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Dienstag, 19. März 2019

Lemonheads, Paris, 10.03.19

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Konzert: Lemonheads (Vorgruppe Karl Larsson)
Ort: Gibus live, Paris
Datum: 10.03.2019
Zuschauer: fast ausverkauft
Konzertdauer: 60 Minuten

Ein riesiger Tourbus stand direkt vor der Eingangstür des Pariser Clubs Gibus Live als ich die Venue erreichte. Ein Statussymbol um zu zeigen, dass man noch wer ist im Indierockshowgeschäft? Lemonheads, das war ein glorreicher Name in den 90er Jahren, in denen der US-Indierock seine Hochphase hatte.



Der Name ist geblieben und er ist bei Insidern immer noch Kult, seltener geworden sind jedoch die Konzerttourneen. Nur sporadisch tingeln die Lemonheads noch durch Europa, das letzte Mal hatten sie 2012 In Paris gespielt, wenngleich Evan Dando 2014 auch noch einmal solo in Paris performt hatte.

Anlass ihrer aktuellen Tour war die Veröffentlichung ihres zweiten Cover Albums Varshons 2 Anfang 2019.

Natürlich spielten sie davon so einige Stücke, aber viele Fans waren natürlich auch wegen der alten Hits gekommen. Von vornherein klar war, dass wir sie nicht alle zu hören bekämen, denn sie hatten einfach zu viele Hits.



Allerdings hatten wir auch nicht damit gerechnet, dass das Programm in einer Stunde runtergespult wurde. Dando hatte von Beginn an auf Autopilot gestellt und spielte die Lieder alle ineinander übergehend. Das bot zwar die Möglichkeit möglichst viele Lieder in einer kurzen Zeit zu performen, machte die Sache aber auch sehr unpersönlich. Das Höchste der Gefühle war ein kurzes, knappes "merci" von Evan an zwei oder drei Stellen, mehr hatte er dem Pariser Publikum nicht zu sagen. Zwar verlangte niemand lange Reden oder ausufernde Anekdoten, aber ein wenig mehr Kommunikation wäre schon schön gewesen.



Am Gesang des Ex-Teenager Schwarms war allerdings nichts auszusetzen, seine Stimme klang tief und markant und eigentlich genauso gut wie in alten Tagen.

Auch an der Leistung der Band gab es kaum etwas zu mäkeln, alle spielten routiniert ihren Part, handwerklich war das einwandfrei.

Aber es kann einfach kaum was an Emotion rüber. Ich empfand eigentlich hauptsächlich aus alter Nostalgie etwas und dies auch nur phasenweise. Wenn Stücke gespielt wurden, die ich damals oft gehört hatte, wenn ein Refrain ertönte, den ich mochte, wenn die Gitarren uns glauben machten, wir seien noch in den 90 er Jahren, dann ging mein Puls etwas schneller. Oft gab es aber: Leere, Leblosigkeit, Langeweile, Sterilität.



Evan war mit gelbem T Shirt, beigefarbenem Cardigan, grauer Hose und schwarzen Sneakers erschienen. Lange Haarre wie immer. Er wirkte teilweise wie eine Hülle. Als sei er nur körperlich anwesend.

Viele unkten hinterher, er hätte einfach schnell in sein Hotel zurückgewollt, in Begleitung seiner Freundin. 4 eigentlich auf der Setliste vorgesehene Songs wurden nicht gespielt. Wenigstens das allerletzte Lied berührte mich ein wenig. The Outdoor Type akustisch und intim zusammen mit Chris Brokaw. Ein Evergreen. Wie so viele Sachen der Lemonheads. Schade, dass wegen der blutleeren Performance so wenig Glanz versprüht wurde.



Setlist:

01: All The Same (Last Days Of April) with Karl Larsson
02: Down about it
03: Hospital
04: The Turnpike Down
05: The Great Big No
06: It's a Shame About Ray
07: Can't Forget (Yo La Tengo)
08: Speed of The Sound of Loneliness (John Prine)
09: Rudderless
10: Abandoned (Lucianda Williams)
11: Left For Dead
12: tenderfoot (smudge)
13: Old Man Blank
14: My idea (Chris Brokaw)
15: I Just Can't Take It Anymore
16: My Drug Buddy
17: Hannah & Gabi
18: Confetti 
19: Break me
20: Stove
21: The Outdoor Type (Smudge), Dando acoustic with Chris Brokaw)




Sonntag, 13. Mai 2012

The Lemonheads, Köln, 12.05.12

7 Kommentare

Konzert: The Lemonheads
Ort: Luxor, Köln
Datum: 12.05.2012
Zuschauer: ca. 2/3 voll
Dauer: 97 min



Hmm, das war ein komisches Konzert der Lemonheads. Die amerikanische Band, die in den frühen 90er Jahren wichtig und einflußreich war, ist wieder einmal mit ihrem größen Erfolg, dem Album It's a shame about Ray unterwegs (diesmal 20. Jubiläum). Bevor die Platte gespielt wurde, stimmten Evan Dando und seine beiden Begleiter erst einmal Merkwürdigkeiten. Es begann nämlich mit dem Kinderlied The Itsy Bitsy Spider, bevor I love Paris von Cole Porter angestimmt wurde, beides erzeugte ein breites Grinsen im Gesicht des Bassisten.

Danach folgten drei Lemonheads Stücke, darunter Hospital, bevor ohne eine Pause oder einen Bruch It's a shame about Ray gespielt bzw. runtergespielt wurde.* Wir waren uns hinterher zu dritt nicht sicher, warum es so war, aber diese erste Phase des Konzerts war schlecht. Vielleicht hatte sich Evan Dando mit der lauten Band nicht gehört oder er war einfach noch nicht in Schuß. Große Lieder wurden ziemlich kleingespielt.

Normalerweise schalte ich in so einer Situation ab, verbuche das Konzert unter Flop und hoffe, daß es schnell vorbei ist. Hier allerdings kippte es irgendwann zum Guten, so etwas habe ich noch nie erlebt. Wieso auch immer, der Abend wurde noch richtig gut. Vielleicht schon gegen Ende der Jubiläumsplatte, spätestens aber in der Phase danach.

Nach It's a shame... spielten die Lemonheads sechs Lieder in Bandbesetzung, darunter Mallo cup, Pittsburgh und Tenderfoot. Danach verließen Bassist und Schlagzeuger die Bühne, um Evan Dando das Feld für Sololieder zu überlassen. Diese Stücke waren zum Teil nicht viel weniger laut, genauso schnodderig ineinander gespielt, sie wurden aber von Stück zu Stück besser. So als wäre der Sänger plötzlich wach geworden (keine Drogenwitze heute).

Dieser Soloblock umfasste phänomenale dreizehn Lieder! Erst zu den drei Zugaben kam die Band zurück und machte noch einmal richtig Krach zum Abschluß. Nach einer halben Stunde hatte ich es sehr bereut, mich nicht fürs Pokalendspiel entschieden zu haben. Nachdem Evan Dando in Form gekommen war, hielt sich die Trauer doch stark in Grenzen!

Setlist The Lemonheads, Luxor, Köln:*

01: The Itsy Bitsy Spider
02: I love Paris (Cole Porter Cover)
03: ?
04: Hospital
05: ?

06: Rockin stroll
07: Confetti
08: It's a shame about Ray
09: Rudderless
10: My drug buddy
11: The turnpike down
12: Bit part
13: Alison's starting to happen
14: ?
15: Kitchen
16: Ceiling fan in my spoon

17: Tenderfoot
18: ?
19: Mallo cup
20: Die right now
21: Pittsburgh
22: ?
23: The outdoor type (solo)
24: ? (solo)
25: Into your arms (solo)
26: Shaky ground (solo)
27: Frank Mills (solo)
28: Sam Stone (John Prine Cover) (solo)
29: Hard drive (solo)
30: ? (solo)
31: It's about time (solo)
32: Paid to smile (solo)
33: Shots is fired (solo)
34: Big red sun blues (Lucinda Williams Cover) (solo)
35: Different drum (solo)

36: Break me (Z)
37: If I could talk I'd tell you (Z)
38: Style (Z)



* mehr geben meine Mitschriften gerade nicht her, das wird aber hoffentlich noch etwas ergänzt.
** in einer etwas erweiterten Version. Zwischen Alison's starting to happen und Kitchen war da noch ein zusätzliches, kurzes Stück, das auf meiner Platte nicht ist.




Dienstag, 1. Mai 2012

The Lemonheads, Paris, 26.04.2012

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Konzert: The Lemonheads
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 26.04.2012

Zuschauer: voll, ca. 350

Konzertdauer: 75 Minuten für 30 Lieder, das entspricht 90 Minuten bei Künstlern, die zwischen den Stücken reden oder Pausen machen


Bericht und Fotos und Video von Uschi aus Paris


Es ist schon sehr lange her, daß Evan Dando in Paris gespielt hat; zuletzt war
er mit Chris Brokaw am 23. November 2009 da. Am Donnerstag kam er dann endlich mal wieder, im Rahmen der europäischen „It’s A Shame About Ray“-Tour anlässlich des 20-jährigen Album-Jubiläums.


Das Album von Anfang bis Ende durchzuspielen (ohne Mrs. Robinson) war das 30-minütige Pflichtprogramm, und darum herum gab es Songs aus den letzten 25 Jahren, von Mallo Cup bis Pittsburgh, und einige Coverversionen. Evan’s aktuelle Band spielt sehr schnell und kraftvoll, mit dem ausgezeichneten Chuck Treece, Profi-Skater und Sänger/Gitarrist bei der Skate-Rock-Band McRad, am Schlagzeug, und dem jungen Multiinstrumentalisten Jesse Cronan, der auf die Schnelle jede Menge Lemonheads-Songs gelernt hat, am Bass.

Die Lemonheads sind schon seit Ende September 2011 auf Jubiläumstour, Evan Dando hat aber sichtlich immer noch Spaß am touren. Die Bandbesetzung hat in den letzten Monaten einige Male gewechselt: im ersten Teil der US-Tour und auf der UK-Tour Ende letzten Jahres waren es noch Brian Nolan am Schlagzeug (früher bei American HIFI) und Drew Parsons von American HIFI am Bass. Für den zweiten Teil der US-Tour, die von Januar bis März 2012 ging, hat Evan Chuck Treece ans Schlagzeug und Fred Mascherino von den Terrible Things an den Bass geholt. Der hat aber für den letzten Teil der Tour keine Zeit, weil er ein eigenes Album aufnimmt.

Ich war im Dezember bei den Konzerten in Leeds und Newcastle-upon-Tyne. Der größte Unterschied zu Konzerten in England ist, daß in Paris kaum jemand mitsingt, wahrscheinlich, weil die Franzosen nicht so textsicher sind. Um so besser, denn ich bin ja für Evan’s samtige Stimme da! Er hat wunderbar gesungen und gespielt, vor allem die Solopassagen waren sehr intensiv, cool und warm zugleich. Seine Stimme klingt viel besser als vor 20 Jahren!




Wir hatten in Paris keine Vorband, sondern ein einstündiges, sehr gut gemischtes DJ-Set aus dem IPod von Chuck Treece. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt, der Jüngste war ca. vier Jahre alt, absoluter Lemonheads-Fan und wahrscheinlich in Begleitung seiner Eltern da. Die Ältesten schätze ich auf um die 60, aber zum großen Teil waren wohl Mitdreißiger bis Mitvierziger da. Die Stimmung war super!


Hier ist ein Foto der „maximalen“ Setlist: links die Lieder, die Evan Dando in den Soloabschnitten des Konzerts spielen könnte, und rechts, was die Band zusätzlich zu „Ray“ sonst noch zu spielen gelernt hat. (Oben links stehen noch Outdoor Type, Being Around und My Idea, auf dem Foto nicht zu sehen.) Es lohnt sich, Eure Wunschlieder herauszurufen! Ich habe eine Karte für das Konzert im Kölner Luxor und werde mir dort Shaky Ground wünschen. Und ein Gram Parsons Cover, ich weiß noch nicht welches ...

Setlist

Evan Dando solo mit Akustikgitarre:

Outdoor Type
Being Around
Big Red Sun Blues (Lucinda Williams)
Frying Pan (Victoria Williams)
Hard Drive

mit Band:

Rockin’ Stroll

Confetti
It’s A Shame About Ray
Rudderless
My Drug Buddy
Turnpike Down
Bit Part
Alison’s Starting To Happen
Hannah & Gabi
Kitchen
Ceiling Fan In My Spoon

Evan Dando solo elektrisch:

Frank Mills

No Backbone
Divan
It's About Time
Impractical Joke (Smudge)
Half The Time

mit Band:

Mallo Cup

Hospital
Down About It

Tenderfoot
Pittsburgh
Stove
Break Me
Great Big No

Weitere Konzertdaten:

01.05.2012: Übel & Gefährlich, Hamburg
02.05.2012: KB18, Kopenhagen
03.05.2012: John Dee, Oslo
04.05.2012: Debaser Slussen, Stockholm
06.05.2012: Tavastia, Helsinki
07.05.2012: Klubim, Tampere
09.05.2012: Hydrozagadka, Warschau
10.05.2012: Lucerna Music Bar, Prag
11.05.2012: Postbahnhof, Berlin
12.05.2012: Luxor, Köln
14.05.2012 Freiheiz, München
15.05.2012: Szene, Wien
16.05.2012: Abart, Zürich
18.05.2012: Bloom, Mailand



Samstag, 4. Oktober 2008

The Lemonheads, Köln, 03.10.08

13 Kommentare

Konzert: The Lemonheads
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.10.2008
Zuschauer: etwa 300
Dauer: Racoon ca. 30 min, The Lemonheads ca. 70 min


"Da bist du fünfzehn Jahre zu spät", war einer der Kommentare, als ich gestand, daß das Konzert der Lemonheads im Gebäude 9 mein erstes der amerikanischen Band sein würde, obwohl die Band mir irgendwann einmal viel bedeutet hatte. Vor fünfzehn Jahren eben...

Heute sind die Lemonheads für mich eine Band von vielen. In letzter Zeit habe ich die Musik der Bostoner nicht oft gehört. Trotzdem waren Neugierde und Vorfreude groß. Die Freude allerdings erhielt einige Tage vorher einen mächtigen Dämpfer, denn von der wundervollen KulturKirche wurde das Konzert ins Gebäude 9 verlegt. Da ich aber meine Karte schon hatte, änderte ich auch meine Pläne nicht.

Obwohl ich erst kurz vor dem Beginn des Vorgruppenparts ankam, war der Konzertsaal noch leer. Das traf sich sehr gut, denn die Ordner suchten alle Fotografen mit Spiegelreflexkameras (die im leeren Raum gut auszumachen waren), um ihnen zu sagen, daß es besser wäre, während der Lemonheads nicht zu fotografieren. Evan Dando sei am Morgen auf die Idee gekommen, daß er professionelle Fotoapparate nicht möge. Es könnte passieren, daß er handgreiflich würde, wenn er er ein Objektiv sehe. Bei mir wirkte das sofort, ich war eingeschüchtert.

Die Vorgruppe durfte man aber noch knipsen. Aber da mochte ich dann nicht. Zunächst war ich wirklich neugierig und gespannt und hatte keine Zeit zu
fotografieren, weil Racoon aus den Niederlanden eine ungewöhnliche Aufstellung hatten. Neben einem Schlagzeuger und einem Gitarristen standen da zwei Mikros* für Sänger. So stellte die Band sich dann auch zunächst auf und begann ein ruhiges Stück - mehrstimmig - das in Golden Brown von den Strangles überging. Gar nicht schlecht, auch wenn die ruhige Musik und vor allem die vollkommen bodenständig wirkenden Bandmitglieder nicht richtig zur Hauptgruppe passten. Nach zwei, drei sehr schönen Liedern wurde es irgendwann eintönig, vielleicht auch (schlechter Wortwitz), weil der rechts stehende Sänger doch hauptberuflich Bassist war und seltener größere Teile sang. Die vier Niederländer hatten viel Spaß bei ihrer Musik und wirkten schrecklich nett! Schade, daß die Musik sich auch nur das Prädikat "nett" erspielte.

* Der Mikroständer des Sängers hatte einen integrierten Nordic Walking Stock Griff. Warum auch immer.

Setlist Racoon, Gebäude 9, Köln:

01: Walk away (?)
02: Run out
03: Good & ugly
04: Lose another day
05: Laugh about it
06: Clean again
07: Hero's in town (?)
08: Love you more
09: My town
10: Close your eyes


Um 21.40 Uhr kam dann jemand mit einer riesigen Setlist auf die Bühne, zeigte die wie ein Nummerngirl dem Saal und legte das handbemalte A0-Plakat auf den Boden
zwischen Bass und Gitarre - die größte Setlist, die ich je gesehen habe. Daß sie so groß war, hatte seinen Grund, wie sich schnell zeigen sollte.

Evan Dando, der auch mittlerweile erschienen war und sich seine Gitarre umgeschnallt hatte, sah ziemlich fertig aus. Wenn er deshalb nicht professionell fotografiert werden wollte, hat er mein volles Verständnis. Auch sein Spiel und sein Gesang war merklich fahrig. Auf der hochgehaltenen Poster-Setlist hatte ich gesehen, daß die Lemonheads wie in Paris vor einigen Tagen mit Lieder von It's a shame about Ray in Albumreihenfolge beginnen würden. Trotzdem mußte Evan schon nach dem ersten Stück
Rockin Stroll nachsehen, was als nächstes komme. Das "Nachsehen" spielte sich dabei (auch in der Folge immer wieder) so ab, daß sich Dando runterbeugte, um die hausgroßen Songtitel zu lesen. Da er aber offenbar schlechtsichtiger war als die Buchstaben groß, erklärte ihm sein Bassist, was jeweils komme. So habe ich mir immer abgehalfterte Schauspieler vorgestellt, die sich ihre Texte nicht mehr merken können. Das, dazu die offensichtliche Lustlosigkeit - oder eher Gleichgültigkeit - der Indierock-Legende Dando war nicht schön anzusehen...

Es wurde irgendwann im Verlauf des Konzerts besser, ich habe mich aber im Verdacht, daß auch meine Gleichgültigkeit einfach stieg und mich das Konzert als besser werden empfinden ließ.

Bis zum einschließlich des neunten Lieds
(Alison's starting to happen) spielten die Lemonheads wirklich Ray in gleicher Reihenfolge, allerdings als Schatten der Albumversionen. Daß Juliana Hatfield, die bei einigen der Songs (auf Platte) mitgesungen hatte, fehlte, war das eine. Dieses herzlose Runterspielen hätte aber nicht sein müssen.

Es folgten mit Hannah and Gabi (von der Deluxe remastered gedingsten Version) und Ceiling fan in my spoon zwei weitere Lieder von It's a shame about Ray, bevor die ersten Variationen kamen, Lieder von Car Button Cloth und mit No backbone sogar ein recht neues Stück.

Nach Tenderfoot verließen die beiden Begleiter Dandos die Bühne. Nicht allerdings, ohne Evan noch zu sagen, was er jetzt spielen sollte. Das Konzert-Äquivalent zu Essen auf Rädern.

Sechs Lieder, also eigentlich ein halbes Konzert spielte Evan Dando dann alleine. Wie erwähnt glaube ich nicht, daß das dramatisch besser war als der Anfang des Konzerts, es war mir aber eine Ecke egaler. "The disco's coming soon, don't you worry", war dann auch keine so schlimme Drohung des Sängers.

Nach drei Stücken wieder gemeinsam, endete der Auftritt nach etwa 70 Minuten mit punkigen Rückkopplungen. Die Stimmung im Saal war weit weniger schlecht, als das
meine Schilderungen wahrscheinlich vermuten ließen. Ich war also wohl mit falschen Vorstellungen in dieses Konzert gegangen.

Falsch waren auch meine Phantasien, was wohl mit Fotografen passiere. Von Beginn an schoß einer mit seiner Spiegelreflex ganz offen Bilder des Sängers. Ohne Konsequenzen allerdings. Er stand am Rand und Evan Dando war offenbar nicht in der Lage, die Titel der riesigen Setlist zu lesen. Also trauten sich immer mehr Leute, Fotos zu machen. Bei mir kam dabei aber nur ein verwackelter Evan Dando raus. Sinnbildlich...

Setlist The Lemonheads, Gebäude 9, Köln:

01: Rockin Stroll
02: Confetti
03: It's a shame about Ray
04: Rudderless
05: My drug buddy
06: The turnpike down
07: Bit part
08: Alison's starting to happen
09: Hannah and Gabi
10: Ceiling fan in my spoon
11: It's about time
12: No backbone
13: Hospital
14: Tenderfoot
15: The outdoor type (Evan Dando Solo)
16: Being around
(Evan Dando Solo)
17: Why do you do this to yourself (Evan Dando Solo)
18: Frank Mills (Evan Dando Solo)
19: Skulls (Misfits Cover) (Evan Dando Solo)
20: All my life
(Evan Dando Solo)
21: Style
22: Down about it
23: The great big no


Fotos 3, 4 und 5: stsch // www.smash-mag.com. Vielen Dank für die tollen Bilder, die mit viel Mut entstanden sind!

Links:

- The Lemonheads neulich in Paris
- die Fotos



Freitag, 19. September 2008

Futureheads & Lemonheads, Paris, 18.09.08

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Konzert: Futureheads & Lemonheads (Tahity Boy and the Palmtree Family)
Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 18.09.2008
Zuschauer: gut gefüllte Maroquinerie


Doppelkopf-Runde heute abend in der Pariser Maroquinerie. Es ging aber nicht um ein Kartenspiel, sondern den Auftritt der beiden "Kopfbands", den Futureheads und den Lemonheads.


Die Protagonisten der Futureheads aus Sunderland hatte ich amüsanterweise schon mittags um 14 Uhr gesehen, als sie und ihre Roadies ihre schweren Kisten in die Maroquinerie buckelten, um kurze Zeit später den Soundcheck durchzuführen. Anlaß für mein frühes Erscheinen war jedoch nicht das Beiwohnen der Proben, sondern der exklusive Verkauf von Razorlight-Tickets, der am Schalter des kleinen Clubs stattfand. Johnny Borrell und seine Jungs werden aber erst am 6. Oktober hier aufkreuzen, um Songs des neuen Albums vorzustellen, Ross, Dave, Barry und Jaff von den Futureheads hingegen, waren schon am heutigen Abend des 18. Septembers an der Reihe.

Zunächst gehörte die Bühne aber den Franzosen Tahity Boy and The Palmtree Family. Deren "Chef" ist der kleingewachsene Lockenkopf Tahity Boy, der meistens hinter dem Piano agiert, singt und die mehrköpfige Kappelle, in der u.a. auch ein Querflöten - und ein Cellospieler vertreten ist, dirigiert. Die sechs Burschen boten einen Sound, der stark vom amerikanischen 60 ies Pop beeinflusst ist und Laune machte. Ihr Hit ist das Stück 1973, das man auch auf dem gelungenen Debütalbum Good Children Go To Heaven finden kann. Normalerweise hat darauf auch Jonathan Morali, der famose Sänger von Syd Matters, einen kurzen Gesangespart, aber Jonathan selbst war heute abend leider nicht mit dabei. Dafür hatte aber Audrey, eine Sängerin mit einer lieblichen Stimme, bei Not Only For The Weekend einen kurzen Gastauftritt. Da wir gerade von Gastauftritten reden: Kein Geringerer als Tunde Adebimpe von TV On The Radio hat in der Vergangenheit schon bei Auftritten von Tahity Boy mitgeholfen, u.a. sang er mit der Band live bereits einmal Blood In Your Eyes. Heute hatte Tunde aber wohl andere Verpflichtungen, schließlich hat seine Gruppe gerade eben erst ein neues (von Kritikern hochgelobtes) Album herausgegeben, mit dem sie bald auch in Paris auf Tour sein werden.

Nach gut 30 Minuten waren die Tahiti Boys dann mit dem Programm durch und wünschten uns noch einen schönen Abend.

Den sollten wir auch haben, schließlich standen mit den Futureheads und den Lemonheads ja noch zwei Topacts auf dem Programm.

Die Erstgenannten ließen sich dann auch nicht allzu lange bitten und starteten gewohnt fetzig und schwungvoll. Der Titel Walking Backwards war hierbei nicht allzuwörtlich zu nehmen, die vier Nordengländer gingen nämlich eher energisch vorwärts als rückwärts. Vor allem Ross, der dreitagebärtige Gitarrist und Barry Hyde, der Sänger mit der schnittigen Frisur wirbelten von Anfang wild über die Bühne. Barrys Bruder Dave hingegen, spielt seine Drums immer ohne großartig das Gesicht zu verziehen. Er ist diesbezüglich genauso gelassen wie Jaff, der schlacksige Bassist.

Das Set war gespickt mit knackigen, postpunkigen Fegern und ließ kaum Zeit zum Verschnaufen. Decent Days And Nights hatte ja einst schon Bono verzückt und dieser Hit vom ersten Album zog ähnlich gut wie der neue Knüller (a girl with a) Radio Heart.

Bei den Futureheads dauert kaum ein Lied länger als zwei bis 3 Minuten und so war man schnell mit dem Set durch. Highlights unter vielen Perlen waren The Beginning Of The Twist, die Zwischendurch- Single Area und natürlich Hounds Of Love. Das geniale Kate Bush Cover hatte mich damals auf die Sunderlander zum ersten Mal aufmerksam gemacht, deren Aufstieg auch nicht dadurch verhindert wurde, daß die Plattenfirma die Jungs nach dem zweiten kommerziell nicht sonderlich erfolgreichen Album News And Tributes sitzenließ. Die vier Sympathen haben sich unabhägig gemacht und mit This Is Not The World ein starkes drittes Album herausgehauen.

Der Abschluß kam aber noch einmal vom selbstbetitelten Debüt und der hatte es in sich: Carnival Kids und der schon fast traditionelle Schluss-Song Man Ray mischten die Maroquinerie noch einmal ordentlich auf und so war es nicht erstaunlich, daß viele hinterher meinten: "Mensch, die Futureheads, sind ja spitze, das hätte ich gar nicht erwartet!"



Setlist Futureheads, La Maroquinerie, Paris:


01: Walking Backwards
02: Meantime
03: Decent Days And Nights
04: Radio Heart
05: Work Is Never Done
06: Fallout
07: Area
08: He Knows
09: Skip To The End
10: Robot
11: The Beginning Of The Twist
12: Hounds Of Love
13: Carnival Kids
14: Man Ray

Ausgewählte Konzerttermine The Futureheads:

24.09.2008: Knaak, Berlin
25.09.2008: 59:1,München
26.09.2008: Abart, Zürich
12.11.2008: Debaser, Stockholm
13.11.2008: Sticky Fingers, Götheborg
16.11.2008: Roxy, Prag
17.11.2008: Proxima, Warschau
18.11.2008: Krakau
20.11.2008: Flex, Wien
29.11.2008: Astoria, London


Zusammen mit den Futureheads zogen auch ein paar junge Leute ab, zumindest war das mein Eindruck. Die Teenies hatten Unrecht, denn die Lemonheads sind zwar weniger energisch und stürmisch als die wesentlich jüngeren Futureheads, dafür aber einen ganze Ecke cooler und kultiger.

Schon nach den ersten Takten wurde deutlich, daß man gute Musik auch ohne große Effekte, mannigfaltige Instrumente und komplexe Strukturen hinbekommen kann. Eine Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug, that's it! Aber halt!, man muss natürlich auch eine solch markante Stimme wie Evan Dando haben, damit ein Schuh draus wird! Ganz lässig stand der (relativ) alte Knabe da mit seinem Iron Maiden T-Shirt (!), guckte permanent gen Himmel (suchte er die Erleuchtung von oben?) und zauberte simple aber effektive Melodien aus seiner Gitarre. Alles in allem: eine coole Sau! Seine Mitspieler: der Bassist Vess Ruthenberg, der seit geraumer Zeit den kranken Karl Alvarez ersetzt und der jung aussehende Drummer mit der vorstehenden Kinnlade namens P David Hazel. Die drei Kerle zauderten zwischen den Songs nicht lange und knallten dem Publikum einen Klassiker nach dem anderen um die Ohren. Überflüssig zu erwähnen, daß die Lautstärke an der Schmerzgrenze war, aber aufgrund der weniger intensiven Gitarrensoli nicht ganz an den Lärmpegel der Kollegen von Dinosaur Jr. heranreichte. Das Kultalbum von 1992 It's A Shame About Ray wurde von A bis Z durchdekliniert, nur die Miss Robinson ließ man außer acht. Schwer zu sagen, welches von den Stücken des Werkes mir am besten gefielen, ungemein catchy und charmant sind sie ja alle. Wenn ich doch drei aussuchen soll: Rudderless, Bit Part und Hannah & Gabi. Aber da könnte man wohl alle möglichen Kombinationen durchspielen. Auffallend war die starke Vernachlässigung von Liedern des Comebackalbums Lemonheads, lediglich No Backbone schaffte es in die Setlist, die Singleauskopplung Become The Enemy wurde hingegen ausgelassen. Aber das machte nichts, denn es gab ja noch zwei besondere Schmankerl von Car Button Cloth. "There's a disease going 'round the hospital, green green leaves falling from the trees", herrlich diese Zeilen von Hospital und auch If I Could I'd Tell You ist ein Ohrwurm erster Sorte, der schon fast zeitlos zu nennen ist. Überhaupt scheint mir zeitlos die richtige Beschreibung des Sounds von den Lemonheads zu sein, mögen auch einige lästern und den Kram als altbacken, simpel und bieder bezeichnen. Von dem direkten Charme, der von den Songs ausgeht, ist jedenfalls nichts verlorengegangen. Was die Band jetzt noch ausrichten kann, um die Rockgeschichte in Zukunft weiter fortzuschreiben ist zwar ungewiss, aber es geht doch nichts über die zahlreichen Evergreens der Amerikaner!

Mir haben die Lemonheads auf jeden Fall einen gelungenen Abend beschert, auch wenn die Meinungen im Freundes-und Bekanntenkreis hinterher geteilt waren. Die einen Hälfte fand es gut bis sehr gut, die andere nörgelte über den angeblich verwirrten und grenzwertigen Zustand von Evan Dando. Aber was wollen die eigentlich, der Knabe hat es halt in der Vergangenheit bunt getrieben, da ist man halt manchmal etwas fahrig!? Die famose Stimme und die gekonnten Gitarrenriffs nimmt ihm aber niemand. Und die Songs erst recht nicht...


Setlist Lemonheads, La Maroquinerie, Paris :

01: Rockin Stroll
02: Confetti
03: It's A Shame About Ray
04: Rudderless
05: My Drug Buddy
06: The Turnpike Down
07: Bit Part
08: Alison's Starting To Happen
09: Hannah & Gabi
10: Kitchen
11: Ceiling Fan In My Spoon
12: Frank Mills
13: It's About Time
14: No Backbone
15: Ride With Me
16: Tenderfoot
17: Hospital
18: If I Could Talk I'd Tell You
19: Into Your Arms

20: The Great Big No


Ausgewählte Konzerttermine der Lemonheads:

22.09.2008: Melkweg, Amsterdam
23.09.2008: Botanique, Brüssel
24.09.2008: Jazzhaus, Freiburg
25.09.2008: Forum, Bielefeld
27.09.2008: Reeperbahn Festival, Hamburg
28.09.2008: KB, Malmo
29.08.2008: John Dee, Oslo
30.09.2008: Debaser, Stockholm
02.09.2008: Pumpehuset, Kopenhagen
03.10.2008: Kulturkirche, Köln
04.10.2008: Postbahnhof, Berlin
06.10.2008: Flex, Wien
07.10.2008: Rockhouse, Salzburg
08.10.2008: Musicdrome, Mailand
09.10.2008: Circolo Degli Artisti, Rom
11.10.2008: Spazio 211, Turin
13.10.2008: Musikzentrum, Hannover
14.10.2008: Scheune, Dresden
15.10.2008: Alte Feuerwache, Mannheim
16.10.2008: Manufaktur, Schondorf
17.10.2008: K4, Nürnberg
19.10.2008: Kofmel, Solothurn
21.10.2008: Teatre Lloseta, Mallorca

Fotos von Evan Dando und seinen Lemonheads hier

Hospital live in Bristol 2007
If I Could Talk I'd Tell You im Videoclip




 

Konzerttagebuch © 2010

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