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Samstag, 12. November 2016

Warm Graves, Reykjavik, 05.11.16

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Konzert: Warm Graves
Ort: Gamla Bió, Reykjavik (Iceland Airwaves Festival)
Datum: 05.11.2016
Dauer: gut 30 min
Zuschauer: ein paar hundert



Nach 25 Minuten nahm der Keyboarder von Warm Graves zum ersten Mal seinen Finger vom Instrument. Da hatte die Band aus Leipzig drei Lieder gespielt, die allerdings fast wie eines wirkten. Dadurch, daß auch in den Pausen immer wabernde Keyboard-Töne zu hören waren, waren die Lieder ohnehin nicht abgeschlossen. 

Wie bei vielen Konzerten des Festivals hatte ich keine echten Erwartungen. Ich kannte Warm Graves nicht, ich hatte keine Chance, in die bei Soundcloud bereitgestellte Platte Ships will come reinzuhören (die physisch bei This Charming Man Records erschienen ist). Die Festival-App, die mein Zeitplan war, hatte als Referenzen Arcade Fire oder Godspeed You! Black Emperor genannt, da konnte schon nicht viel schiefgehen.

Der Auftritt der dreiköpfigen Band (Keyboard, Gitarre und Schlagzeug) begann herrlich unkonventionell: gut vier Minuten lang waren nur sphärische Gitarren- und Keyboard-Nebel zu hören, bevor mit dem Einsetzen des Schlagzeugs so etwas wie ein Startsignal erfolgte. Als der Gesang des Gitarristen einsetzte, fühlte ich mich an Wu Lyf erinnert, diese kurzlebige Band aus Manchester, die erst einmal dadurch auffiel, daß niemand etwas über sie wusste, dann aber herrlich düstere Musik veröffentlichte. Der gebrüllte, aber irgendwo ganz im Hintergrund stattfindende "Gesang" bei Warm Graves, von dem man nichts verstand, erinnerte mich sehr an Wu Lyf. Beim zweiten Lied (The cold woman) verstand ich dann die Arcade Fire Referenzen, der erste Teil des Textes hätte der von Tunnels sein können. Aber der Gesang ist nicht darauf ausgelegt, ihn zu verstehen, daher kann ich nicht überprüfen, ob wirklich "And if my parents are crying then I'll dig a tunnel from my window to yours" gesungen wurde. Mir gefällt die Idee.




Die Stilmittel, mit denen Warm Graves arbeiten, erscheinen mir als Laien nicht als besonders kompliziert: das eindringliche Schlagzeug klang eher monoton, die Melodien nicht schrecklich komplex und die Texte, nun, zu denen kann ich ja nichts sagen, weil ich nicht mal die Sprache erkennen konnte. Trotzdem war der Auftritt schlicht und einfach brillant und wurde gefeiert!

Vielleicht waren die Booker begeistert davon, daß es auch außerhalb ihrer Insel isländische klingende Bands gibt. Weil am Abend noch Kate Tempest oder Gangly im gleichen Saal auftreten sollten, war das Gamla Bió schon voll. Und obwohl Warm Graves nicht wenig experimentell klingen, blieben alle und feierten sie.


Setlist Warm Graves, Gamla Bió, Reykjavik:

01: Best Ezra

02: The cold women 
03: Headlines
04: Roleaux

Links:

- aus unserem Archiv:
- unsere Berichte von Iceland Airwaves 16





Samstag, 13. September 2014

Sound of Bronkow, Tag 1, Dresden, 05.09.14

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Sound of Bronkow Music Festival 
Tag 1 mit den Konzerten von
  Warm Graves (35 min)
  Talking to Turtles (50 min)
  Bad Braids (45 min)
Ort: Societaetstheater Dresden
Datum: 5. September
Zuschauer: knapp 300


Es gibt viele Aspekte, die ich am Sound of Bronkow Festival liebe. Z.B. fällt man aus der Flaniermeile unversehens in einen Ort der Ruhe und Kontemplation. An diesem ersten Abend war es aber ganz besonders jenseitig, als wäre ich in ein Raumschiff gestiegen, das am Abend in extrem entfernten Orten der Welt andockte. Der erste Eindruck - ganz besonders surreal und andersweltig waren Warm Graves aus Leipzig. 


Was sie lieferten war sich ostinato-mäßig wiederholend mit eine Prise Psychedelik und etablierten Rockschemen. Zu dritt standen sie auf der Bühne mit vielen Tasten, einer E-Gitarre und einem wummernden und treibenden Schlagzeug. Der Gesang kam wie aus dem Jenseits unwirklich und auch etwas unheimlich - jedenfalls ganz und gar nicht von dieser Welt. Deshalb wohl auch bei mir die Assoziation des Raumschifffluges gleich zu Beginn. Es wurde keine Pause (z.B. zum klatschen) gemacht, sondern Stück an Stück gereiht, aneinandergewebt. Ein interessanter Beginn - leider war es zu laut (blieb damit aber für die nächsten Tage der einzige Act bei dem ich im Konzert Hörschutz nötig hatte).



Mit Spannung und Vorfreude hatte ich auf Talking to Turtles gewartet. Ganz anders als der Auftakt im Keller tupften sie ihre Welt in den großen Saal. Es startete als Sitzkonzert, aber schnell wurde es voll und noch voller und dann irgendwann klar, dass der Andrang so groß war, dass nur im Stehen des Publikums Platz für alle wurde.

 

Die beiden auf der Bühne nahmen die damit einhergehenden Gymnastikübungen im Publikum und die Unruhe gelassen und strömten zwar Konzentration auf ihre neuen Lieder, aber gleichzeitig gute Stimmung aus. Für Beam me up Scotty durften wir die Bühne virtuell einebnen und ein bisschen mittun. Und zu Boys gab es eine lange schöne Geschichte. Überhaupt wurde viel geredet und das Publikum nahm Musik und drumrum mit viel Liebe und Applaus auf. Das Konzert war wohl mein privater Höhepunkt des Abends - beglückend und wunderschön! Wunderschön waren auch die Projektionen auf die Spitzendeckchen über die Bühne. Sie nahmen stets ein Stück weit die Stimmung der Stücke auf und überhöhten damit die Wirkung ein Stück weit.



Setlist Talking to Turtles:
01. Gravity
02. Gold
03. Passenger Seat
04. A car, a beer, cigarettes
05. Green
06. Beam me up, Scotty
07. Waves
08. Boys
09. Fling
10. Shoelaces


Tourdaten
11.09. Leipzig - Conne Island
12.09. München - Milla - Live Club
13.09. Wiesbaden - Schlachthof Wiesbaden
14.09. Berlin - Privatclub Berlin
16.09. Bochum - Bahnhof Langendreer Bochum Kulturzentrum
18.09. Jena - Café Wagner Jena e.V.
19.09. Freiburg - The Great Räng teng teng
20.09. Düsseldorf - FFT Düsseldorf 



Bad Braids ist ein Projekt von Megan Biscieglia aus Philadelphia. Angekündigt war ihre Musik als qualvoll und verstörend und mit Anklängen an Joanna Newsome. Sie begann das Konzert mit schräger Musik vom Band und stellte sich allein mit ihrer E-Gitarre auf die Bühne. Man hatte schon das Gefühl, dass die Mehrheit aus dem Saal im Vestibül bei Marble Man blieb (vielleicht auch draußen quatschte oder rauchte). Das Publikum im kleinen Saal war jedenfalls im Vergleich zum gerade erlebten übervollen Saal recht übersichtlich. Aber die da waren ließen sich ein auf herbe Musik mit sehr präsenter E-Gitarre zu einer eindrücklichen Frauenstimme, die uns etwas zu sagen hatte.  Es waren sehr intensive 40 min, die aber wieder so aus einer ganz anderen Sphäre der Galaxien zu kommen schienen. Sweet sweet devil ging mir noch eine ganze Weile nach. Und dass es dem Publikum - so wie mir - wirklich gut gefallen hat, ließ sich daran ablesen, dass Megan für eine Zugabe zurückgerufen wurde.


Setlist Bad Braids:
01. Our Course
02. Mara
03. Oh Righteous one
04. Grey sky
05. Jackal
06. Wonder
07. Glory, Glory 

08. ?? (Z)


Tourdaten Bad Braids:
11.09. Schwarzenberg, Galerie Rademann
13.09. Karlsruhe, Wohnzimmerkonzert
15.09. Paris, Le Pop In
18.09. Brussels, Cafe Central
19.09. Tilburg, Incubate Off Festival (day show)
20.09. Kiel, Prinz Willy
22.09. Hamburg, Hasenschaukel


Alle Fotos:


Aus unserem Archiv:
Abschlussabend Sound of Bronkow 2014

Sound of Bronkow 2014 Tag 3
Sound of Bronkow 2014 Tag 2 
 
Sound of Bronkow 2013 Tag 3
Sound of Bronkow 2013 Tag 2
Sound of Bronkow 2013 Tag 1
Sound of Bronkow 2012 Tag 3
Sound of Bronkow 2012 Tag 2
Sound of Bronkow 2012 Tag 1
Die höchste Eisenbahn, Stuttgart, 11.01.14 
Talking to Turtles, Reutlingen, 25.07.14
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11




 

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