Posts mit dem Label Olafur Arnalds werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Olafur Arnalds werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 21. Februar 2014

Ólafur Arnalds, Eindhoven, 07.02.14

1 Kommentare

Cross-linx Festival 2014
  Teil 1 mit Douglas Dare und Ólafur Arnalds
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: mehr als 45 min und 60 min
Zuschauer: etwa 200 und etwa 1000

  
Der entscheidende Impuls zum Cross-linx zu fahren war mein Wunsch, My brightest Diamond live zu erleben. Hochwillkommene Draufgabe war, dass es an einem besonderen Ort ein ganz besonderer Abend werden würde. 

In zweiter Linie schaute ich auf das Konzert von Ólafur Arnalds mit gewisser Vorfreude. Wir sind Freunde, seit 2007 Die VISIONS mir seine Eulogy for Evolution empfahl, die sich seitdem noch nicht müde gelaufen hat. Ich weiß, dass mich die Liebe zu seiner Musik mit vielen Menschen verbindet, aber ich stehe doch noch immer etwas schämig in der Ecke, wenn ich darüber sprechen soll, was seine hochemotionalen Klavier- und Streicherklänge so diametral von dem unterscheidet, was als leichte Klassikkost in den Fahrstühlen und Hotellobbies dieser Welt bei mir Brechreiz auslöst. Immer nimmt mich seine Musik mit auf Entdeckungsreise und lässt mich nicht kalt. 


Überdies passierte es über die Zeit, dass der Künstler mir auch als Person sehr nah geworden ist - als Mensch, der mich in seiner Art, in der Welt zu sein, sehr interessiert. Er hat eine so geerdete Präsenz in Interviews oder wenn er seine Hörer in sein eigenes Wohnzimmer holt, um dort Musik zu machen und zu teilen. So typisch für die Künstler, die beim Label Erased Tapes zusammen arbeiten. Dabei ist er die letzten Jahre ständig um die ganze Welt getourt und hat auch mit Filmmusiken (zB. Hunger Games und Broadchurch) einige Aufmerker gesetzt und Preise gewonnen. Er ist im Business angekommen ohne für mich sichtbare Blessuren und Verfremdungen.


Schön, ihn nun endlich auch einmal live zu erleben und das so bequem in einem wunderschönen Raum sitzend, mit Garantie auf ein aufmerksames Publikum und in einer Besetzung, die noch ordentlich eins drauf setzen würde. Zunächst war aber alles ganz unspektakulär. Die Musiker - etwa 20 Streicher und Bläser der Philharmonie Zuidnederland
und seine Mitmusiker Björk Óskarsdóttir, Siun Milne, Karl Pestka and Hallgrímur Jensson kamen auf die Bühne mit dem Dirigenten Clark Rundell und Ólafur Arnalds begrüßte sein Publikum mit dem Wunsch, zwei Töne zu singen. Diese nahm er mit einem iPad auf, loopte und verwendete es für den ersten Song Þú ert sólin (Du bist die Sonne) vom Album ...and they have escaped the weight of darkness. 


Er selbst saß am Flügel, hatte aber stets das iPad griffbereit obenauf liegen und neben sich noch zwei Computer - einen für die eindrucksvollen Projektionen und einen weiteren für Soundschnipsel. Sehr virtuos setzte er Rhythmen ein, die zum Teil auch mit Lichteffekten gekoppelt waren. Die Dynamik war so, dass in den leisen Teilen sogar die Lüftung störend zu hören war und leider kamen in der ersten halben Stunde noch ständig trappelnd neue Zuhörer dazu. Das war doch sehr störend. Denn was uns von der Bühne her präsentiert wurde war unglaublich packend in den ganz leisen Passagen wie in den Ausbrüchen in Rhythmen und Licht.


Im Verlauf des Konzertes erklang mit Sudden Throw, Brim, This place was a shelter, Hands, be still, Only the winds viele Stücke vom aktuellen Album For now I am winter aber mit  Gleypa Okkur vom Album … and They Have Escaped the Weight of Darkness und 3326 vom Eulogie-Album gab es auch zwei weitere ältere Songs. In dem Moment, wo die Steigerung in 3326 fast nicht mehr zu ertragen war, setzte ein überirdisch schönes Geigensolo ein. Da blieb mir wirklich die Luft weg. Auch die Gewöhnung gerade an dieses so vertraute Stück konnte den Zauber des Momentes nicht dämpfen.



Und auch dies ließ sich noch steigern, indem Arnór Dan Arnarson (Sänger der Band Agent Fresco) den Songs  For now I am winter, A Stutter und Old skin (alle vom aktuellen Album For now I am winter) seine Stimme lieh. Einen kongeniale Ergänzung zu der sonst ja rein orchestralen Musik, die bei mir an dem Abend so ankam wie beim Schlusssatz von Beethovens neunter Symphonie, wo der Chor erklingt, weil die menschliche Stimme das Fass zum überlaufen bringen kann. 

Fast tänzelnd klang das Set mit  Near Light (Living room songs EP) aus und ließ mich mit dem Gefühl zurück, etwas einmaliges miterlebt zu haben. Ein rundum wunderbarer, wuchtiger Abend voller Emotionen und Glück. Und das war erst der Anfang.




Setlist Ólafur Arnalds:
1: Sudden Throw
2: Brim
3: This Place Was a Shelter
4: Hands, Be Still
5: Only the Winds
6: Gleypa Okkur
7: 3326
8: For Now I Am Winter (with Arnór Dan)
9: A Stutter (with Arnór Dan)
10: Words of Amber
11: Old Skin (with Arnór Dan)
12: Near Light 



Mein erstes Konzert des Abends war jedoch Douglas Dare gewesen. In der kleinen Bühne war er am Piano mit einem Mann am Schlagzeug aufgetreten. Über die ersten Stücke stahl ihm meiner Meinung nach sein Schlagzeuger eindeutig die Show (in der zweiten Hälfte des folgenden Videos sieht man wie ich das meine).



Ich fand sein Spiel faszinierend und filigran. Die Stimme von Douglas Dare ist weich und schmeichelnd und mit Caroline hatte er auch einen tollen Hit mitgebracht. Alles in allem war das Set deshalb ein sehr gelungener Auftakt des Abends für mich gewesen. Einzig schade war, dass ich das Konzert vorzeitig verlassen musste, um rechtzeitig bei Ólafur Arnalds sein zu können.



Konzertvorschau:
Ólafur Arnalds im Konzerthaus Dortmund am 23. März 2014



Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx 
Douglas Dare und Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.2013
Ólafur Arnalds, Köln, 11.08.2008




Freitag, 24. Mai 2013

Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.13

2 Kommentare

Konzert: Ólafur Arnalds 
Datum: 22.05.2013 
Ort: Ringkirche in Wiesbaden 
Dauer: Douglas Dare ca. 30 Minuten, Ólafur Arnalds ca. 90 Minuten Zuschauer: ca. 500 


von Ursula von neulich als ich dachte






Gestern Abend ging es in die Wiesbadener Ringkirche, in der man gelegentlich nicht nur Orgelkonzerte, sondern auch Modernes hören kann. Eine Kirche als Veranstaltungsort impliziert Sitzplätze, und nachdem erst kürzlich bei Enno Bunger unsere Sicht nicht gerade brilliant gewesen war, bemühten wir uns um frühzeitiges Erscheinen. Leider befand sich aber auch zu Einlassbeginn um 19 Uhr bereits eine Schlange an der Kirchentür, so dass wir nur noch Plätze im mittleren Bereich (mit wiederum mäßiger Sicht) ergattern konnten. Nach dem Einlass hatte man übrigens auch Gelegenheit, als Verköstigung wahlweise Wasser, ein winziges Glas Riesling oder eine Brezel zu erwerben, alles zu Gunsten der Ringkirche. Kurios dabei war der Hinweis auf der Preisliste, man solle diese Dinge nicht mit in den Kirchenraum nehmen, obwohl sie doch offenkundig dazu gedacht waren. Muss man wohl nicht verstehen. 

Gegen 20 Uhr betrat nicht Herr Arnalds sondern sein Support Act Douglas Dare die Bühne. Er war begeistert vom Kirchenambiente und bot wehmütige Lieder, zu denen er sich selbst am Klavier begleitete. Zu verkaufen hatte er nichts (sein Album erscheint erst in ein paar Monaten), er verschenkte aber großzügig Download-Codes für einen seiner Songs. Zu seinem Lied "Caroline" erklärte er, es sei eigentlich nicht für den Vortrag in einer Kirche geeignet, da es von Ehebruch handele. Er habe sich ausgedacht, dass sein Großvater seine Großmutter mit eben dieser Caroline betrogen habe, als er im Krieg war. Seine Großmutter dürfe allerdings nichts darüber wissen, weil sie das Lied liebe. Wie schon häufiger dachte ich mir bei Dares Auftritt, dass Vorbands von Sitzkonzerten unheimlich profitieren, weil das Publikum mehr oder weniger gezwungen ist, aufmerksam zuzuhören. So erhielt Douglas Dare sicherlich auch mehr Applaus, als er ihn bei einem "normalen" Konzertabend bekommen hätte, verdient hatte er ihn aber. 


  
Nach einer halben Stunde folgte eine kurze Umbaupause, bis um 20:45 Uhr Ólafur Arnalds mit einigen Streichern und einem Posaunisten / Mac-Bediener die Bühne betrat. Als allererstes wurde das Publikum gebeten, im Chor zwei Noten so lange wie möglich zu singen. Er nahm das Ganze mit einem iPad auf, loopte es und verwendete es für den ersten Song "Þú ert sólin". Vorweg erfuhren wir noch, dass die Gesangseinlage des Münchener Publikums vom Vorabend nicht verwendbar gewesen sei, Wiesbaden aber viel besser singen könne. 




Im Vorfeld hatten wir bereits gemutmaßt, dass es mit Arnalds meist instrumentalen Liedern - er verbrachte den Abend am Klavier - so gut wie unmöglich sein dürfte, eine Setliste mitzuschreiben. Das ließ sich letztlich durch ein Foto von der offiziell für die Künstler ausgelegten Liste klären, dieses zeigte uns aber auch, dass keineswegs nach jedem Lied pausiert wurde - nach dem ersten Applaus folgte nämlich schon "Hands, be still", also laut Setliste bereits das vierte Lied. Zu den Songs gab es jeweils Lichteffekte und Nebel, so dass der Raum immer wieder anders wirkte. 




Bei einem Stück - ich glaube, es war "Near Light" - erfuhren wir, dass Arnalds es ursprünglich als Werbesong komponiert hatte, es dann, nachdem es vom Auftraggeber abgelehnt worden war, selbst veröffentlichte und sich nun darüber amüsiert, dass Kommentatoren auf Youtube den Song für besonders tiefsinnig halten. Nach "Undan Hulu", das aus nahe liegenden Gründen auch "Cello Song" heißt (es kommt nämlich ein Cello vor), folgte "Poland", das in Polen entstand - genauer gesagt lieferte der vergebliche Versuch, in einem Tourbus auf den dort sehr holprigen Autobahnen zu schlafen, die Inspiration (und laut Arnalds den Beweis, dass es in traurigen Liedern nicht immer um gebrochene Herzen gehen muss). 

Als letztes Lied widmete Arnalds "Ljósið" seiner Großmutter, die ihn als Chopin-Fan zur klassischen Musik geführt habe und damit letztlich für seine musikalische Karriere verantwortlich sei. 




Natürlich wollte das Publikum eine Zugabe und bekam auch eine - bei "Lag fyrir ömmu" kehrten die Streicher nicht mit zurück auf die Bühne, spielten anscheinend aber trotzdem mit (oder sie kamen doch vom Band). Vorweg erfuhren wir, dass Publikumsreaktionen sich stark nach Ländern unterscheiden. In Italien applaudiert man anscheinend nur kurz und intensiv, dann wartet man still auf die Zugabe. Deutschland dagegen hatte den Musiker anhaltend zurück auf die Bühne geklatscht, eine zweites Mal gelang das aber nicht - nach einer Verbeugung war endgültig Schluss. 

Ólafur Arnalds Musik kam in der Kirchenatmosphäre sehr gut zur Geltung. Es ging mir dabei wie bei "echter" klassischer Musik, was bedeutet, dass ich gelegentlich wegträumte und an völlig andere Dinge dachte als an die Musik auf der Bühne. Das, was ich mitbekam, war aber wunderschön, und auch die Lichtuntermalung, die mal an Schnee, mal an Schmetterlinge erinnerte, passte ganz wunderbar in die Kirche. 

Setliste: 

Þú ert sólin 
Þú ert jörðin 
Tomorrow's Song 
Hands, be still 
Only the wind 
Beth's Theme 
Gleypa Okkur 
We (too) shall rest 
The place was a shelter 
3326 
Brotsjór 
Words of Amber 
Undan Hulu 
Poland 
Near Light 
Ljósið 
Lag fyrir ömmu



Montag, 4. Juli 2011

Cat Power, Paris, 04.07.11

2 Kommentare

Konzert: Cat Power (Ólafur Arnalds)

Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 04.07.2011
Zuschauer: ausverkauft (ungefähr 2000)
Konzertdauer: Ólafur Arnalds etwa 1 Stunde, Cat Power 2 Stunden


Sublime Cat Power! Elle se produisait juste devant mon nez dans une salle de musique classique qui compte quand même 2000 personnes! J'étais vraiment chanceux d'avoir été si prêt d'elle et parfois j'avais l'impression d'assister à un concert d'appartement. C'était incroyablement intimiste! Merci Rockerparis!!

Et la belle Chan n'a pas déçu. Malgré ses angoisses et agitations habituelles (elle parcourait la scène comme un tigre/une tigresse en cage) elle a su gérer le stress et elle a chanté d'une manière incroyable pendant deux heures de pur bonheur. Parfaitement assisté par son groupe Dirty Delta Blues (Jim White: batterie, Erik Paparazzi: guitare, bass, Judah Bauer: guitare, Gregg Foreman:clavier) discret, mais efficace, elle est montée un peu plus en puissance avec chaque nouveau morceau.
Après un début un brin hésitant elle a pris plus de confiance en elle dans la suite en mettant tout son coeur dans ses chansons magnifiques. Sa voix de velours n'a rien perdu de son charme et ses chansons, notamment celles de son dernier disque Jukebox (2008), ont éte interprétées d'une manière nouvelle et inattendue. On avait également du mal à reconnaître The Greatest, titre phare de l'album du même non, qui a clôs la première partie du concert, stylistiquement plutôt bluesy et calme.

Après Chan et ses musiciens sont devenus plus rock et bruyants et Miss Marshall a pour la premiére fois mis sa guitare autour du cou. I Wanna Be Your Dog n'avait plus grand chose a voir avec l'original des Stooges, tant mieux. Puis après Cherokee (paroles: "marry me to the moon") m'as mis une belle gifle. Morceau fabuleux, fiévreux, habité et rock. Une pure merveille!
Le groupe a su garder cette tension tout au long de la deuxième partie du concert.

Juste avant la fin viendra le titre espagnol Angelitos Negros (Roberta Flack) et on voyait une Chan Marshall très émue, dans un état presque hypnotique. Elle mettait tout qu'elle avait dans cette ballade si triste, mais si touchante en même temps.

Pour finir en beauté, le public a eu droit au classique I'Dont Blame You (de l'album You are free), une fois de plus interpréte d'une manière nouvelle et différente de l'album, montrant parfaitement que Cat Power ne se contente jamais de jouer des morceaux comme sur ses disques, mais toujours à la recherche de nouveaux arrangements.

Et puis il y avait comme d'habitude des fleurs que Chan lançait dans le public, des larmes (de joies), des applaudissements frénétiques, des salutations, des bisous, des remerciements chaleureux ("Paris, je t'aime, merci, je t'aime!").

Un grand concert.


Unfassbar! Sensationell! Atemberaubend! Und diese Superlative beziehen sich zunächst auf die Tatsache, daß ich in diesem verfluchten (bzw. eigentlich sehr schönen) Salle Pleyel in Paris in der allerersten Reihe saß und Chan Marshall quasi zwei Stunden lang direkt vor meiner Nase hatte, während ich bequem in meinem Kinosessel lungerte. Ich altes Glücksschwein! Ich Gustav Gans! Ich war so nah dran, daß mir bei einer unbedarften Bewegung der Chanteuse der Mikrofonständer in meine blöde Fresse geflogen wäre! Ich hätte ihr die Schnürsenkel aufmachen können! Und hinter mir sitzen 2000 Fans, die teilweise meilenweit von der Bühne entfernt waren. So etwas nennt man dann wohl Dusel haben!

Zu verdanken hatte ich meine privilegierte Sitzposition meinem Freund von Rockerparis, der mir gestern zum regulären Preis sein Kärtchen verscherbelt hat, weil er selbst zu einem Konzert von den Doors ins Bataclan gegangen ist Den Doors, Freunde?! Überlegt selbst, was daran seltsam ist...

Statt wie der Rockerparis alten abgehalfterten Musikern dabei zuzusehen, wie sie sich aus Anlaß des vierzigsten Todestages eines gewissen Jim Morrisson die Taschen voll machen, verfolgte ich also genüßlich die ewig jugendliche Cat Power.

Überflüssig zu sagen, daß sie mich fast wieder zu Tränen rührte. Ihr bemerkenswertester Satz (den sicherlich nicht viele mitbekommen haben, weil sie ihn fast beiläufig ins Mikro nuschelte) war sinngemäß: "It's not important to think about our worries and doubts, because they never go away, they are always there." Später habe ich lange darüber nachgedacht, wie sie das meinte. War das nicht sehr fatalistisch? Die Sorgen gehen nie weg. Der Mensch kann einfach nicht glücklich sein.

Oder war der Spruch vielmehr psoitiv zu deuten. So nach dem Motto: "warum machen wir uns überhaupt Sorgen, ist doch eigentlich egal, schließlich machen wir uns ständig neue. Also scheiß drauf!


Aber selbst wenn nicht viele diesen Spruch gehört haben und selbst wenn ich ihn nicht 100 % korrekt widergegeben habe, so wurde doch erneut deutlich, daß dort eine sensible, fragile und teilweise verängstigt bzw. verunsichert wirkende Künstlerin auf der Bühne stand, die gerade deshalb so gut beim Publikum ankam. Die Franzosen lieben Chan Marshall, eben weil sie eine solch verletztliche Person ist. Niemand möchte Roboter in Aktion sehen, die gefühlskalt und routiniert ihre Show abziehen und dann wieder gehen. Stattdessen fiebert man mit einer Cat Power mit, hält den Atem an, wenn sie ihre sensationelle Hauchstimme erhebt, gerät in Ekstase, wenn sie innere Blockaden aus dem Weg räumt und sich in ihre Songs so richtig emotional reinsteigert. Man liebt sie, weil sie trotz iher Bekanntheit so natürlich ist, so liebenswürdig, so saunett. Gerne würde man sie in den Arm nehmen, gegen die Brust drücken, ein Lächeln von ihr geschenkt bekommen. Ihr Charisma ist unbeschreiblich, die Sympathien die ihr heute abend wieder zuflogen fast grenzenlos.

Zwei Stunden lang berauschte ich mich an der samtweichen Stimme, der die Songs untermalenden Theatralik und der natürlichen Schönheit der Amerikanerin, die oft so unfassbar nah vor mir agierte, ja mir manchmal von oben runter scheinbar in die Augen schaute. Das war fast wie ein Wohnzimmer-Konzert in einer 2000 Zuschauer Location! Unbeschreiblich intim!

Morgen mehr...

Setlist Cat Power, Salle Pleyel, Paris:

01: Bully
02: Dreams
03: Don't Explain (Billie Holiday)
04: Nilo/Song To Bobby
05: Woman Left Lonely (Janis Joplin)
06: Silver Stallion (The Highwaymen)
07: Lord Help (Jessie Mae Hemphill)
08: Real Life
09: Brave Liar
10: The Greatest

11: I Wanna Be Your Dog (The Stooges)
12: Cherokee
13: Horizon
14: Let Me Go
15: Monster
16: Woman Of My Word
17: Ruin
18: Angelitos Negros (Roberta Flack)
19: I Don't Blame You

Aus unserem Archiv:

Cat Power, Köln, 04.06.08
Cat Power, Paris, 01.06.08
Cat Power, Paris, 22.01.08
Cat Power, Paris, 21.01.08
Cat Power, Paris, 05.11.06




Dienstag, 12. August 2008

Sigur Rós, Köln, 11.08.08

3 Kommentare

Konzert: Sigur Rós & Ólafur Arnalds
Ort: Palladium, Köln
Datum: 11.08.2008
Zuschauer: scheinbar nicht ausverkauft
Dauer: Ólafur Arnalds 30 min, Sigur Rós 110 min


An diesem Abend waren viele Dinge schön. Und viele vollkommen unschön. Die schönen Momente waren allerdings so viel schöner, als die unschönen unschön, daß ich die in Kauf nahm und einen (netto) guten Abend hatte.

Die erste erleichternde Erkenntnis war, daß offenbar nicht all unsere Landsleute Paul Potts für die größte kulturelle Errungenschaft der letzten Jahrzehnte halten, das Palladium war nämlich, obwohl vermutlich nicht
ausverkauft, an diesem Montag (und recht früh am Abend) sehr gut gefüllt. Auch wenn das erhebliche Anstrengungen erfordert hatte, hatte ich mich sehr bemüht, pünktlich da zu sein, weil ich auf keinen Fall die Vorgruppe verpassen wollte. In Haldern hätte ich am Samstag schon die Gelegenheit gehabt, Ólafur Arnalds zu sehen. Der späte Slot im Spiegelzelt und die Rückreise hatten mich aber abgeschreckt. Die Gewissheit, den Isländer zwei Tage später zu sehen und die mangelnde Kenntnis seiner Platten, ließen das vertretbar erscheinen. Nach der knappen halben Stunde als perfekte Einstimmung zu Sigur Rós bereue ich diese Entscheidung jedoch.

Auf der Palladiumbühne waren schon reichlich
Instrumente und Hilfsmittel der Hauptgruppe drapiert, die Musiker, die um acht erschienen, benötigten allerdings nur ein paar Stühle und Notenständer und ein Klavier. Ólafur, der wahnsinnig jung wirkt, setzte sich hinter das Piano, seine vier Streicherbegleiter nahmen auf den gegenüberliegenden Stühlen Platz. Diese Aufstellung erinnerte an klassische Musik, das folgende Programm auch. Leider kannte ich eben vorher nur den ausgezeichneten Ruf des Isländers, allerdings keine seiner Stücke. Bereits das erste erschütterte mich jedoch mit wahnsinniger Eleganz und Schönheit. Obwohl musikalisch nicht furchtbar komplex, erzeugte das Klavier mit den Streicherarrangements eine fabelhafte Stimmung.

"Wir sind nicht Sigur Rós aber auch aus Island und wir spielen ein paar neue Lieder", erklärte der 20 oder 21jährige im Anschluß und ließ ein Stück schhöner als das nächste folgen. Oh, wie traumhaft - wäre es doch bloß an einem anderen Ort gewesen. Auch wenn es vielleicht langweilt, das Palladium war auch diesmal der denkbar schlechteste Platz in Köln für solch ein Konzert. Naja, zumindest fast. Im Sion oder Früh wäre es vermutlich noch etwas unpassender gewesen, viel hätte es sich aber nicht genommen. Zielsicher, bei jedem leisen Moment, kam von den Bars Krach, als wäre gerade in der Ford-Kantine Essenausgabe. Ich habe Geschirr klappern und knallen gehört, obwohl es - soweit ich
weiß - im Palladium kein Essen gibt. Natürlich ist es vielen auch vollkommen egal, wie schön die Vorgruppe ist. Denn auch ganz vorne stehend erzählt man sich währenddessen grundsätzlich, was man am Wochenende erlebt hat. Wenn dabei die Musik von vorne mal zu laut wird, muß man eben auch lauter sprechen.

Das, was sonst gerne mal im Palladium schrecklich ist, war perfekt. Der Sound passte toll! Auch ohne Ohrenstöpsel (die eine Schande gewesen wären, hätte ich sie tragen müssen) war es gut auszuhalten - und dadurch ein besonderer Genuß. Dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt noch.

Natürlich war
Ólafur viel zu schnell fertig. Er kommt aber noch im August nach Köln zurück. Und jeder, der nicht bis zum Paul-Potts-Konzert in der ausverkaufte Kölnarena warten will, um grandiose semi-klassische Musik zu erleben*, sollte sich das nicht entgehen lassen! Da wird der Isländer auch nicht wie Montag in einer Bahnhofskneipe spielen, es sollte also ein noch größeres Vergnügen sein!

Hinter den ersten Isländern hingen als Bühnendeko bereits einige große, ach Unsinn, riesige runde, weiße Lampen. Ich stand mittlerweile weiter hinten im Saal, auch um die Gespräche links hinter mir nicht mehr angestrengt überhören zu müssen. Einmal hinten, gab es ohnehin kein Durchkommen mehr nach vorne. Es schien mir aber auch keine so schlechte Idee zu sein, das Konzert in seiner erwartet ganzen Wucht frontal und breitseitig auf mich wirken zu lassen.

Uiuiui, und wirken tat es. Zunächst erschienen überschaubar viele Musiker unter großem Applaus auf der Palladium-Bühne. Eröffnet wurde das Spektakel mit
"Svefn-g-englar" von "Ágætis byrjun". Eigentlich hätte man die Augen schließen sollen und die folgenden Lieder so genießen müssen. Aber auch visuell bietet Sigur Rós vieles. Das Bearbeiten der Gitarre mit einem Geigenbogen (Cellobogen wohl eher), die Kostüme der Begleitmusiker, selbst das lustige Hütchen des Schlagzeugers war sehenswert... Und die Lichteffekte! Es gab nicht die opulente Show, von der Oliver von den Flaming Lips in Haldern berichtet hat, es war eher feierlich, nördlich und perfekt passend.

Nach "
Glósóli" von "Takk..." tauchten scheinbar Unmengen an Musikern auf. Geschickt ausgeleuchtet wirkte es, als sei ganz Island plötzlich auf der Bühne. "Sé Lest" auch von "Takk..." war ergreifend wie seine beiden Vorgänger. Kurz vor Schluß endete die Ergriffenheit des Publikums aber ganz plötzlich ein paar Bläser über die Bühne liefen und das kurze Blasmusik-Stück spielten, wie es auf der Platte zu hören ist. Es brandete quasi auf offenen Szene großer Beifall auf, vollkommen berechtigt, denn der Effekt der plötzlich auftauchenden Dixieland-Crew war fabelhaft.

Die Bläser sollten von da an eine größere Rolle spielen. Auch bei "
Ný batterí" spielten die weiß bzw. cremefarben gekleideten Musiker. Bei "Við Spilum Endalaust" (lustigerweise war dieses Lied, das übersetzt "Wir spielen ohne Ende" heißt, eines der kürzesten des Abends) vom aktuellen Album "Með suð í eyrum við spilum endalaust" (langsam klappt das mit dem Isländisch) spielten die Blasmusiker dann auch die Hauptrolle in der lustigsten Szene des Abends: sie hüpften einmal ganz kurz alle in die Höhe! Niedlich!

Je mehr ich live von Sigur Rós erschlagen wurde, desto mehr erschien es mir, daß die einzigartige Stimme von Sänger Jón Þór Birgisson im Prinzip eher melodieformendes Instrument als wirklich Stimme ist. Und so in diese Gedanken vertieft und die Musik vertieft trafen mich plötzlich ganz merkwürdige Töne. Es klang
ähnlich wie Sigur Rós allerdings in schief. In meiner Nachbarschaft sang jemand mit... Mangels Fluchtmöglichkeiten erlebte ich den Rest des Konzerts nun "með suð í eyrum".

Das so-ähnlich-wie-rhythmische-Klatschen eines einzelnen am Anfang hatte ich ja schon überstanden, den Mensa-Lärm von den Bars auch, warum sollte mir also ein Zweit-Falsett den Abend verderben? Think positive!

Schwerpunkt des Sets waren Lieder des neuen Albums
"Með suð í eyrum við spilum endalaust", darunter "Festival" in der von Sigur Rós immer wieder benutzten Fantasiesprache (nein, nicht Isländisch, das gibt es!). Echte Sprache hin oder her, der Sänger im Publikum störte sich nicht dran...

Nach fast 90 Minuten mit vielen Höhepunkten, mit Stellen, an denen ich zu gerne aufgejuchzt hätte, nach Wänden aus Konfetti, die herabregneten, nach Symphonien mit 12, 13 Musikern auf der Bühne, endete es erst einmal mit
"Gobbledigook", dem Eröffnungslied des neuen Albums. Der langanhaltenden Applaus, während die Musiker sich mehrfach verbeugten, hätte wohl nur eine vollkommen herzlose Band kaltgelassen. Sigur Rós kamen selbstverständlich zurück und spielten mit "Popplagið" bzw. "untitled #8" von "()" eine der wuchtigsten und längsten Zugaben, die ich bisher erlebt habe. Der Song mündet in Gitarrenpassagen, die jeden Postrock Freund erstrahlen lassen. Er dauerte eine knappe Viertelstunde, es fühlte sich aber an wie zwei Built To Spill und 65daysofstatic Konzerte nacheinander.

Danach verließen einige den Saal. Die Band zunächst auch. Allerdings kamen Teile zurück, um noch eine zweite Zugabe zu spielen, "
All Alright", das einzige englischsprachige Stück der Isländer. Auch "All Alrigth" dauerte noch einmal fast zehn Minuten und war sehr ergreifend schön - so wie der ganze Abend. Also netto.

Setlist Sigur Rós, Palladium, Köln:

01: Svefn-g-englar
02: Glósóli
03: Sé Lest
04: Ný batterí
05: Við Spilum Endalaust
06: Hoppípolla/Með Blóðnasir
07: Festival
08: Fljótavík
09: Sæglópur
10: Inní Mér Syngur Vitleysingur
11: Hafsól
12: Gobbledigook

13: Popplagið (Z)

14: All Alright (Z)

Links:

- ein paar (schlechte) Fotos

* 'Tschuldigung für das Rumhacken, aber dieser unerträgliche Hype gerade, der in den kommenden Monaten noch so viel schrecklicher sein wird - gut, daß ich kein Wetten-Dass sehe - geht mir schrecklich auf den Kittel. Man merkt das vielleicht ein wenig.



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates