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Freitag, 13. Mai 2011

Wire, Paris, 11.03.11

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Konzert: Wire, Paris
Ort: La Machine du Moulin Rouge
Datum: 11.03.2011
Zuschauer: 600-700
Konzertdauer: etwa 1 Stunde 54 Minuten


Na, wunderbar! Aufgrund der technischen Panne bei blogger.com ist mein Konzertbericht über Wire, den ich noch unter größten Mühen in der gleichen Nacht geschrieben habe, in den Untiefen des Word Wide Web verschüttet gegangen! Ob er noch mal wieder auftaucht? Viel Bock, den Text aus dem Gedächtnis heraus zu reproduzieren habe ich nicht, und Zeit schon mal gar nicht. Och menno !!!!!!!!!



Donnerstag, 12. Mai 2011

Wire, Paris, 11.05.11

1 Kommentare

Konzert: Wire

Ort: La Machine Du Moulin Rouge

Datum: 11.05.2011

Zuschauer: etwa 600-700
Konzertdauer: 1 Stunde 45 Minuten



Hier will ich gar nicht lange drumrumreden: das Konzert der alten Punk-Haudegen Wire in der Machine du Moulin Rouge in Paris war einfach grandios! Mein Vater John Peel war schon großer Fan der kultigen Engländer, nun bin ich es auch.

Dabei hatte ich eigentlich nicht unbedingt ein absolut überragendes Konzert erwartet, da ich Wire im Jahre 2008 schon einmal in der Maroquinerie gesehen hatte. Dort waren die Briten positiv in Erscheinung getreten, hatten einen grundsoliden und sehr ordentlichen Gig abgeliefert, allerdings keine langanhaltende Euphorie bei mir ausgelöst. Es war nichts Unvergessliches, was ich da damals gesehen und gehört hatte.

Heute aber Begeisterung pur für Wire und dies nicht nur bei mir! Auch meine französischen Konzertfreunde waren hinterher total aus dem Häuschen! Wir waren uns alle einig darüber, daß dieser Auftritt erste Sahne war. Wichtiger Grund für das außergewöhnliche Konzerterlebnis war der fabelhafte Sound in der Machine du Moulin Rouge. Laut, aber keine Spur übersteuert, breiig oder dumpf. Stattdessen wuchtig, glaskar, nuanciert und harmonisch. Jeder einzelne Winkel der nicht gerade kleinen Location (Fassungsvermögen wohl über 1000) wurde pefekt beschallt. Egal, wo man stand, überall war der Klang tadellos. Dies war natürlich auch Verdienst der altgedienten Band, die saft-und kraftvoll agierte, aber nie zu plump, zu hymnisch oder zu derbe wurde. Es gab keine punkigen Mitgröhlnummern, sondern geistreichen Art Punk ohne elitäre Attitüde. Einfach nur perfekt exekutiert, handwerklich gekonnt gespielt und ohne große Geste auf das Publikum abgeschossen. Lässig allein, wie der glatzköpfige Drummer Robert Grey scheinbar mühelos mit ruhigem Oberkörper fast zwei Stunden lang austeilte wie ein Preisboxer und die Truppe vorantrieb. Und Sänger und Gitarrist Colin Newman setzte seine Stimme sehr variabel ein. Bei den sphärischen Stücken war sie inoffensiv, weltenrückt und angenehm sanft, bei den agressiven Nummern bissig, nörglerisch und hundsgemein. Auch die anderen beiden Musiker fielen positiv auf. Der langmähnige junge zweite Gitarrist Matt Sims spielte seinen Part am rechten Bühnenrand souverän und fehlerfrei und der Basser Graham Lewis zupfte nicht nur rasant schnell und messerscharf, sondern hatte auch das größte Charisma innerhalb der Band aufzuweisen. Grimmig sein Gesichtsausdruck, gespannt sein für sein Alter noch sehr straffer Körper und lustig seine Kopfbedeckung: Ein französisches Miltärbarret, in einem der billigen Souvenirläden um die Ecke gekauft. Woher ich weiß, daß er das Ding da erworben hat? Nun, er hat es mir gesagt! In einer Pause zwischen zwei Songs. Ihm war aufgefallen, daß eine Bekannte von mir und ich auf sein Barret zeigten und uns fragten, ob das wirlich ein Eiffelturm war, was wir da an der rechten Seite der Mütze sahen. Da hat er sich dann einfach in unser Gespräch eingeschaltet und auf gutem französisch gesagt: "C'est un bonnet", bevor er hinterherschickte: "I bought it this afternoon just around the corner. And yes, it's the Eiffel tower!"

Er sang im Übrigen auch ein paar wenige Stücke in führender Rolle und sorgte so stimmlich für Abwechslung. Ein netter Typ, so schien es. Ob man das mit dem Nett - sein auch von Sänger Colin sagen kann, ist allerdings fraglich. Er sieht zwar mit seinem schütteren Haar und der Brille aus wie ein gutmütiger Wärter in einem Naturkundemuseum, lässt sich allerdings nicht gerne in die Quere kommen. In einer der spektakulärsten Szenen des Konzertes machte er klar deutlich, wo seine Intimsphäre beginnt: in der Nähe seines Mikros! Dorthin hatte sich ein junger Zuschauer gewagt. Von abwesenden Sicherheitsleuten nicht am Erklettern der recht hohen Bühne gehindert, stand der kesse Grünspecht plötzlich gleich neben den Musikern. Als er gerade etwas ins Mikrofon brabbeln wollte, nahm Colin Schwung und schupste den Störenfried mit Wucht von der Bühne. Rums, der Kerl war schnell wieder unten! Und damit er nicht auf die Idee kam, noch einmal raufzuklettern, ließ Mister Newman unmissverständlich wissen: " If this guys comes again up on stage I'm gonna fucking kill him!"

Damit war klar, daß Wire Konzerte keine Kindergeburtstage, sondern etwas für harte (und alte) Burschen sind. Jene ergauten Haudegen im Publikum waren es letztlich dann auch, die sich besonders an dem Sound erfreuten. Ein paar alte Säcke hatten ein Dauergrinsen auf de feisten Fresse und schienen in einer Art Parallelzustand. Aber auch das jüngere Publikum, daß die Band zu seinen Glanzzeiten noch nicht gekannt haben kann, schien einen richtig geilen Abend zu verleben. Kein Wunder irgendwie, denn selbst die alten Sachen klangen keine Spur antiquiert oder überholt, sondern absolut modern und zeitgemäß. Erstaunlich auch, daß man keine großen Brüche innerhalb des Materials feststellen konnte. Immerhin reicht das Songrepertoire von 1976 bis 2010! Dabei war es keineswegs so, daß alles gleich klang. Sondern nur, daß Leute, die ohne Vorwissen zu diesem Konzert gekommen sind, definitiv nicht sagen konnten, aus welcher Zeit welches Stück stammte. Wobei natürlich der typische Spätsiebziger Post-Punksound unüberhörbar war. Man dachte an ähnliche Bands dieser ungemein kreativen Epoche wie Joy Division, die Gang Of Four oder The Fall und bekam (zumindest wenn man so alt war wie ich) nostalgische Gefühle. Ganz erstaunlich, welche Emotionen der britische Gitarrenrock zu dieser Zeit zu vermitteln im Stande war. Wenn heutzutage Bands wie Interpol, Franz Ferdinand oder These New Puritans diesen Stil kopieren, sieht man sehr deutlich, wie avantgardistisch Wire und Co. waren.

Gespielt wurden Stücke von vielen verschiedenen der insgesamt 12 Studioalben, mit einem Schwerpunkt auf dem aktuellen Output Red Barket Trees. Highlights hervorzuheben fällt mir nicht leicht. Gerade die ausgewogene Mischung aus sphärischen, eher poppigen und mitunter erstaunlich melodiösen Songs, rohen, brachialen Noisekeulen und martialischen Punk-Tracks machte das Besondere dieses Konzertes aus. Es war in jeder Phase stark, hatte keine Hänger oder gar Rohrkrepierer zu beklagen. Nicht nur die Klassiker von Pink Flag zogen, nein, auch neuere, unbekannte Sachen. Das war das Schöne.

Nach wie vor gilt deshalb festzuhalten: Wire sind eine essentielle Band. Auch in 2011. Oder wie es meine Freundin Mathilde begeistert ausdrückte: "Wire encore meilleur"- Wire noch besser.

Setlist Wire, La Machine Du Moulin Rouge (in Klammern, die Alben, von denen die Stücke stammen)

01: Comet (Send)
02: Smash (Red Barked Trees)
03: Advantage In Height (The Ideal Copy)
04: Please Take (Red Barket Trees)
05: Silk Skin Paws ( A Bell Is A Cup...Until It Is Struck)
06: Kidney Bingos ( A Bell Is A Cup...Until It Is Struck)
07: Clay (Red Barket Trees)
08: Map Ref 41 Degrees N 93 Degrees W (154)
09: Bad Worn Thing (Red Barked Trees)
10: Moreover (Red Barket Trees)
11: Two People In A Room (154)
12: 106 Beats That (Pink Flag)
13: The Boiling Boy (It's Beginning To And Back Again)
14: Red Barket Trees (Red Barket Trees)

15: Down To This (Red Barked Trees)
16: (A Berlin) Drill (The Drill)
17: Underwater Experiences (Document And Eyewitness)

18: Adapt (Red Barket Tree)
19: Pink Flag (Pink Flag)

Aus unserem Archiv:

Wire, Paris, 27.09.08



Sonntag, 28. September 2008

Wire, Paris, 27.09.08

1 Kommentare

Konzert: Wire
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 27.09.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 75 Minuten



Bin ich Punk?

Wenn ich mich so im Spiegel betrachte: nö, nicht wirklich. Zwar erkennt man den ehemaligen spießigen Jura- Studenten nur noch auf den zweiten Blick, aber trotz der langen (wenngleich inzwischen ein wenig schütteren) Haare, den oft schwarzen Klamotten und der (ebenfalls schwarzen) Militärkappe von Carhartt sehen echte Punks anders aus. Witzigerweise sehe ich auf dem Weg zum Wire Konzert ein paar originale Vertreter dieser Bewegung. Völlig versifft laufen sie die Rue Oberkampf entlang, räudige Hunde im Schlepptau und schnorren Passanten an: "Ey, haste mal ne Kippe, oder ey haste mal nen Euro", die Sprüche kennt man ja. Von dem schlechten Atem des Typen mit dem Irokesenschnitt wird mir ganz übel. Meine Güte, war der je in seinem Leben beim Zahnarzt? Ich bin etwas angewidert, da kommt der Spießer in mir durch. Dabei bin ich gerade auf dem Weg zu einem Punk-Konzert. Die echten Punks können sich so 'nen Gig gar nicht leisten. Gut 20 Euro für ein Konzert abdrücken? Hast Du 'ne Vollmeise, Alter?

Ein bißchen Punkspirit schreibe ich mir aber doch zu. Seitdem ich mit 16 oder 17 in meiner Indie-Disco Logo mit dem Virus Punk in Berührung kam, lässt mich zumindest die Musik nie so richtig los. Damals entdeckten meine Freunde und ich die Faszination, die von Bands wie den Ramones, The Clash, Siouxsie And The Banshees, The Fall, etc. ausging. Klaaus, der super DJ in dem ranzigen Schuppen, hat uns eingeheizt mit Sachen wie Somebody Put Something In My Drink (Ramones), Rock The Casbah (The Clash), Spellbound (Siouxsie) oder New Big Prinz (The Fall). "Rockin' records, rockin' records, rock the record rockin' records" (Text Mark E. Smith), ja das stachelte uns schon an. Wir hatten Blut geleckt! Und in meinem Falle auch Bier und Schnaps. Und zwar in rauen Mengen, ich war erst zufrieden, wenn ich besoffen war wie ein Schwein! Wenn mein Magen irgendwann revoltierte, raste ich auf die Toilette, hing mich über das Pinkelbecken und reierte das Ding randvoll. Dann wurde weitergesoffen. Und geraucht, filterlose Zigaretten mussten es sein, alles andere war für Mädchen. A propos Mädchen. Mit denen lief nicht viel, obwohl ich manchmal Avancen bekam. Aber da war der Song von den Dead Kennedys Programm: Too Drunk To Fuck! (Video hier). Also wenn ich es mir recht überlege, war ich damals doch recht punkig drauf! "Wir saufen und wir bürsten, wir sind die Fürsten", das war unser Leitspruch. "Sauf Junge!", schrie mich mal ein guter Freund an, da verstand er keinen Spass und ich folgte dem Befehl gehorsam. Anschliessend wurde nächtelang gezecht und um die Häuser gezogen, ein Wunder, daß in dem Zusatnd nichts Schlimmeres passiert ist. Aber wir hatten Dusel, irgendwie verlief alles immer glimpflich und dann wurden wir vernünftig. Sehr vernünftig. Spießig und strebsam. Jurastudenten eben.

Das Ganze ist jetzt fast 20 Jahre (die wilde Phase war zwischen 88 und 91) her und komischerweise waren die meisten Punkbands auch ähnlich lange inaktiv. Ihr Stil war einfach out, Techno war in den 90ern angesagt. Auch Wire haben zwischen 1991 und 2003 kein Album mehr veröffentlicht. Erst 2003, als das Post Punk Revival mit Bands wie Franz Ferdinand und Interpol einsetzte, kamen Wire wieder aus ihren Löchern gekrochen und brachten das Werk Send auf den Markt. Das ging an mir vorbei, genau wie im Übrigen die frühen Sachen von Wire. Die liefen einfach damals in unsere Indie-Disco nicht, oder wir haben sie nicht wahrgenommen. Erst als ich im Zusammenhang mit neuen Gruppen wie den Futureheads, den bereits zitierten Franz Ferdinand und Bloc Party ständig den Namen Wire als Haupteinfluss um die Ohren geschmettert bekam, besorgte ich mir das Kultalbum Pink Flag, damals im Jahre 1977 das Debüt von Wire. Und es ist in der Tat eine geile Scheibe, die zweifelsohne etliche andere beinflusst hat. Dieses kurze Stoppen und Wiedereinsetzen der Musik als Markenzeichen, genauso machen es die Futureheads oder Maximo Park heutzutage auch.

Eine nach wie vor wichtige Band also und das dachten sich wohl auch die schon recht alten Zuschauer heute. Die Maroquinerie war ausverkauft. Und dummerweise kam ich auch noch zu spät und verpasste die Hälfte des Konzerts! Punks sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, die fangen pünktlich um 21 Uhr an, die Spießer! Ich hatte einfach zu lange zu Hause rumgetrödelt und erreichte den Konzertsaal erst um kurz nach halb 10. Aber ich hatte Glück im Unglück, denn die Klassiker von Pink Flag hatten sich die alten Haudegen für das Ende aufgehoben, nachdem sie in meiner Abwesenheit etliche Sachen von dem neuen, hochgelobten Output Object 47 zum Besten gegeben hatten. Auch das starke The 15th vom Album 154 (1979) kam im hinteren Drittel. Von den Hauptdarstellern sah ich am Anfang nicht sonderlich viel, denn der Laden war sehr voll und ich konnte kaum sehen, wer da auf der Bühne agierte. Irgendwann hatte ich dann aber doch bessere Sicht und erkennte einen Brillenträger mit schütterem Haar an der Gitarre ( "Boss" Colin Newman), einen Wollmützenträger am Bass (Graham Lewis), einen Glatzkopf mit Muskelshirt an den Drums (Robert Gotobed) und eine Frau an der zweiten Gitarre (Margaret Fiedler Mc Ginnis).

Diese vier rissen mir in den mir verbleibenden knapp 40 Minuten ganz schön meinen verpoppten Arsch auf! Der Bass polterte düster, der Gesang war giftig und gemein und die Gitarrenriffs kamen scharf und kantig. Insgesamt ein richtig schwerer, harter Sound. Und die Knüller von Pink Flag, als da wären 106 Beats That, Pinkflag, Lowdown und natürlich der abschließende Hammer 1 2 X U (Want To Ex You) kamen richtig gut und unterstrichen, daß Wire auch heute noch eine Daseinsberechtigung haben.

Jeder Musikfan, ob echter, halber, oder gar kein Punk sollte die sich also mal ansehen!

Setlist Wire, La Maroquinerie, Paris (merci à Stéphane!)

01: Our Time
02: Mr Marx's Table
03: Comet
04: Being Sucked In Again
05: Mekong Headman
06: Perspex Icon
07: Advantage In Height
08: The Agfers Of Kodack
09: All Fours
10: One Of Us
11: Boiling Boy
12: The 15 th
13: 106 Beats That
14: I Don't Understand

15: He Knows
16: Pink Flag

17: Lowdown
18: 1 2 XU

Links: Videos von:

- The 15 th, alte Aufnahme vom Rockpalast
- Pink Flag, live South Street Seaport NYC 2008
- Lowdown, ebenfalls SS Seaport 2008




 

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