer feucht-fröhlich-gequetschten Saunafahrt.

Im riesigen, abgesperrten Areals des Parks verliefen sich bei unserem frühen Eintreffen die Konzertbesucher nach dem Einlass zunächst einmal ziemlich. Die Massen an Fress-, Bier- und Merchandiseständen konnten sich mit jedem Festival messen, und auch das Wetter entschied sich, festivalmäßig zu sein und gelegentlich heftige Schauer auf uns niederregnen zu lassen. Die englischen Besucher lösten das Problem der langen Schlangen an den Bierständen, indem immer so viele Becher gekauft wurden, wie man zu Tragen in der Lage war.
Am Vortag hatte ich auf Twitter gesehen, dass man für den Raum vor der Bühne ein spezielles Armbändchen benötigte, und wir waren begeistert, als wir ein solches noch bekommen konnten – fühlten uns dann aber weit weniger auserlesen, als wir sahen, wie groß der Vorbühnenbereich war – die Bändchen wurden auch zwei Stunden später noch ausgegeben.

Das Line-up des Nachmittags sollte folgendermaßen aussehen: Zunächst spielten die mir unbekannten Bands Hollie Cook und Professor Green, dann wie bei allen drei Konzerttagen Ian Browns angebliche Lieblingsband The Wailers, dann Beady Eye und zuletzt natürlich die Gastgeber. Band 1 und 2 ignorierten wir so gekonnt, dass wir nicht einmal Professor Greens Gaststar Lily Allen bemerkten. Für The Wailers begaben wir uns dann notgedrungen vor die Bühne – schließlich wollte man ja bei Beady Eye etwas sehen – und stellten eher überrascht fest, dass die anderen Konzertbesucher mit Reggae deutlich mehr anfangen konnten als wir. Alte Bob Marley Hits wie „I shot the Sherriff“, „Everything’s gona be all right“, „No Woman No Cry“ und „One Love“ wurden durchaus begeistert abgefeiert.
Dann war es Zeit für Beady Eye. Auch Liam Gallaghers Oasis-Nachfolgeband hatte ich bereits live gesehen und verspürte keine gigantische Neigung, das ohne neues Album zu wiederholen, aber immerhin mein Freund war glücklich. Vor 15 Monaten in Köln hatte Liam beim Hallenkonzert einen Parka getragen, den er komplett durchgeschwitzt hatte, beim regnerischen Open Air Festival erschien er in schwarzem T-Shirt mit schwarzer Lederjacke. Auch hier waren nach kürzester Zeit Transpirationsspuren sichtbar, obwohl sich der jüngere Gallagher doch gewohnt wenig auf der Bühne bewegte.
Spannend bei diesem Auftritt war immerhin, dass Beady Eye angekündigt hatten, auch Oasis-Titel zu spielen, was die Band in ihrer bisherigen Karriere verweigert hatte. Kurz zuvor hatten Beady Eye Warm-Up-Gig gespielt, da sie dieses Jahr zuvor noch keinen Auftritt bestritten hatte, und so war durchgesickert, dass es tatsächlich zwei Oasis-Songs in die Setliste geschafft hatten. Und in der Tat erklang nach „Four Letter Word“, „Beatles and Stones“, „Bring the Light“ und dem neuen Song „World not set in Stone“ als erster Oasis-Hit „Rock ’n’ Roll Star“ – mit einer Widmung an „the one and only Ian Brown“. Der Unterschied war frappierend: Während das betrunken-gutgelaunte Publikum um uns herum die Beady Eye-Songs wohlwollend aufgenommen hatte, wurde „Rock’n Roll Star“ mit Enthusiasmus und beeindruckender Textsicherheit der Masse abgefeiert. An Stelle der Band wäre ich über diesen Resonanzunterschied, der sich später bei „Morning Glory“ genauso wiederholte, alles andere als erfreut gewesen. Zu deutlich wurde, dass Beady Eye als Oasis-Ersatz akzeptiert wird, aber mehr auch nicht. Und angesichts des Qualitätsunterschieds der eigenen Songs gegenüber den alten Hits ist das auch mehr als verständlich, denn höchstens „The Roller“ konnte sich, auch im Hinblick auf die Reaktion des Publikums, mit den beiden Noel-Kompositionen messen.

Vor „Morning Glory“ hatte uns Liam Gallagher noch versichert, dass es ihm eine „fucking honour“ sei, vor „the best fucking band in the world“ zu spielen. Worte, die man ihm abnehmen darf, denn schließlich war er Gast der Stone Roses bei den ersten Konzerten in Warrington und Barcelona. Den Abschluss des rund 45minütigen Auftritts bildete eine sehr lange Version von „Sons Of The Stage“, zu der Liam sich ungewohnt volksnah präsentierte und unterhalb der Bühne reichlich Hände schüttelte.

Setlist Beady Eye, Heaton Park, Manchester:

01: Four Letter Word
02: Beatles And Stones
03: Bring The Light
04: World Not Set In Stone
05: Rock ’n’ Roll Star (Oasis)
06: The Roller
07: Standing On The Edge Of Noise
08: Wigwam
09: Morning Glory (Oasis)
10: Sons Of The Stage

Mit dem Abspielen des Supremes-Hits „Stoned Love“ (den um uns herum ebenfalls viele mitsingen konnten) war es dann so weit – mit wesentlich mehr Dramatik und Jubel als in Scheeßel betraten Ian Brown, John Squire, Reni und Mani die Bühne. In
deren Hintergrund wurden, zu den bereits bei den Vorbands im Einsatz gewesenen riesigen LCD-Leinwänden seitlich der Bühne, zehn weitere, bewegliche enthüllt, so dass ein riesiger Raum um die Bühne herum wahlweise die Band, die von 3 Kameras aufgenommen wurde, oder andere Bilder, wie Plattencover oder die obligatorischen Zitronen, zeigen konnte.

Das Publikum war größer, die Stimmung besser, die Bühne beeindruckender, aber die Setliste wich nur in einigen Details von der bereits gehörten ab. Wie gehabt begann alles mit „I Wanna Be Adored“, doch von Ian Browns Gesang war kaum ein Ton zu hören - nicht weil er so schlecht sang, sondern weil er vom Publikum komplett übertönt wurde. Nach den folgenden „Mersey Paradise“, „(Song For My) Sugar Spun Sister“ und „Sally Cinnamon“ flachte die Stimmung bei den nächsten, mit einigen B-Seiten versehenen Songs etwas ab. An einem Abend, an dem die Stone Roses ihr Debütalbum komplett spielen, darf man sich eigentlich nicht über die Songauswahl beschweren, anmerken darf man aber dennoch, dass mit „Elephant Stone“, „What The World Is Waiting For“, „One Love“ und „Begging You“ gleich vier Singles keine Berücksichtigung fanden.
Spätestens mit „Fools Gold“, das gestern Abend noch mal ein paar Minuten länger gespielt wurde, war dann alles wieder in Ordnung. Fast schon gruselig fand ich, dass Ian Brown auch dieses Mal „Don’t Stop“, das nahtlos aus „Waterfall“ hervorgegangen war, gesanglich wieder völlig versemmelte, im Anschluss bot er zu „Love Spreads“ eine deutlich besser funktionierende Rapeinlage. Bei den häufig extrem langen Gitarrensoli konnte John Squire seine Klasse zeigen, und Mani durfte am Ende von „Standing Here“ mit einem Basssolo glänzen, für das er von Ian Brown geknuddelt wurde.

Die folgenden „Made Of Stone“, „This Is The One“ und „She Bangs The Drums“ führten beim Publikum zu enthusiastischer Begeisterung, die sich auch im Abbrennen von Bengalischen Feuern äußerte.
Eine angenehme Überraschung war, dass die Band auch ihr im Stil extrem untypisches und superkurzes „Elizabeth My Dear“ spielte, begleitet von Kritik an der Königin durch Ian Brown, die ich im Detail nicht verstanden habe.
Zuletzt konnten wir dann auch wieder das bewährte und allseits mitgesungene „I Am The Resurrection“ genießen, dann umarmten sich die vier Bandmitglieder zunächst ausgiebig, um sich gemeinsam am Bühnenrand stehend mit dem Ausruf „We are fucking back!“ zu verabschieden. Alles vorbei? Nur beinahe, denn nun erklang aus Lautsprechern Bob Marleys „Redemption Song“ während hinter uns am Rande des Konzertareals ein riesiges Feuerwerk abgebrannt wurde. Als wir uns im anschließenden beachtlichen Gedränge Richtung Bahn treiben ließen, erläuterte hinter mir ein Engländer seinem Kumpel, dass er nach diesem Ende keine Zugabe gewollte habe, es sei so einfach gut und komplett gewesen. Da kann man ihm nur zustimmen - auch, wenn ich im Mittelteil die Setliste geändert hätte.

Setlist The Stone Roses, Heaton Park, Manchester:

01: I Wanna Be Adored
02: Mersey Paradise
03: (Song For My) Sugar Spun Sister
04: Sally Cinnamon
05: Where Angels Play
06: Shoot You Down
07: Bye Bye Badman
08: Ten Storey Love Song
09: Standing Here
10: Fools Gold
11: Something's Burning
12: Waterfall
13: Don't Stop
14: Love Spreads
15: Made Of Stone
16: This Is The One
17: She Bangs The Drums
18: Elizabeth My Dear
19: I Am The Resurrection

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Stone Roses, Scheeßel,
- The Stone Roses, Amsterdam, 12.06.12
- Beady Eye, Köln, 14.03.11


Dienstag, 26. Juni 2012

The Stone Roses, Hurricane Festival, 22.06.12

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Konzert: The Stone Roses
Ort: Scheeßel, Hurricane Festival

Datum: 22.06.2012

Dauer: ca. 90 Minuten



von Ursula von neulich als ich dachte und Dirk von Platten vor Gericht


Zur etwas späten Anfangszeit von 0:30 Uhr standen die Stone Roses auf dem Programm, ein Termin, der uns so wichtig war, dass wir das Ende von The Cure sausen ließen. Dieses Mal gelangten wir auch mühelos in den Vorbühnenbereich, in dem wir gut sehen konnten und dank relativ viel Platz auch sämtlichen Idioten ausweichen konnten. Die Stone Roses treten ja zurzeit europaweit bei Festivals und auch allein auf, und teils hörte man schon Berichte, die Anlass zur Sorge gaben, dass eine erneute Bandauflösung unmittelbar bevorstehen könnte.

Beim Hurricane waren aber alle gut gelaunt und scherzten miteinander. Dass Ian Brown nicht singen kann, ist bekannt und sollte niemand, der die Band mag, stören. Sein Gesang war aber gerade während der ersten paar Lieder im Rahmen seiner Möglichkeiten in Ordnung und erhielt gleich beim Opener „I Wanna Be Adored“ reichlich Unterstützung aus dem Publikum. Herr Brown war ansonsten entertainermäßig unterwegs: Er gestikulierte für die Fernsehkameras und das Publikum, warf sich in dramatische Posen und drohte an einer Stelle scherzhaft, Manis Bass an einem Lautsprecher zu zerschlagen.

An einer LED-Wand im Hintergrund konnte man sich an zahlreichen Erinnerungen aus der Stone Roses-Geschichte erfreuen, also den Drop Paintings von John Squire, Zitronenscheiben, psychedelischen Animationen und Ausschnitten des Covers von „Fool’s Gold“.


Die Setliste wird von Konzert zu Konzert leicht variiert, die Schwäche, dass im ersten Drittel jedoch gleich drei Single-B-Seiten präsentiert werden, aber nicht behoben. Daher war ein deutlicher Stimmungsanstieg ab „Fool’s Gold“ deutlich zu verspüren. „Fool’s Gold“ und auch „Waterfall“ fielen durch ausgiebige Gitarrensolos von John Squire deutlich länger aus als auf Platte (bei „Fool’s Gold“ handelt es sich bei der veröffentlichten 9-Minuten-Singleversion also offenbar um eine gekürzte). Hier konnten die Stone Roses zeigen, dass mit Squire, Reni und Mani drei hervorragende Musiker in der Band stehen. Und eben Ian Brown.

Dieser ergänzte „Love Spreads“ am Ende durch eine Rap-Einlage („The Stone Roses are back on stage“ ?) und versemmelte „Don’t Stop“ gehörig. Da wollte der Titel des Songs so gar nicht zum Eindruck beim Hören passen. Der Abschluss ließ mit vier weiteren Songs aus ihrem Debütalbum sicherlich keine Fan-Wünsche offen.

Vielleicht um die Gefahr zu mindern, dass einzelne Bandmitglieder schon nach Hause fahren, wurde „I am the Resurrection“ nicht als Zugabe sondern einfach als letzter Song gespielt.

Setlist The Stone Roses, Hurricane Festival, Scheeßel:

01: I Wanna Be Adored
02: Mersey Paradise
03: Sally Cinnamon
04: Where Angels Play ?
05: Shoot You Down
06: (Bye bye) Badman
07: Ten Storey Love Song
08: Standing Here
09: Fools Gold
10: Waterfall
11: Don’t Stop
12: Love Spreads
13: Made Of Stone
14: This Is The One
15: She Bangs The Drums
16: I Am The Resurrection

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Stone Roses, Amsterdam, 12.06.12#


Mittwoch, 13. Juni 2012

The Stone Roses, Amsterdam, 12.06.12

3 Kommentare

Konzert: The Stone Roses
Ort: Heineken Music Hall, Amsterdam
Datum: 12.06.2012
Zuschauer: 4.000 bis 4.500 (nicht ausverkauft)
Dauer: knapp 80 min


Haben sich die Stone Roses gleich wieder aufgelöst? Nachdem ihr reguläres Set nach immerhin 15 Liedern und einigen eindrucksvoll langen Gitarrensoli beendet war, dauerte es ewig, bis wieder etwas passierte. Die Crew stimmte die Instrumente, die Band kam aber nicht zurück. Irgendwann erschien Ian Brown wieder, seine Kapuzenjacke über dem Mikroständer, und teilte mit, der Drummer sei schon weg. Wir haben sein Genuschel nicht richtig verstanden, dem NME nach nannte er Schlagzeuger Reni "a cunt."

Die erwartete Zugabe I am the resurrection, die die Roses bei den beiden Konzerten in Barcelona gespielt hatten fiel aus. "I'm not kidding", und er verschwand.

Das Konzert bis dahin könnte man mit mehr zeitlicher Distanz und vor dem Hintergrund des Endes sicher auch anders sehen, ich bin aber sehr froh, es gesehen zu haben und fühle mich prächtig unterhalten.

Ian Browns Gesang war schrecklich. Die Hits der Band waren nicht nur deshalb heute so überragend, weil es eben die Hits sind, sie waren es auch, weil das Publikum bei Liedern wie I wanne be adored, This is the one oder Made of stone besonders laut mitsingen konnte. Dann hörte man den Sänger nicht so sehr. Wir hatten auch das Gefühl, oftneben Ians eine zweite Stimme zu hören. Drummer Reni hat mitgesungen, die Stimme, die über die Anlage kam, klang aber eigentlich zu gut für die, die wir ihm zutrauten. Vielleicht wurde da einfach ein wenig getrickst.

Dann gab es durchaus Längen. In der Mitte, vor dem "grand finale", war das Konzert nicht immer packend. Ich merkte das unter anderem daran, daß in dieser Phase meine (dann ruhigen) Füße in der riesigen Bierpfütze festklebten. Oder an dem verkrampften Gesicht der Frau neben mir, die Fools gold mitgefilmt hat, aber nicht geahnt hatte, daß das Lied 10 minütige Soli enthielt. Sie filmte tapfer weiter, man sah ihr die Qualen aber an. Die letzten vier, fünf Lieder allerdings waren so großartig, daß die Fahrt, das anstrengende Publikum von auswärts, die langen Gitarrenparts so sehr egal waren. Es war ein tolles Konzert, sagt das Bauchgefühl!

Und es war besser als damals in den 90ern, sagt meine Konzertbegleitung!



[Update 13.06.] Ich habe diesen Bericht bewußt unmittelbar nach Heimkehr geschrieben, um die frischen Erlebnisse festhalten zu können. Oft ist das zwar nett, aber nicht zwangsläufig anders als am nächsten Tag, bei Konzerten wie diesem schadet großen Drübernachdenken hinterher dem Berichten aber enorm. Ich habe aber einiges vergessen heute morgen um zwei.

Die Stone Roses und ihr gleichnamiges Debütalbum sind grandios und wichtig, für mich waren die Stone Roses aber nie die Nummer eins Band. In ihrer großen Zeit waren mir James und die Charlatans, später Oasis wichtiger. Als es mit der Reunion ernst wurde, musste ich sie natürlich trotzdem sehen, dafür bot sich das Konzert in Amsterdam an. Nachmittags hin, da übernachten und am anderen Tag zurück war der Plan. In gleichem Maße wie der Termin näherkam, sank die Lust. Ich hatte die Stone Roses in den 90er nie gesehen, aber vieles über ihre Livequalitäten gehört. Dafür nach Amsterdam fahren? Hmmm.

Am Wochende kam dann aus heiterem Himmel doch plötzlich geballte Vorfreude, und plötzlich erschien doch alles unglaublich sinnvoll, wir standen also um kurz nach sieben auf einem Platz zwischen der Amsterdam ArenA (Heimat von Ajax), einem Shoppingcenter, vieler Bürohäuser und der Heineken Music Hall. Auf dem Platz war zwar viel los, zum Konzert schienen aber die wenigsten gehen zu wollen. Im Foyer der Music Hall überraschte erst einmal die hochmoderne Gestaltung. Von dieser Sorte Konzerthäuser gibt es in Frankreich und den Benelux Staaten so viele, uns fehlt leider offenbar der Sinn für solche Einrichtungen, in Deutschland finden Konzerte daher gerne in der Stadthalle Neu Isenburg mit ihrem Modelleisenbahnausstellungs-Flair statt.

Der große Saal, der 5.500 Zuschauer aufnehmen können soll, ist perfekt für Konzerte. Die Grundfläche schien annähernd quadratisch zu sein. An der der Bühne gegenüber liegenden Seite befinden sich zwei Tribünen-Etagen, die Technik ist auf zwei Balkonen rechts und links untergebracht.

Es sollte keine Vorgruppe geben (das war ein weiteres Argument für den Ausflug), stattdessen lief Musik vom Band - vermutlich ein auf Zufall eingestellter iPod. Die Sexpistols, Elektrobeat und 60's Pop unmittelbar nacheinander, waren etwas anstrengend. Wir hatten mit einem Beginn um 20.45 oder 21.00 h gerechnet, es wurde etwas später. Bis dahin war unser Platz vorne rechts, nicht zu weit in der Mitte dicht gedrängt von Engländern und zwei, drei Einheimischen. Vor allem die Briten mußten offenbar nicht mehr fahren und hatten durchschnittlich drei Bierbecher auf Vorrat in der Hand. Um 21.15 h kam die Band auf die Bühne: Ian Brown in schwarzem Kung-Fu-Club T-Shirt und Jeans mit Glitzerapplikationen (die hat hoffentlich seine Freundin ausgesucht!), Bassist Mani mit Blumenhemd und seeligem Lächeln, Gitarrist John Squire mit Chris Norman Frisur und dem jüngsten Aussehen. Schlagzeuger Reni saß hinter seinen beiden Bassdrums und einem Plexiglaskäfig und war kaum auszumachen.

Daß I wanna be adored Opener sein würde, war nicht überraschend, damit hatte die Band alle drei Konzerte bisher begonnen. Das Stück zeigte die Marschroute der kommenden anderhalb Stunden: Hymnen, die alle mitschmettern, drei begnadete Musiker, die zu den besten ihrer Sorte zählen und ein Sänger, der mit einem Gang über die Bühne schreitet, den man sonst nur bei Reality Dokus bei RTL2 sieht. Daß Ian trotz seines schiefen Gesangs mitverantwortlich für so viele großartige Songs ist, ist ein großer Glücksfall. Man mag sich nicht ausrechnen, wie sein Leben ohne die Musik verlaufen wäre, nimmt man nur sein Auftreten auf der Bühne als Vorlage.

Irgendwann, vielleicht nach Mersey paradise, das ich sehr mag, wurde das Konzert lahmer. Das war aber nicht weiter schlimm, weil es genug zu sehen gab. Und jeder im Saal wusste ja, daß noch große Knaller kommen würden. Auch die irre in die Länge gezogenen Songs in der Mitte gehörten eben dazu. Man kann Fools gold sicher auch gestraffter spielen. Aber es gibt ja auch Menschen, die auf lange Gitarrensoli stehen - warum auch immer - die kamen sehr auf ihre Kosten!

Mit Waterfall begann die stärkste Phase des Abends. Vorne war es mittlerweile knallvoll - an Menschen und die Menschen aber auch das war weniger schlimm als ich das schon erlebt habe, es hat noch nicht mal jemand sich den Weg zur Toilette gespart und den leeren Bierbecher benutzt, es war also gesittet.

Mit This is the one, She bangs the drums, Made of stone und Love spreads boten die Roses ein Finale, das besser nicht sein konnte!

Und dann kam das Ende, über das sie heute alle berichten. Der Pete-Doherty Moment. Es war sehr schnell klar, daß Ian wirklich keinen Spaß machte. Das Licht ging an, die Band verschwand. Wir brachen wegen der weiten Rückreise auch auf. Von randalierenden Zuschauern war bis dahin nichts zu sehen. Natürlich flogen gegen Ende ein paar volle Bierbecher nach vorne. Das ist aber nicht Zeichen von Frust, das ist englische Konzertfolklore. Im Vergleich zu den bisherigen Konzerten haben wir für unsere 50 € viel geboten bekommen. Wegen der fehlenden Zugabe also durchdrehen? Unsinnig! Dafür hatten wir ja noch Ians Schlußworte. Und ein Konzert, das auch einen halben Tag später noch unterm Strich fabelhaft war.

Setlist The Stone Roses, Heineken Music Hall, Amsterdam:

01: I wanna be adored
02: Sally Cinnamon
03: Mersey paradise
04: (Song for my) sugar spun sister
05: Where angels play
06: Shoot you down
07: Fools gold
08: Tightrope
09: Ten storey love song
10: Waterfall
11: Don't stop
12: This is the one
13: She bangs the drums
14: Made of stone
15: Love spreads

Links:

- mehr Fotos vom Konzert




 

Konzerttagebuch © 2010

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