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Mittwoch, 5. November 2014

The History Of Apple Pie, Frankfurt, 04.11.14

2 Kommentare

Konzert: The History Of Apple Pie
Ort: Ponyhof, Frankfurt
Datum: 04.11.2014
Dauer: 40 min
Zuschauer: 11 



"Was Ihr nicht wusstet: wir haben nur Euch zu diesem Konzert eingeladen!" erklärte Stephanie Min das überschaubare Publikum im Ponyhof in Frankfurt. Wir waren elf, manchmal sogar zwölf Zuschauer. Vor anderthalb Jahren in Köln hatten 20 Leute die Londoner Indiepop-Band im mtc sehen wollen. Eine Schande! Wenn in den anderen drei Städten nicht dramatisch mehr Zuschauer waren, werden wir die Band wohl nicht mehr in Deutschland sehen. Also wir elf.


Anfang 2013 hatten The History Of Apple Pie ein durch und durch wundervolles Debütalbum veröffentlicht. Der Nachfolger Feel something erschien Ende September und enttäuschte mich sehr. Statt voll krachiger Lieder ist die zweite Platte ein Pop-Album. Viel vom Charme des Debüts war leider nicht viel übrig, wobei dies vermutlich ein wenig unfair ist, da Out of view ein so tolles Album ist. Mit einem prophetischen Titel, wie sich jetzt zeigt.

Trotzdem wollte ich die Band natürlich sehen - die Sucht.


Um kurz nach neun kamen die fünf Musiker auf die Bühne. Sonderlich motiviert wirkten sie nicht, aber wer will ihnen das verdenken? Die beiden Gitarristen hampelten rum und machten Unsinn. Einer jubelte nach dem ersten Lied, der andere hatte riesigen Spaß, daß neben ihm auf der Bühne eine Tür war. Manchmal lehnte er sich aber auch nur gegen die Wand während er spielte. 

Wie zu befürchten war, spielte die Band fast ausschließlich Stücke vom neuen Album. Aber live und schrammelig gefielen die mir allerdings deutlich besser als auf Platte! Man sollte eben eine Band immer nur bewerten, nachdem man sie auf der Bühne erlebt hat!

Auch wenn die neuen Stücke live sehr gut waren, waren die beiden besten Stücke alt. Glitch und vor allem Some kind (eine B-Seite) stachen deutlich heraus. Lieblinge wie Mallory oder See you fehlten zwar (außer den beiden alten Liedern kam alles von der aktuellen Platte), das Konzert war trotzdem kaum schlechter als das vor anderthalb Jahren - The History Of Apple Pie machen Spaß live! Schade, daß das niemand nachvollziehen können wird! Dabei sollten sich in einer Stadt wie Frankfurt doch wirklich mehr als eine Handvoll Leute mit gutem Musikgeschmack finden.

Zugaben der Band gab es nicht. Nach 40 min endete Before you reach the end mit einer Effekt-Orgie der beiden Gitarristen, zu der Stephanie nur ruhig auf der Bühne stand. Danach ging sie gemeinsam mit der Bassistin weg, ihre drei Kollegen spielten aber noch ein gejammtes Liedchen ohne Text (und Sinn) und tanzten dazu auf der Bühne.

Da ich nicht davon ausgehe, daß alle Zuschauer auch Eintritt bezahlt haben, hätte ich die Band zu gerne noch mit Merchkäufen unterstützt - aber das hatte ich alles schon. Da kleine Bands heutzutage wohl nur noch von Konzerten und Merch-Verkäufen leben können, war der Abend besonders frustrierend. Wieviel Talent wohl künftig strandet, weil sich Musiker diesen Job nicht mehr leisten können? Nur damit wir auf dem Handy in miesester Qualität mit unseren riesigen Kopfhörern überall Musik kostenlos streamen können und bloß keinen Cent an deren Urheber zahlen müssen.

Setlist The History Of Apple Pie, Ponyhof, Frankfurt:

01: Come undone
02: Tame
03: Special girl
04: Keep wondering
05: Glitch
06: Snowball
07: Some kind
08: Jamais vu
09: Before you reach the end

Links:

- aus unserem Archiv:
- The History Of Apple Pie, Köln, 12.05.13
 


Mittwoch, 4. Juni 2014

Motorama, Frankfurt, 03.06.14

0 Kommentare

Konzert: Motorama
Ort: Ponyhof, Frankfurt
Datum: 03.16.2014
Dauer: 55 min
Zuschauer: knapp 35 



Festivals mag ich nicht. Ich bin aus dem Camping-Alter raus*, stelle mich vor Bühnen, auf denen Bands spielen, um denen zuzuhören und nicht, um mit meinen Kumpels zu reden (meine Kumpels wollen nämlich auch der Musik zuhören). Und hasse es vor allem, wenn zwei Musiker parallel spielen und ich einen nicht sehen kann. Nein, der Sommer ist nicht meine liebste Konzertsaison.


Ein paar rühmliche Ausnahmen gibt es - das wundervolle Indietracks in England, so etwas wie eine Fachmesse für Twee-Pop, das enorm liebevoll gemachte, toll besetzte und wahnsinnig angenehme Phono Pop in Rüsselsheim, das Primavera, das Primavera, das vermutlich einzige europäische Festival, das mit den großen englischen mithalten kann und das von Musikliebhabern seit vier Jahren in Mannheim aufgezogene Maifeld Derby. Wann immer ich also ankündige, zu keinen Festivals mehr zu fahren, schließt das diese vier aus. Die sind gesetzt. Dummerweise fanden dieses Jahr Maifeld Derby und Primavera parallel zueinander statt (und zunächst drohte das auch bei Phono Pop und Indietracks). Barcelona / Mannheim würde auch im Fußball für Barcelona ausgehen, also verpasste ich das Derby zum ersten Mal. Musikalisch war das nur teilweise schlimm, weil die Maifeld-Headliner auch in Barcelona spielten. Aber leider eben auch nur teilweise. Denn die Primavera Booker hatten offenbar nicht richtig hingeguckt und eine Band namens Motormama und nicht wie ihre deutschen Kollegen Motorama gebucht. 

Glücklicherweise kommt man nicht mal eben für ein Festival aus Rostow (am Don) nach Mannheim, Motorama spielen also noch einige andere Konzerte, davon zwei in Reichweite. Ich konnte die russischen Lieblinge also gleich am Tag nach der Rückkerhr im Ponyhof in Frankfurt sehen. 


20 Uhr Einlaß, 20.30 Uhr Beginn (pünktlich) stand auf meinem Ticket. Als ich um kurz vor halb in dem kleinen Club, der dem Bett nachgefolgt ist, ankam, war da noch niemand. Um kurz nach halb waren wir zu neunt (vermutlich also so viele, wie Prince angeguckt hätten, wenn er das Berlin-Konzert nicht abgesagt hätte). So etwas führt immer zu Verschiebungen, es begann also um kurz vor neun - und aus uns neun Zuschauern waren gut 30 geworden.

Motorama hatten eine hübsche Bühnendeko dabei, eine Schwarzweiß-Bild eines Waldes, wie all ihre Cover schlicht aber enorm ästhetisch. Dazu trug die Band ausnahmslos schwarze oder weiße T-Shirts ohne Label oder andere Beschriftungen. Nichts sollte scheinbar von der Musik ablenken.

Als ob das bei Motorama nötig ist!

Leider war der Klang am Anfang schlecht. Bei den ersten beiden Liedern war Sänger Vlads Stimme kaum zu hören. Ich weiß, daß die Band seine Stimme live nicht sehr laut haben will, am Anfang war sie aber noch einmal deutlich leiser. Mit dem dritten Stück Letter home wurde es besser und klang für den kleinen Club recht gut.

Ein Maßstab, der für die Livequalität einer Band sprechen kann, ist die Herangehensweise an die Setlist. Motorama wechselt kräftig durch. Ich habe bisher bei meinen fünf oder sechs Konzerten nicht zwei erlebt, die sich stark geglichen hätten.

Heute spielten die Russen beispielsweise einige B-Seiten (u.a. das neue Special day, das gerade auf der She is there 7" erschienen ist). Aber auch andere Songs werden munter durchgemischt. Es fehlte beispielsweise der Ohrwurm Warm eyelids, dafür waren andere Stücke im Programm, die ich vermutlich noch nicht live gehört habe.

Aber es ist eigentlich auch egal, was sie spielen. Die Stücke der Band sind alle fesselnd, haben unwiderstehliche Melodien und eine wundervolle Instrumentierung. Daß Motorama auf dem Maifeld Derby scheinbar hervorragend eingeschlagen haben, ist daher kein Wunder! 

Das Konzert hätte natürlich viel mehr Zuschauer verdient gehabt! Und die vier Dauerquatscher sollten dringend an ihrer maximalen Konzentrationsdauer arbeiten, um auch einmal ein komplettes einstündiges Konzert zu erleben.

Motormama habe ich in Barcelona nicht angesehen. Motorama gucke ich Samstag wieder.

Setlist Motorama, Ponyhof, Frankfurt:

01: Winter at night
02: Eyes
03: Letter home
04: Compass
05: She is there
06: Special day (neu)
07: Young river
08: During the years
09: Anchor
10: Far away from the city
11: Rose in the vase
12: One moment
13: To the south
14: White light

15: Empty bed (Z)
16: Scars (Z)


Links:


- aus unserem Archiv:
- Motorama, Luxemburg, 26.02.14
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 

* war nie drin


Sonntag, 22. September 2013

Rue Royale, Frankfurt, 17.09.13

4 Kommentare
Konzert: Rue Royale mit support Courtney Marie Andrews
Ort: Ponyhof in Frankfurt
Datum: 17.09.2013
Dauer: 40 Minuten + 70 Minuten
Zuschauer: etwa 60




Rue Royale touren ausgiebig und damit irgendwann auch fast überall einmal. Diesmal sahen wir uns zweimal hintereinander in Frankurt und mich führte der Weg erstmals in den Ponyhof. Als Draufgabe des Abends war die von Oliver heiß empfohlene Courtney Marie Andrews als Support auf dem Programm. Gründe genug, einigermaßen gespannt zu sein!

Als ich im Ponyhof ankam, war es schon kurz vor knapp, laut Programm würde es in 5 min beginnen und im Bereich vor der Bühne hatten es sich schon so etwa 30 Leute bequem gemacht. Als ich mir gerade einen Platz gesucht hatte, kam mit einem Wasserglas in der Hand ein weitere junge Frau, von hinten und bat darum, durchgelassen zu werden. Statt sich jedoch auch einen Platz zu suchen, ging sie stracks durch zur Bühne, holte eine Gitarre aus dem Instrumentenkoffer und begann mit ihrem Set. Es spricht für das Publikum, dass sich sofort eine ganz gespannte Aufmerksamkeit einstellte. 


Die Lieder waren in der Grundstimmung alle sehr nachdenklich. Die Beschreibung eines regnerischen kalten Tages in San Francisco verfing bei mir besonders. Durch so ein kaltes Regen-Sauwetter war ich auch gerade 2 Stunden unterwegs gewesen... Im Gegensatz zu den melancholischen Liedern waren aber die Zwischansagen meist sehr witzig und schlagfertig mit abseitigem Humor gewürzt. Es konnte viel gelacht werden. Die Kommunikation mit anfeuernden Woooo's sei wohl international hilfreich, aber sie würde zu gern mal wissen ob das wohl auch in China so funktionierte? Leider konnte keiner im Publikum diese Frage mit eigenen Erfahrungen beantworten. Mit sehr herzlichem Applaus wurde die junge Frau nach 40 Minuten entlassen und am Merchtisch belagert, wo sie entzückende selbstgebastelte CDs (wohl als Notlösung) dabei hatte.
 

Setlist Courtney Marie Andrews

1) It keeps going
2) Woman of many colors
3) Roses of the city
4) Pomegranate
5) Near you
6) Left-handed angel
7) Light on
8) Songs for tourists



Die Pause bis zu Rue Royale war sehr kurz und diente nur einem nötigen letzten Soundcheck. Die Instrumente  waren alle schon aufgebaut. Auch Ruth und Brokln kamen etwas unprätentiös von hinten durch ihr Publikum auf die Bühne und in gewohnt selbstironischer Art schalten sie sich gleich selbst dafür, ausgerechnet mit einem Brummer-Soundproblem zu starten: Very professional. Zumal sie erstmals einen eigenen Soundmann, nämlich Brian aus den Niederlanden dabei haben.


Das Set begann schließlich mit dem ersten Song des gerade erschienen Albums Remedies ahead. Die warme Stimme von Brokln dominierte zunächst - begleitet von seiner E-Gitarre. Aber diese Ruhe täuschte und eine ordentliche Schlagzeugeinlage an den zahlreicheren Trommeln wirbelte ordentlich emotionalen Staub auf. Weiter ging es mit dem zweiten Song des Albums, wo Ruth eingangs trommelte und das Continuo mit Ruths Stimme im Zwischenteil sehr intensiv klang. Überhaupt schien mir an dem Abend ein etwa im Tempo des eigenen Herzens schlagender Beat durch das ganze Set zu pulsieren. Irgendwie antreibend und vorwärts drängend. 



Ruhigere Momente wie ein fast wiegendes Pull me like a string  oder das zum Sterben schöne Intro von These long roads wechselten mit dieser treibenden Komponente ab. In Guide to an escape fanden sich alle diese Aspekte sogar vereint, weil es so emotional ruhig und fast besinnlich beginnt, bevor es in eine hoffnungsfrohe Flucht umschlägt, die durch die sich umschlängelnden Stimmen nur als gemeinsame gemeint sein kann.  Mein persönlicher Höhepunkt ist an diesem Abend wieder U.F.O. Die Zeile Lift up my eyes ist mit fast schon religiösem Pathos gesättigt aber nicht schmalzig. 





Das eigentliche Set endet sehr ruhig mit Brought up somewhere else. Aber natürlich ist das Publikum begierig auf mehr und erhält noch eine Zugabe. Es darf etwas gewünscht werden und es gewinnt das wunderbar tröstliche Well go on allright. 

Es gibt noch einige Konzerttermine mit Rue Royale in diesem Herbst in Deutschland, die hiermit ausdrücklich ans Herz gelegt sein sollen!

Setlist Rue Royale:

1) Changed my grip 
2) Set out to discover
3) Tiny parcels
4) Flightline
5) Parachutes and Lifeboats
6) Guide to an escape
7) Pull me like a string
8) These long roads
9) Almost ghostly
10) Shouldn't have closed my eyes
11) ??
12) UFO
13) Dark clouds canopy
14) Brought up somewhere else

15) Well go on alright (Z) 

 

Tourdaten Rue Royale:

23.09.  Club Stereo – Nürnberg
24.09.  Autre Part - Differdange
26.09.  Espace B. - Paris
15.10.  Morph Club – Bamberg
16.10.  Tuchlaube - Aarau
17.10.  Amboss Rampe - Zürich
18.10.  Portier - Winterthur
19.10.  Franz Mehlhose – Erfurt
22.10.  Stille Post - Görlitz
23.10.  Junges Theater – Göttingen
24.10.  Feinkostlampe – Hannover 

28.10.  Café Muffat - München






Aus unserem Archiv:

Konzertankündigung Courtney Marie Andrews (Oliver)
Spectacular Spectacular Berlin am 7. April 2013 (Markus)  
Spectacular Spectacular Frankfurt am 6. April 2013 (Gudrun)
Rue Royale Phono Pop 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Göttingen am 28. Mai 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Köln am 28. Januar 2012 (Christoph)
Rue Royale, Karlsruhe am 24. Januar 2012 (Gudrun)
Rue Royale, Karlsruhe am 16. März 2011 (Gudrun)
Rue Royale, Paris am 27. Januar 2010 (Oliver) 

Konzert in München aufgezeichnet von Missmoremusic:


Mehr Fotos: 



Donnerstag, 7. Februar 2013

Torpus and the Art Directors, Frankfurt, 05.02.13

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Konzert: Torpus and the Art Directors
Ort: Ponyhof Frankfurt
Datum: 05.02.2013
Zuschauer: ca. 50
Dauer: 80 min


von Tanita


Thees Uhlmann könnte mir vermutlich alles andrehen. Und ich meine alles. Vom Staubsauger bis zum Bausparvertrag - immer her damit! Und warum? Ganz einfach: erstens reden wir hier von Thees Uhlmann, seines Zeichens Sänger von Tomte (und ja, auch und v.a. mittlerweile solo sehr erfolgreich), Musikjournalist, legendärem Alleskönner und wie Casper einmal sehr treffend formulierte quasi „Gevatter Indie“. Und zweitens, ist die Band, um die sich der nachfolgende Bericht dreht, bei dem von ihm und halb Kettcar, namentlich Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff, gegründeten Hamburger Kult-Label „Grand Hotel van Cleef“ beheimatet. Ein Label, dessen Besitzer und vor allem ihr Wille mit eigenen Mitteln und auf ihre eigene Art und Weise Musik zu machen, mich unheimlich beeindrucken. Ihr Erfolg gibt ihnen nach mittlerweile 10 Jahren im Geschäft glücklicherweise Recht und sie haben es geschafft, eine treue Menge von Menschen um sich zu scharen, die gute, ehrliche Musik zu schätzen wissen. Eines meiner absoluten Highlights des letzten Festivalsommers war das einmalige Festival „10 Jahre GHvC“ in Hamburg, bei dem das Grand Hotel mit Auftritten von Young Rebel Set, den Kilians, Tomte (in Originalbesetzung!), der Hansen Band, Thees Uhlmann & Band und Kettcar eine ordentliche Geburtstagsparty hinlegte und wahnsinnige Menschen, so wie ich eben, teilweise lange Wege und Schlafentzug auf sich genommen hatten, um mit dabei sein zu können – es war einfach wundervoll.


Aufgrund genau dieses blinden Vertrauens in das GHvC hatte ich vor Kurzem in das aktuelle Album von Torpus and the Art Directors hineingehört und dachte erst, mich verklickt zu haben. Das klang erschreckend gut und erschreckend sehr nach Mumford & Sons! Allerdings nur bei zunächst oberflächlichem Hinhören und schnell muss man feststellen, dass Torpus and the Art Directors doch glücklicherweise ihren ganz individuellen Stil haben. Nach einer Mini-Tour (je 3 Konzerte in 3 Städten an 3 Tagen) zur Feier ihres im Oktober erschienenen Debüts „From Lost Home to Hope“, sind sie nun quer durch alle Clubs Deutschlands unterwegs. Da schon nach nicht einmal einem Song mein vollstes Interesse geweckt worden war und ich es einfach nicht fassen konnte, dass sich hinter diesem Sound tatsächlich Nordfriesen verbergen sollten und nicht etwa, wie erwartet mal wieder Amerikaner oder Briten, konnte ich dem sehr verlockenden Termin im Frankfurter Ponyhof einfach nicht widerstehen. Trotz einer wichtigen Klausur am nächsten Morgen, setzte ich mich nach langem Hin und Her doch in den Zug und bin sehr froh, dass ich mich doch noch aus dem Haus getraut habe. Das Wetter war eigentlich untragbar und die etwa 50 Menschen, die sich in den charmant-gammeligen Ponyhof getraut hatten, hatten eigentlich schon für den Mut an einem Sonntagabend das Haus zu verlassen, ein Freigetränk verdient. Das gab es leider nicht, aber dafür eine wirklich tolle Location, die mich sehr positiv an die tollen Clubs erinnert, die man sonst nur in Städten wie London findet: schlecht ausgeleuchtet, leicht verraucht, winzige Gänge und schiefe Treppen und fast obligatorisch seltsame Flecken an der Decke, die auch so aussieht, als könnte sie demnächst herunterfallen.

Für den günstigen Eintritt hatte ich gar keinen Support Act erwartet, aber umso schöner, dass der sympathische Engländer Rob Lynch mit dabei war. Nach wenigen Songs hatte er sich mit einem britischen Akzent zum Dahinschmelzen und seiner Gitarre schon in mein Herz gesungen und nach seinem halbstündigen Set klatschten alle sichtlich begeistert und verlangten eigentlich nach einer Zugabe. Anfangs war ich noch etwas skeptisch, da Rob Lynch mit recht viel Nachdruck singt, was manchmal schon ungewollt komisch klingt, aber insgesamt ein Künstler, den ich mir definitiv merken werde. Leider ist mir der Titel entfallen, beim nochmaligen Anhören der EP könnte es „Hawking“ gewesen sein, aber mitten während des Sets von Rob Lynch gab es eine Stelle in einem Song, die einfach zum Mitsingen gemacht war und plötzlich hörte ich direkt neben mir eine tiefe Stimme, die souverän die perfekte zweite Stimme zu Robs Gesang einfach mal so mitsang. Und selbstverständlich handelte es sich um Niemand Geringeren als Sönke Torpus höchstpersönlich, dessen Stimme einen instinktiv dazu bewegt sich nach ihr umzudrehen und nur durch wenige gesungene Worte schon sofort in ihren Bann zieht.


Nach kurzer Umbaupause ging es dann auch schon direkt lautstark und kraftvoll mit „Amanda“ und „When I left my Apartment“, vom 2010er Album „Five Leaves Left“, los, und es war schnell klar, dass alle mutigen Menschen, die sich trotz Wind und Wetter eingefunden hatten, für ihre Anwesenheit belohnt werden würden. Das Publikum war von Beginn an extrem still und sehr aufmerksam, was auch später durch Sönke thematisiert werden würde, der das genauso wie ich persönlich, sehr sehr schön fand. Mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Songs des vorherigen Albums von Torpus, Coverversionen, Songs des aktuellen Albums und vor allem mit einer sehr charmanten Bühnenpräsenz bewaffnet, führten Torpus and the Art Directors, die auch sichtlich überrascht davon waren, dass tatsächlich Menschen gekommen waren, vollkommen entspannt durch den Abend. Das Set enthielt viele Highlights, wie unter anderem das sehr eingängige „Known, Seen Judged“, bei dem Sönke zunächst in respekteinflößender Lautstärke alleine loslegt und dann von zwei bis drei seiner Art Directors im Gesang unterstützt wird – wirklich sehr beeindruckend! Insgesamt kann ich eigentlich kein einziges Lied negativ kommentieren, sondern ganz im Gegenteil war das ganze Set meiner Meinung nach sehr stimmig. Einige Anspieltipps wären auf jeden Fall „The Leaving“ (auch wieder mit wahnsinnigem, mehrstimmigem Gesang!), „Steps“ mit sehr zarten Tönen und unbedingt auch „Dancing Kids and Summer Laughter“! Einen stimmungsvollen Abschluss des Abends boten die Zugaben, wie „Secret“, bei dem die sehr sympathische Bassistin (mit echtem Kontrabass!) den Song mit ganz sanfter Zweitstimme begleitete. Der letzte, sehr gefühlvolle Song mit dem Namen „Black Harp Girl“ sorgte noch für einen finalen Stimmungswechsel, von ruhigen, andächtigen Tönen hin zu einem lautstarken Zusammenspiel aller Künstler, die den Abend genauso energisch beendeten, wie sie ihn begonnen hatten.


Insgesamt ein sehr schöner Sonntagabend mit einem tollen Konzert, dass mich für 2 Stunden so in seinen Bann ziehen konnte, dass ich meinen Prüfungsstress vollkommen vergessen konnte.

Dringend zu empfehlen!

Die verbleibenden Tourdaten von Torpus and the Art Directors: 

07.02. Nürnberg, Club Stereo 
08.02. Halle, Objekt5 
09.02. Erfurt, Museumskeller 
11.02. Jena, Café Wagner 
12.02. Leipzig, Kö 
13.02. Hannover, Lux 
14.02. Bremen, Tower 
15.02. Hamburg, Molotow 
16.02. Leck, Leckhuus 
17.-19.05. Beverungen, Orange Blossom Festival 
09.-10.08. Neukirchen, Skandaløs Festival 

Und für ausschließlich gute Musik einfach mal hier entlang: http://www.ghvc.de/ 

Setlist Torpus and the Art Directors, Ponyhof, Frankfurt: 

01: Amanda 
02: When I left my Apartment 
03: Known, Seen, Judged 
04: The Leaving 
05: Roundabout 
06: Howl 
07: Steps 
08: Better 
09: Carolina (Ryan Adams Cover) 
10: Hundreds 
11: Dancing Kids and Summer Laughter 
12: Modesty/Honesty 
13: Fall in Love 

14: Secret (Z) 
15: Black Harp Girl (Z) 


Sonntag, 11. Oktober 2009

Immaculate Machine, Frankfurt, 10.10.09

5 Kommentare

Konzert: Immaculate Machine
Ort: Ponyhof, Frankfurt (ex-Bett)
Datum: 10.10.2009
Zuschauer: maximal 24 (incl. 5 Musikern, 2 DJs, 3 Clubleuten)
Dauer: 50 min


[Wenn die große Liebe das eigene Leben verlässt, kann man damit hoch unterschiedlich umgehen. Vermutlich ist es der einfachste Weg, irgendetwas Hassenswertes zu suchen, in das man sich so sehr steigert, daß die Bewältigung des Verlustes schnell leichter fällt. Der andere, unbequeme Weg ist aber manchmal auch nicht vermeidbar. Man war schließlich einmal verliebt und die Liebe jetzt einfach umzudichten, ist unehrlich. Der Preis für diese Aufrichtigkeit ist größeres Leid, die Ursache vielleicht fehlende Cleverness. Leider bin ich der doofen Fraktion zuzurechnen. Das bitteschön solltest Du, lieber Leser hierbei im Hinterkopf behalten:]

Vor etwa drei Jahren - viel zu spät - entdeckte ich eine kanadische Band für mich, die mich aus dem Stand verzauberte. Immaculate Machine, hier wenig bekannt, hieß die
dreiköpfige Band aus dem New Pornographers Umfeld, deren wundervolle Popmelodien sie sofort zu einer neuen Lieblingsgruppe machten. Unendlich dankbar war ich dafür, sie rechtzeitig empfohlen bekommen zu haben, um eines ihrer Konzerte in erreichbarer Nähe zu erleben. Im Januar 2007 spielten die drei Kanadier im so gut wie ausverkauften Bett in Frankfurt und überzeugten mich auch da restlos mit ihren überragenden Songs, den perfekt zueinander passenden Stimmen von Gitarrist Brooke Gallupe und Keyboarderin Kathryn Calder und der ordentlichen Portion Charme, die die Band verbreitete.

Im Sommer 2007 erschien auch das dritte Album der Band, das traumhaft war und
immer noch jede Menge Glücksgefühle freisetzt. Danach wurde es eine Weile still um Immaculate Machine. Irgendwann Anfang des Jahres erfuhr ich, daß die vierte Platte der Band erscheine, bekam aber unmittelbar nach Erscheinen ein mail, daß das Album schrecklich sei und nicht mehr viel mit der Band gemein habe, die wir so liebten. So eine Art musikalische Reisewarnung also. Weil ich mich auf dieses Urteil komplett verlassen kann, und ich mir die Band nicht damit versauen wollte, ein schlechtes Album (einmal) zu hören, bin ich diesem Hinweis gerne gefolgt und hatte bis zum heutigen Konzert keinen Takt von High on Jackson Hill gehört.

Und bis gestern mittag konnte ich erfolgreich
ignorieren, daß meine Lieblinge in Frankfurt sein würden, dann überkam es mich aber doch, und ich stieg ins Auto.

Immaculate Machine würden im ehemaligen Bett spielen, der tollen Musikkneipe mitten im Apfelwein-Meer in Sachsenhausen. Nun ist das Bett aber vor ein paar Monaten in ein Gewerbegebiet
umgezogen und jetzt ganz chic und modern und das, was einmal Bett war, als Ponyhof letzte Wochen wiedereröffnet worden. "Ponyhof" passte schon einmal prima, entstammt doch der Bandname dem Song One-trick Pony von Paul Simon.

Leider hat der Ponyhof zwar schon eine myspace-Seite, da aber falsche Anfangszeiten verbreitet. "Doors 20 Uhr" stand da. Ich wollte etwa um 20.30 Uhr da sein, um nicht den Anfang zu verpassen. Das klappte aber alles nicht, da Parken rund um die Klappergasse nahezu unmöglich ist. Also kam ich abgehetzt um fünf vor neun am Club an und sah
keine Raucher vor der Tür. Und aus dem Saal kam Livemusik. Mist! Das zweite Konzerte mit verpasstem Beginn innerhalb von 25 Stunden! Der Ordner, der dann aber erschien, teilte mir mit, daß sie gleich aufmachen würden. Also war das der Soundcheck und ich bis dahin der einzige Gast.

An der Zuschauerzahl sollte sich noch etwas ändern, am Ende waren wir bis zu 14. Geändert im Vergleich zu 2007 hatte sich auch die
Größe der Band, allerdings in die andere Richtung. Immaculate Machine hatten für fünf Musiker aufgebaut. Und die kamen nun nach und nach rein, erst eine kleine Frau in schwarz-rotem Kleid. Die kannte ich nicht. Dann Brooke Gallupe, mit langer, lockiger Frisur und prächtigem Schnauzbart, wenn man so etwas prächtig findet. Dann kam ein weiterer Musiker, der mir neu war und eine zweite kleine Frau, die ich noch nie gesehen hatte. Eine Chance gab es also noch für Kathryn Calder, aufzutauchen. Aber auch mit größter Phantasie war das nicht die letzte Frau, die reinkam - die Sängerin fehlte, eine riesige Enttäuschung!

Diese außer Brooke neuen Bandmitglieder stellten sich auf ihre Plätze. Der zweite Mann war der neue Schlagzeuger Aden Collinge; dazu wirkten (vermutlich) Jordan Minkoff an der zweiten Gitarre*, Brookes Schwester Caitlin am Bass und Leslie Rewega am Keyboard mit.

Natürlich begann die Band mit neuen Stücken, zu denen ich wenig sagen kann - und will. Denn sowohl Don't build the bridge, als auch
Only love you for your car oder Thank me for it later haben nichts mehr mit dem Sound der ersten Platten und EPs zu tun. Zu sehr bluesrockig, zu wenige schöne Duett-Stellen. Und natürlich fehlte die entzückende Kathryn Calder auch sonst an jeder Ecke!

Gerade als meine Mundwinkel immer weiter sanken, ein Licht! C'mon sea legs! Und noch eins! Dear
confessor! Und noch Nothing ever happens! Im Gegensatz zu Styling-Sendungen waren diese Vorhers den Nachhers hoch überlegen! Und als ob jetzt alles gut werden würde, folgte auch noch ein neues Lied, das ich mochte. And it was war gut! Der Rest der neuen Sachen gefiel mir dagegen wieder nicht. Blues, Schlagzeug- und Gitarrensoli haben bei dem alten Immaculate Machine keine Rolle gespielt und prägen den neuen Stil leider sehr. Immerhin hellten No such thing as the future und So cynical noch einmal meine Laune auf.

Wer auch solche Lieder geschrieben hat, kann kein schlechter Mensch sein!

Also klatschte ich brav, nahm zur Kenntnis, daß der kurze Applaus von gut zehn Menschen nicht dafür ausreicht, eine Band zu Zugaben zu bewegen, stellte fest, daß die Kanadier alle schrecklich nett wirkten und kaufte eine Platte und ein wundervolles Comicalbum, weil niemand Nettes es verdient, daß seine Arbeit komplett ohne Wirkung bleibt.


Setlist Immaculate Machine, Ponyhof, Frankfurt:

01: Don't build the bridge
02: Only love you for your car
03: Thank me for it later
04: C'mon sea legs
05: Dear confessor
06: Nothing ever happens
07: And it was
08: Sound the alarms
09: No such thing as the future
10: You got us into this mess
11: He's a biter
12: So cynical
13: Neighbours don't mind

Links:

- Immaculate Machine im Bett

* nein, das war Brooke Wilken. Vielen Dank für den Hinweis!




 

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