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Samstag, 6. Oktober 2012

Frightened Rabbit & Dark Horses, Paris, 29.09.12

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Konzert: Frightened Rabbit & Dark Horses
Ort: La Fléche d'or Paris
Datum: 29.09.12
Zuschauer: recht gut besuchte Veranstaltung




Nach der Band Of Horses und Horse Feathers nun also Dark Horses. Mit der erdigen Folkigkeit der beiden erstgenannten Bands haben Dark Horses von denen ich hier spreche aber nichts zu tun. Statt rustikalen Karohemden, Bärten und Tattoos erlebte man eine komplett durchgestylte Band mit einer stilvollen blonder Sängerin an der Spitze und Typen mit schwarzen Biker-Lederjacken. Lisa Elle heißt die Dame mit dem trendigen Pagenkopf und stammt aus Schweden. Lästerer behaupten hinterher, daß eine solche Schönheit eben nicht aus England stammen könne (gemein diese Franzosen!) Ob dies stimmt? Also ich habe in England immer tolle Frauen mit schönen großen Brüsten gesehen. Aber lassen wir das...


Was haben wir musikalisch von Dark Horses zu halten? Bleibt da bei soviel Inszenierung und Modenschau (die Sängerin trug zu Beginn ein Cape über dem Rücken, einer der Männer einen effektheischenden überdimensioalen schwarzen Hut, alle hatten den Schriftzug Dark Horses in weißen Lettern hinten auf ihren schwarzen Lederjacken zu stehen*) überhaupt noch Raum für etwas anderes? Oder war das einfach nur ein Catwalk mit einem Soundtrack vom Band?







Nun, ganz so einfach fällt mir die Antwort gar nicht. Das Konzert hatte gute Momente, war aber nicht durchgängig packend. Stilistisch war das eine Mischung aus Shoegaze, Dreampop und einem Hauch Krautrock. Dem Bandnamen enstprechend war alles düster gehalten, ließ aber auch einzelne kleine Lichtstrahlen durch. Fühlte sich ein wenig an wie ein Pferderitt bei Nacht mit schwachem Mondschein. Das Problem war aber, daß das Ganze ein wenig clean und durchinszensiert präsentiert wurde, so daß man nie so richtig rein kam. Eine gewisse Faszination ging aber schon von der kühlen Schwärze der nebelumhüllten Hall-Musik und der eleganten Sängerin aus. Man fragte sich immer: "wann kommt jetzt mal so ein richtiger Killersong, der uns ordentlich durch Mark und Bein geht? Letztlich gab's den aber nicht, obwohl die Songs eigentlich durchgängig gefällig bis recht gut waren.

Am Merch-Stand herschte dann auch eher eine Absatzflaute. Will heißen, ich habe keine einzige CD den Besitzer wechseln sehen, die Band hat den ganzen Kram wieder mit in die nächste Stadt geschleppt. Lag aber sicherlich auch am Preis. 15 Euro für eine CD gibt heute kaum noch jemand aus, gerade bei Konzerten erwarten Musikfans, daß sie den Silberling für einen Zehner bekommen.

Setlist Dark Horses:

01: S.U.N.
02: Boxing Day
03: Radio
04: No Dice
05: Traps
06: Alone
07: Rose


Dann kamen schließlich die Headliner Frightened Rabbit aus Schottland. Eine Art Indie-Ausgabe von U2, deren hymnische Songs vor "ohohoho"-Singalongs nur so strotzen. Aber sie wirken erdiger und authentischer als die Band von Bono und weger ihrer Natürlichkeit und Bodenständigkeit nimmt man ihnen auch so manchen zu sülzigen Text ab. Sind eben Schotten und da trift man oft diese Mischung aus Raubein und Romatinker, was wahrscheinlich an dem häufigen Regen liegt. Ihr erstes Album  The Midnight Organ Fight (2007) lief damals bei mir rauf und runter, aber dann kühlte sich meine Begeisterung ein wenig ab. Bei ihrem Auftritt in Haldern 2010 empfand ich sie auch als ein wenig zu pathetisch und stadionlastig und deshalb habe ich mich in letzter Zeit nicht mehr mit ihnen beschäftigt. Die Show in der Fléche d'or stimmte allerdings versöhnlich. Das war frischm geradlinig und mit viel Freude an der Sache gespielt und nicht nur die alten Sachen wie The Modern Lepper oder My Backward Walk, sondern auch Stücke der neuen State Hospital EP wie der Titeltrack oder Boxing Night wussten zu gefallen.


Die Stimmung im Publikum war ohnehin durchgängig ausgezeichnet, Highlights innerhalb eines packenden Sets zu benennen daher schwierig. Dufte war jedenfalls gegen Ende The Loneliness & The Scream, das mich mit seiner druckvollen Art fast ein wenig an Biffy Clyro denken ließ, obwohl Frightend Rabbit natürlich üblicherweise nicht so heavy und brachial sind wie ihre tätowierten Landsleute. Den Singalong des Songs sangen die Fans noch Minuten nach dem Ende des Konzertes nach, fast so wie das Nervensägen mit dem Riff von Seven Nation Army machen.



Gutes Konzert von Frightened Rabbitt!

Setlist Frightened Rabbit

01: The Modern Leper
02: Nothing Like You
03: Old Old Fashioned
04: State Hospital
05: Fast Blood
06: Head Rolls Off
07: Swim Until You Can't See Land
08: Boxing Night
09: My Backward Walk
10: Living In Colour
11: The Loneliness And The Scream

* wie man in Berlin zu sagen pflegt




Freitag, 12. November 2010

Frightened Rabbit, Wien, 11.11.10

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Konzert: Frightened Rabbit
Ort: Flex, Wien
Datum: 11.11.2010
Zuschauer: jedenfalls mehr als weniger ausverkauft, so um die 500?!
Dauer: 90 Minuten


Frightened Rabbit sind Schotten und gaben sich im Flex auch nicht die geringste Mühe, dieses Tatsache unter den (karierten) Teppich zu kehren. Von Whiskey, Karomuster und Grölgesang war fast alles dabei. Alles? Nein. Den Dudelsack vermisste man schmerzlich, an seiner statt kam dafür eine Mundharmonika zum Einsatz.

Aber der Reihe nach: Als im Juni ihr Wien-Termin bestätigt wurde und als Location das B72 geplant war, konnte man von einem ausverkauften Haus ausgehen. Dass es aber schon im August ausverkauft sein sollte, war so nicht zu erwarten. Aber alles kein Problem, diejenigen, die es verschlafen hatten, sich Karten zuzulegen, konnten rasch wieder aufatmen, denn man verlegte die Sause einfach ins Flex.

Und so hoppelte man an diesem Donnerstagabend ans Ufer des Donaukanals, wo kurz nach acht von den erwarteten Scharen noch wenig zu sehen war. Frightened Rabbit hatten nämlich, wie auf der gesamten europäischen Festland-Tour, auf einen Support verzichtet, was sich neben dem späten Eintreffen des Publikums erfreulicherweise auch auf die Eintrittspreise niederschlug. Die 11€ (vgl. zB. Offenbach: 18€) waren wirklich nicht zu viel verlangt!

Als etwa eine Stunde später das Häschen-Quintett die Bühne betrat, war die Füllung der Halle bereits erfolgreich vonstatten gegangen, das Flex gedrängt voll und das Raumklima das Gegenstück zu den 3° draußen im Freien.

Mit Skip The Youth, einer Nummer mit langem Intro und depressivem, vergänglichem Charakter stellten sich die fünf Herren ein und wem bis dahin ihre Herkunft noch nicht bekannt war, durfte spätestens jetzt feststellen, dass sich Glasgow nicht unbedingt für Sprachferien mit dem Ziel, möglichst reines Englisch zu erlernen, eignet.

Das sollte heute aber auch nicht wirklich von Belang sein, man wollte ja Scott Hutchison und Anhang spielen hören. Diese ließen sich nicht lumpen und warfen gleich einmal ihren bekanntesten Song The Modern Leper ins Gefecht, welcher auch begeistert angenommen wurde. Die Schweißflecken unter Scotts Shirt waren nun nicht mehr zu sehen, da sie nun den ganzen Oberkörper in Beschlag genommen hatten. Sie hätten bis jetzt sechs Wochen schöne Tourerlebnisse gehabt und würden sich sehr über ihr erstes Gastspiel in Wien freuen, noch dazu vor so vielen Leuten, ließ er dann auch verlauten.

Beschwingt auf beiden Seiten des nicht vorhandenen Bühnengrabens ging es weiter, Scott verriet das erste Gebot der schottischen Heilkunst ("Whiskey is good for the throat"), man einigte sich darauf, dass niemand Rod Stewart möge, adaptierte die Setlist (Foot Shooter) und merkte den Schotten auch bei einigen technischen Problemen vom ersten Teil des Bandnamens nichts an.

Und so war bald eine Stunde rum, im Publikum forderte jemand lautstark Swim Until You Can't See Land, ein Wunsch, den Sccott mit dem Hinweis auf seine etwas angeschlagene Stimme erst nicht erfüllen wollte. Als er dann aber aus einer anderen Ecke des Flex auf seine Medizin im Pappbecher hingewiesen wurde, war er überredet, stellte Nummer zwei der nordbritischen Schamanenkunst in den Raum ("Whiskey is a natural anti-septic") und das bisherige Highlight des Abends auf.

Streck den kleinen Finger aus und sie werden deine ganze Hand nehmen: Kaum den einen Wunsch erfüllt, wollte eine Partie Mädels ein Geburtstagsständchen für eine Sabrina. Diesmal ließ sich der bärtige Sänger nicht so lange bitte und stimmt Happy Birthday an, was allerdings etwas in die Hose gang. Also kramte er kurz in seiner Schatzkiste und kündigte schließlich den "einzigen heiteren Frightened Rabbit-Song" an - Living In Colour. Ein schönes Geschenk - nicht nur für Sabrina - war das, und gleichzeitig auch schon fast das Ende.

Es folgte noch Keep Yourself Warm, in dem es (Achtung: FSK 16) heißt: "It takes more than fucking someone to keep yourself warm." Freche Ansage, aber ein schönes metaphorisches Bild. Im Flex bedurfte es jedenfalls keiner zwischenmenschlicher Zärtlichkeiten, um sich warm zu halten, es war auch so heiß.

Frightened Rabbit gingen von der Bühne, das Publikum aber nicht heim, logische Konsequenz aus diesen zwei Tatsachen war eine Zugabe. Scott begab sich wieder auf die kleine Bühne, bedankte sich für die tolle Unterstützung und gab akustisch Poke vom zweiten Album zum Besten. Und auf einmal sang das ganze Publikum eine spontane Melodie (Text etwa so: ah-ah-ah) dazu, was, wie auch Scott bemerkte, stark an Fußballstadionatmosphäre erinnerte. Gänsehaut!
Auch The Twist findet sich auf dem zweiten Album - benannt The Midnight Organ Fight - und wurde mit voller Band gespielt.

Mit dem aktuellen The Loneliness And The Scream ging ein tolles Konzert zu Ende. Waren ein an einigen Stellen (u.a. auch auf dieser Seite) etwas enttäuschte Konzertberichte zu lesen, stellten die Schotten im Flex mich zumindest ziemlich zufrieden. Klar - Konzert des Jahres oder etwas in diese Richtung war es nicht, aber doch ein höchst solides Konzert. Und auch wenn Frightened Rabbit zur Zeit ein bisschen vom letzten Hype um Mumford&Sons profitieren (Frightened Rabbit waren als Erste da!), war dieser Abend ein schönes, persönliches und intimes Erlebnis.
Hasen mag man eben.

Setlist Frightened Rabbit, Flex, Wien:

01: Skip The Youth
02: The Modern Leper
03: Nothing Like You
04: Old Old Fashioned
05: Heads Roll Off
06: Foot Shooter
07: Not Miserable
08: I Feel Better
09: The Wrestle
10: Fast Blood
11: My Backwards Walk
12: Be Less Rude
13: Good Arms vs. Bad Arms
14: Swim Until You Can't See Land
15: Living In Colour
16: Keep Yourself Warm

17: Poke (Z)
18: The Twist (Z)
19: The Loneliness And The Scream (Z)

Anmerkung: Die Fotos (by Oliver Peel) stammen vom Haldern Pop Festival 2010.



Mittwoch, 18. August 2010

Frightened Rabbit, Haldern Pop Festival, 14.08.10

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Konzert: Frightened Rabbit
Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele
Erster Konzertbericht bei uns: 04.12.2008 (Paris)


Eine gewisse Enttäuschung stellte das Konzert der Schotten Frightened Rabbit dar. Ihr hymnischer, amerikanisch gefärbter Indierock war oft ein wenig banal und hausbacken. Am Einsatzwillen der sympathisch bodenständig wirkenden Band lag das freilich nicht. Wie es sich für kampfstarke Schotten gehört, legten sie sich mit Inbrunst ins Zeug und schmetterten ihre bitteren Herzschmerz-Nummern aus voller Kehle Richtung Festivalwiese. Leider hatten sie mit The Modern Leper schon zu Beginn ihren besten Song abgefeuert, so daß der Rest- Lieder von The Midnight Organ Fight (2008) und The Winter Of Mixed Drinks (2010), ein wenig verpuffte. Zum Schluß gab es aber zumindest textlich noch einmal ein Highlight, als sie nämlich bei Keep Yourself Warm die Textzeile: "It takes more than fucking someone to keep yourself warm" zum Besten gaben, bevor U2sche Stadiongesänge einsetzten. Insgesamt solide Hausmannskost. Die mag man hin und wieder richtig gern, machmal langweilt sie einen aber auch. So wie heute.



Freitag, 5. Dezember 2008

Matt Bauer, Frightened Rabbit, Departments Of Eagle, Paris, 04.12.2008

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Konzert: Matt Bauer, Frightened Rabbit, Departments Of Eagle

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 04.12.2008

Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Matt Bauer: 30 Minuten, Frightened Rabbit 40 Minuten, Departments Of Eagle 50 Minuten




Matt Bauer scheint Paris zu mögen. Seitdem ich den deutschstämmigen Mann mit der Glatze und dem Vollbart als Banjospieler bei dem wunderbaren Konzert von Alela Diane in der Pariser Cigale kennengelernt habe, lässt er sich immer mal wieder in der Stadt der Liebe blicken. Ob es an den hervorragenden französischen Weinen liegt, die seine Weggefährtin Mariee Sioux kürzlich in einem MySpace-Bulletin überschwenglich lobte? Oder den über 300 (wahrscheinlich vielmehr, man weiß die genaue Zahl nicht!) Rohmilchkäsen, die nur in sehr begrenztem Umfang in die USA importiert werden? Oder den schönen und stilvollen französischen Frauen? Alles nicht auszuschließen, wahrscheinlicher ist aber, daß es mit der Booking- Agentur Zamora Productions zusammenhängt, die nicht nur Matt Bauer, sondern auch Mariee Sioux und Hanne Hukkelberg betreut. In Zusammenabeit mit dem vorzüglichen Label Fargo hat es Zamora Productions verstanden, hervorragende amerikanische Folkkünstler zu promoten und Spielstätten für sie zu organisieren. Star bei Fargo ist ohne jeden Zweifel Alela Diane, aus deren Schatten Matt Bauer nun langsam treten will. Kurz nach seiner Show mit der immens erfolgreichen Kalifornierin trat er auch solo zum ersten Mal in Erscheinung und spielte am 20. Aril 2008 in der kleinen Belushi's Bar.

Nach Gigs in Kanada und den USA kam er im November nach Frankreich zurück, trat zusammen mit Mariee Sioux im nordfranzösischen Lille auf, begleitete erneut Alela Diane während ihres Gigs im Pariser Olympia beim Festival des Inrocks und gab noch am gleichen Abend zu vorgerückter Stunde ein Konzert im Pop In zusammen mit den wunderbaren Franzosen Rum Tum Tiddles.

Letzten Sonntag ging es für ihn im Lucernaire weiter und am 3. Dezember zeigte er sein Können im atmosphärischen Café Charbon, das gleich neben dem Nouveau Casino liegt. Heute schließlich der letzte Paris- Termin für den sympathischen Mann mit den stahlblauen Augen, leider aber nur im Vorprogramm und entsprechend kurz. 30 Minuten wurden ihm in der Maroquinerie eingeräumt und davon verpasste ich auch noch die Hälfte, weil mir mein Bus 96, der den steilen Berg die rue menilmontant hochtuckert, vor der Nase weggefahren war. Sehnsüchtig schaute ich dem davonbrausenden Bus hinterher und wußte, daß ich zu spät kommen würde. Mist!!

Aber auch so konnte ich mir ein gutes Bild von der schönen, leicht rauchigen Stimme und dem spärlichen, aber gekonnten Gitarrespiel von Matt Bauer machen. Sein Banjo, mit dem er die ersten Lieder bestritten hatte, war leider schon bei Seite geräumt und lehnte einsam an den Backsteinmauern der Maroquinerie. Eines der verpassten Stücke war Sea Lion Woman, ein Titel, den auch Feist und Alela Diane im Programm haben, der aber weder von der einen noch der anderen stammt, da es sich ganz einfach um ein traditionelles Lied, ein sogenanntes Traditional, handelt. Ein bluesiger Song, dieses Sea Lion Woman, den man auf dem Minialbum Wasps and White Roses finden kann, das in Amerika bereits 2006, in Europa aber erst 2008 in die Läden kam. Neben Sea Lion Woman spielte Matt auch noch ein weiteres Lied von Wasps and White Roses und zwar Carve It Out. Der ganze Rest war Material von dem Neuling The Island Moved In The Storm, auf dessen Cover Mister Bauer eine ertrunkene Frau aus dem Wasser trägt (ob sie noch lebt oder nicht, ist nicht überliefert).

Hat Matt also die Kraft, Leben zu retten? Hmm, wahrscheinlich nur in begrenztem Maße, er ist ja schließlich nicht Jesus, obwohl er mit seinem Rauschebart fast so aussieht. Allerdings kann er Trost spenden, mit seinen ruhigen und warmen Liedern, die trotz der melancholischen Atmosphäre nicht düster sind. Ich habe die Viertelstunde mit dem sanftmütigen Künstler jedenfalls sehr genossen und kann nur jedem seine zwei Alben und einen Konzertbesuch empfehlen, wenn er 2009 wieder nach Europa kommt. Nächstes Jahr dürfte er deutlich bekannter werden und aus dem Schatten von Alela Diane und Mariee Sioux zumindest ein wenig heraustreten, da bin ich ganz sicher, denn allein das abschließende Don't Let Me Out war so berührend, daß man schon ein Herz aus Stein haben muß, um sich nicht von solch profunder Schönheit erweichen zu lassen. Am besten man legt sich The Island Moved In The Strom unter den Weihnachtsbaum, die Songs empfehlen sich ganz besonders für die besinnlichen Tage und klingen allemal besser als O(h) Tannenbaum oder Oh Du Fröhliche!

Im Anschluß ging es mit den Schotten Frightened Rabbit stürmischer zu. Die bärtigen und zum Teil etwas kräftigeren Burschen, hätten eigentlich schon vor ein paar Wochen an gleicher Stelle auflaufen sollen, aber da fielen sie - als Headliner gebucht - aus mir nicht bekannten Gründen aus. Vor kurzem gab es dann eine neue Gelegenheit die Band unter die Lupe zu nehmen, als sie in Paris im Vorprogramm von Death Cab For Cutie auftraten, da war ich allerdings mit einer Oliver Peel Session bei mir zu Hause über beide Ohren beschäftigt!

Heute aber gab es kein Entrinnen für die verängstigten Hasen (Frightened Rabbit, übersetzt man das so?), die Tür war zu und die Karnickel wären schnell wieder eingefangen worden. Statt Hasen erblickte ich aber zu meiner Belustigung Nessie, das legendäre Ungeheuer aus dem Loch Ness, welches das T-Shirt des schlaksigen Keyboarders zierte. "Witzig, da war ich auch schon", dachte ich mir und war kurzfristig mit meinen Gedanken bei einer unserer beiden wunderbaren Schottland-Reisen. Die Weite und urwüchsige Schönheit dieses grünen Landes hatten es mir und meiner Frau außerordentlich angetan und auch an die offenen und gastfreundlichen Menschen hatten wir sehr gute Erinnerungen. Am tollsten war ein schottischer Herbergsvater, der sein kleines Häuschen als Bed & Breakfast vermietete und uns schon frohgelaunt mit einer Whiskey-Fahne begrüßte. Seine gute Stube war voller Nippes und kleinen Dekofigürchen - grauenvoll kitschig- aber er war so liebenswürdig und authentisch, das wir spontan entschieden, zu bleiben. Wir sollten es nicht bereuen. Er zauberte uns am nächsten morgen, das beste und ausgiebigste Frühstück, das wir je genießen durften. Zunächst legte er mit Porridge los, dann haute er unzählige Eier, Speck, Tomaten und Champignons in eine Pfanne und zum Schluß wollte er uns noch mit Pancakes beglücken (wir lehnten dankend ab, denn es wäre unhöflich gewesen, alles der Toilette zurückzugeben). In allen Details schilderte er uns dann, wo wir überall hin müssten, welche Sehenswürdigkeit es noch so gäbe und wo genau das beste schottische Wasser für den vorzüglichen Whiskey flösse. Das Ganze war unglaublich preiswert, - wir dürften nicht mehr als umgerechnet 20 Euro für Übernachtung und Frühstück bezahlt haben- und stand in krassem Gegensatz zu dem kühlen Empfang und den gepfefferten Preisen, die wir zuvor in London erlebt hatten.

Menschliche Wärme, ja das war es, was er uns bot, dieser hochsymphatische schottische Gastvater, dem seine Frau wahrscheinlich weggelaufen oder früh verstorben war. Konsequenterweise sangen Frightened Rabbit dann in ihrem Song The Twist dann auch von " I need human heat", als wäre dies ein Grundbedürfnis von Schotten. Aber wer braucht sie nicht, die menschliche Wärme in diesen anonymen (Highlight des Tages oft: eine neue Freundschaft bei MySpace, mit Leuten, die man nie in seinem Leben wirklich kennenlernen wird) und krisengeschüttelten Zeiten? Auch in ihrem abschließenden Hit Keep Yourself Warm ging es erneut um diese Wärme. "You won't find love in a hole , it takes more than fucking someone to keep yourself warm", sang Bandleader Scott Hutchison voller Inbrust und klang dabei am Anfang als er sein Falsett einsetzte, ein wenig wie Jónsi, der Sänger von Sigur Ros. Ansonsten aber waren vielmehr Ähnlichkeiten mit Okkervil River festzustellen, desweiteren auch mit Aracde Fire, My Latest Novel und den Decemberists. Im Grunde genommen klingen Frightened Rabbit nach amerikanischem Collegerock mit schottischem Akzent. Keine schlechte Mischung wie ich finde und die Kumpels der von mir ebenfalls geschätzten The Twilight Sad dürfen gerne wiederkommen und ihre melancholischen Geschichten, die irgendwo in der Weite der einsamen schottischen Landschaften entstanden sind, zum Besten geben.

Seit dabei, wenn die Jungs nach Deutschland kommen und wie heute euphorisiernde Songs wie The Modern Leper, I Feel Better oder Old Old Fashioned schmettern!

Auch Department Of Eagles, die Band aus Brooklyn, die heute den musikalischen Abend beschloß, kann ich empfehlen, obwohl ein paar meiner Freunde und Bekannten hinterher äußerten, sich gräßlich gelangweilt zu haben. Vielleicht muß man sich, wie ich, zuvor mit der Band Grizzly Bear beschäftigt haben, um die Musik der Department Of Eagles zu mögen. Zu Grizzly Bear besteht nämlich eine sehr enge Verbindung, denn Daniel Rossen, der Department Of Eagles zusammen mit Fred Nicolaus während seiner Studienzeit an der New York University gegründet hatte, schrieb Songs, sang und spielte Gitarre für Grizzly Bear während ihrer Tour für das famose Album Yellow House. Fred ging in der Zwischnezeit einem 9 to 5 Job nach, aber irgendwie fand man dank moderner Kommunikationstechniken die Zeit, Stücke für das zweite Album (das 2003 er Debüt hieß The Cold Nose) In Ear Park fertigzustellen. Gut so, denn die Lieder sind voller schöner Melodien und Chorgesänge und zu dem beatlesken No One Does it Like You sang auch Sigrid, ein Mädchen, das zum Blogotheque- Umfeld gehört, laut mit. Die Blogothèque? Was is'n das? Das sind die Typen, die aufstrebende Bands immer auf der Straße oder in Hinterhöfen abfilmen und logischerweise auch schon mit Department Of Eagle gearbeitet haben. Das Ergebnis dieser Session kann man hier sehen.

Die Blogothèque ist immer an sehr spannenden Bands dran, DOE bilden da keine Ausnahme! Wunderschön das gefühlvolle Zusammenspiel von elektrischer und akustischer Gitarre, die glänzenden Harmonien, die warme, zeitweise an Scott Matthew erinnernde Stimme von Daniel Rossen. Keine Frage, ich habe dieses Konzert genossen, obwohl Daniel immer wieder sich selbst kritisierte, sich oft als sehr unprofessionell bezeichnete und sich wunderte, daß das Publikum am Ende noch eine Zugabe wollte: "That's nice of you, after all what happened before!", murmelte er schmunzelnd. Dies schien mir auch kein "fishing for compliments" zu sein, ich glaube wirklich, daß er mit seiner Leistung -völlig zu Unrecht - nicht ganz zufrieden war.

Ich persönlich bleibe auf jeden Fall bei Department Of Eagles am Ball. Das Gleiche gilt für Matt Bauer und Frightened Rabbit. Ein gelungener Konzertabend!

Setlist Matt Bauer. La Maroquinerie, Paris:

01: Rose & Vine
02: Florida Rain
03: Sealion Woman
04: Blacksnake In The Carport
05: Carve It Out
06: As She Came Out Of The Water
07: Don't Let Me Out

Links:

- Das Klienicum war bei Matt Bauer auch schon wieder früh dran. Hier der Beweis!





 

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