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um
11:47
Konzert: Wolf Alice
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2017
Dauer: Wolf Alice 75 min, The Magic Gang gut 25 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Ich glaube, man nennt den Stil von Wolf Alice Nu Grunge. Aber was weiß ich schon, ich mochte den alten schon nicht.* Eigentlich würde ich also alles meiden, was ein Etikett mit "Grunge" dran trägt. Dummerweise hatte ich Wolf Alice aber ganz unvorbereitet und daher unvoreingenommen beim End Of The Road Festival kennengelernt und mich spontan in Lieder wie den verloreren Elastica-Song Blush verliebt.

Irgendwann erschienen danach die ersten EPs, die in den Jahren danach Wahnwitzig wertvoll wurden. Um Wolf Alice entstand ein enormer Hype, vor allem in Großbritannien. In Deutschland wurde die Band vor allem durch die Riesenhallen-Tour als alt-J-Support bekannt. 2015 erschien die erste Platte My love is cool, vor anderthalb Monaten Nummer zwei Visions of a life, beide erreichten Platz zwei der britischen Charts. Der allgemeinen Charts, nicht der Indie-Hitparade. Ich höre die Platten nicht schrecklich oft, obwohl sie sehr gut sind, für mich sind Wolf Alice eine Live-Band. Gut, das sind die meisten, bei der Gruppe aus London gilt das aber besonders.

Als ich im Luxor ankam, liefen die Ramones (diese Band von den H&M-Shirts). Pünklich um acht stoppte die Kassette und The Magic Gang kamen auf die Bühne. Wenn ich nach dem Äußeren gegangen wäre und vom T-Shirt des Sängers auf den Musikstil geschlossen hätte, hätte ich richtig gelegen. Die mir unbekannte vierköpfige Gruppe aus Brighton machte ringelshirtartigen Indiepop, das erinnerte mal an Teenage Fanclub und war hörenswert und kurzweilig.
Setlist The Magic Gang, Luxor, Köln:
01: Lady, please
02: All this way
03: Only waiting
04: No one else
05: New banger (?)
06: Your love
07: Alright
08: How can I compete
09: All that I want is you
Was mich bei Wolf Alice erwarten würde, wusste ich. Zwar war es in den letzten Jahren nicht immer einfach, die Briten zu sehen, mal fielen Konzerte aus, weil Wolf Alice für Preise nominiert waren (gewonnen haben sie u.a. zwei NME-Awards, nominiert waren sie auch für den Mercury Prize), mal musste ich dafür wie erwähnt zu alt-J gehen.

Wolf Alice sind Frontfrau (und Gitarristin) Ellie Rowsell, Gitarrist Joff Oddie, Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey. Ellie singt in zwei Mikros, eines verzerrt, eines normal. Das sieht immer ein wenig nach einer Pressekonferenz aus. Ellie und Bassist Theo wechseln ihr Aussehen von Konzert zu Konzert, das ich sehe. Ellie sah diesmal aus wie Eleven in der zweiten Hälfte von Stranger Things 2, Theo hatte mal wieder Haare und blieb das ganze Konzert lang weitestgehend angezogen. Die beiden Männer rechts und links der Sängerin bewegen sich während eines Auftritts irre viel und schwitzen ganz ordentlich. Ob das der Grund war, warum der Roadie unmittelbar vor Konzertbeginn noch mit Frischhaltefolie am Pedalbrett von Joff arbeitete, weiß ich nicht. Mir fiel aber keine andere Erklärung als Schweißschutz ein.

Es ist eine eiserne Regel, daß man Konzerte mit dem ersten Lied der aktuellen Platte beginnt, fast jede Band macht das so, wenn ein Album betourt wird. Wolf Alice sind da keine Ausnahme, Heavenward war das erste Stück des Abends, gefolgt vom Lied zwei von Visions of life, dem wuchtigen Yuk fu. Sie spielten am Anfang ohne Pausen. Zwischen Yuk fu und dem tollen You're a germ (erste Platte) blieb gerade mal Zeit für einen "I love you Theo" Zuruf. Wolf Alice haben mittlerweile so viel Material, daß sie wohl möglichst viel davon unterbringen wollten.** Apropos soviel Material und Theo...: der Bassist wechselte regelmäßig sein Instrument. Mindestens drei Bässe hatte er im Einsatz. Ich höre zwischen Bässen keinen Unterschied, es ist aber sicherlich musikalisch sinnvoll und keine Poserei. Mich erstaunte aber, daß teilweise von Lied zu Lied der Bass gewechselt wurde, das spricht für mich für sehr prefessionelles Herangehen an den Job.

Das Repertoire von Wolf Alice ist ein wenig speziell. Das stilistische Spektrum der Band ist riesig, man kann ihr wirklich nicht vorwerfen, nur Variationen des immer gleichen Lieds zu schreiben. Weil die Spanne so groß ist, vom Popsong zu ziemlich harten Rock- oder Grungeliedern, sind eben trotz der vielen großen Hits auch immer mal wieder Songs dabei, die mich nicht umhauen. Bei Konzerten ist das aber gar nicht dramatisch, weil die Bandlive fantastisch ist und sich das aufs Publikum überträgt (wäre das männlicher und daher rowdyhafter gewesen, wären wir mit blauen Flecken rausgegangen).
Neben den offensichtlichen Hits wie Blush, Fluffy, Moaning Lisa smile und Bros gefiel mir Silk besonders gut, das hatte ich bisher gar nicht wirklich beachtet. Visions of a life, der Titelsong vom neuen Album, löste bei mir ZZ Top-Assoziationen aus, diese Gitarren... puh!
Auch wenn ich nicht jedes Lied gleich liebe, war das Konzert sehr gut. Mit Wolf Alice-Konzerten kann man nichts falsch machen, dafür würde ich sogar noch mal zu alt-J gehen.
Setlist Wolf Alice, Luxor, Köln:
01: Heavenward
02: Yuk foo
03: You're a germ
04: Your loves whore
05: St. Purple & Green
06: Don't delete the kisses
07: Formidable cool
08: Silk
09: Lisbon
10: Planet hunter
11: Beautifully unconventional
12: Moaning Lisa smile
13: Sadboy
14: Space & time
15: Bros
16: Visions of a life
17: Fluffy
18: Blush (Z)
19: Giant peach (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Wolf Alice, Frankfurt, 03.09.16
- Wolf Alice, Köln, 12.02.16
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13
* und ich hatte da wirklich gute Gründe! Grunge haben Bands wie Galaxie 500 getötet, weil plötzlich alles so klingen sollte wie Nirvana.
** auf beiden Platten sind zwölf Lieder, meine iTunes-Sammlung umfasst 36 Stücke
um
12:06
Konzert: Wolf Alice
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 03.09.2016
Dauer: Wolf Alice knapp 65 min, Gengahr 30 min
Zuschauer: nicht ausverkauft aber recht voll
Die meisten Bands mag ich auf der Bühne lieber als auf Platte. Das Liverelebnis, die Lautstärke aber auch die fehlende Glättung der Musik, bla bla bla. Wahrscheinlich ist aber bei keiner der Bands, die ich mag, der Unterschied zwischen Platten und live so groß wie bei Wolf Alice. Mir ist das schon einige Male passiert, daß ich Freunde für die englische Gruppe gewinnen wollte und dabei "live sind die aber wirklich großartig" benutzte. Zum ersten Mal hatte ich Wolf Alice 2013 beim End Of The Road Festival gesehen. Wir waren unvorbereitet zu diesem Auftritt gegangen, hatten an dem Nachmittag nichts Spannenderes und waren hin und weg!

Danach war es schwierig, die Londoner wiederzusehen. Wolf Alice wurden so schnell bekannt, daß Auftritte wegen Amerika-Touren und Headline-Konzerten in der Heimat ("aus produktionstechnischen Gründen") verlegt wurden. Für mein zweites Mal Wolf Alice musste ich a) in die Stadthalle Offenbach b) zu Alt-J gehen, im Februar fand dann endlich das zweimal (?) verlegte Köln-Konzert statt, mein erstes nach der Veröffentlichung des Debüt-Albums.

In Offenbach spielten vor Wolf Alice und Alt-J als erste Band Gengahr aus London. Ich fand die Songs der Briten gut, mochte aber die künstlich hohe Stimme des Sängers überhaupt nicht. Manchmal sang er normal, dann war es sofort gut. Aber der Rest war nichts. Meine Vorfreude, Gengahr auch im Zoom als Support zu sehen, hielt sich also sehr in Grenzen. Zu recht. Der Gesang ist nicht zu ertragen. Weil Sänger, die extra hoch trällern, dafür auch den Kopf immer dramatisch schräg halten (müssen), klang es nicht nur doof, es sah auch so aus. Instrumental oder mit richtigem Gesang hätte ich den Auftritt gemocht, so war ich dankbar, daß er nach einer halben Stunde vorbei war.
Bester Moment des Konzerts: die Ansage von Sänger Felix Bushe, es sei gut, wieder in Frankfurt zu sein. Da waren sie aber bisher noch nicht. Der Veranstalter des Alt-J Konzerts hatte den Bands Offenbach als Frankfurt verkauft. Schräg war auch die Fake-Linkshänder-Gitarre des links stehenden Musikers (mit Wirbeln unten).
Fairerweise muß ich aber sagen, daß Gengahr sehr gut ankamen und ein paar (sicher viel schöner) mitsingende Hardcore-Fans die Londoner abfeierten.
Setlist Gengahr, Zoom, Frankfurt:
01: Heroine
02: ?
03: Bathed in light
04: Whole again (neu?)
05: Fill my gums with blood
06: Where wildness grows (neu)
07: She's a witch
08: Powder
Aber ich war ja nicht wegen der Vorgruppe da.
Wolf Alice begannen bereits um 21:15 Uhr. Das Zoom war recht gut gefüllt, es war aber sicher einiges entfernt von ausverkauft. Außerhalb von Großbritannien und den USA hat sich offenbar nicht rumgesprochen, wie großartig die Band ist.
Schon vor dem Beginn war mir etwas Bemerkenswertes aufgefallen: im Publikum unterhielten sich einige (sehr junge) Besucher darüber, wo sie Wolf Alice auf dieser Tour in Europa gesehen haben. Wolf Alice haben sich in kurzer Zeit eine Ultra-Szene erspielt, erstaunlich!
Das Konzert war im Grunde ein Zwilling des Auftritts von Köln im Februar. Die Setlist war mit einer Ausnahme komplett gleich. You're a germ hat ein paar Plätze gutgemacht und wurde gleich nach dem Startstück Your loves whore gespielt, der Rest war exakt gleich. Aber eben auch gleich gut!
Ein ganz typisches Wolf Alice Stück ist 90 mile beach, von der bis vor zwei Wochen extrem wertvollen Blush EP (da erschien das 10" Vinyl noch einmal in einer Sammler-Box, damit hören dann auch die "verkaufst Du mir die, meine Tochter ist riesiger Wolf Alice Fan"-mails auf). Das Lied fing langsam und fast etwas harmlos an, wurde aber im Verlauf besser und besser. Auch das schwächste Stück im Set (Swallowtail), das Schlagzeuger Joel singt, entdet in noisigem Durcheinander. Swallowtail rettet das nicht, auch hier nervt mich der kunstvoll und künstlich hohe Gesang (unnötig!). Aber bei den vielen guten Liedern sind die lauten Enden dann eben die Kirsche auf dem Eisbecher!

Wenn die Band laut wird, drehen die beiden Bühnennachbarn von Sängerin Ellie Rowsell besonders auf! Bassist Theo (mit rappelkurzen Haaren), der sein Wetlook-Shirt schnell gegen Wetlook-Oberkörper eingetauscht hatte, hat einen herrlich irren Blick, wenn er mitbrüllt und sich ins Publikum beugt. Bei The wonderwhy oder Fluffy fehlte nicht viel, daß er sich auf uns gestürzt hätte, schien es.
Wolf Alice haben enorm viele Lieder, die live enorme Knüller sind. Bros, Fluffy, You're a germ, Moaning Lisa smile...
Mit Moaning Lisa smile endete der Hauptteil. Als die vier zurückkamen, zog sich Schlagzeuger Joel sein Hemd wieder an, daß er wohl backstage ausgezogen hatte. Da gibt es wohl auch keine Klimaanlage.
Die erste Zugabe war wieder Turn to dust, das erste Lied der Debüt-Platte, dem ich nichts abgewinnen kann. Es ist zu ruhig, als hätte die Band vergessen, den krachigen Teil ab der Mitte zuzufügen. Danach kamen die beiden fehlenden Riesenhits Blush und Giant peach.
Ich bin Team Pop und kann mit zu rockigem Rock nichts anfangen. "Grunge" als Beschreibung einer Band, senkt mein Interesse gewöhnlich gleich enorm. Wolf Alice machen für meinen Geschmack aber fast alles exakt richtig. Ich will diese dämliche Floskeln wie "Energie" und "Intensität" vermeiden, weiß daher nicht genau, wie ich das Besondere an den Liveauftritten der Engländer beschreiben soll. Vielleicht tue ich mich auch deshalb so schwer damit, Leute zu überreden, Wolf Alice mal live zu sehen. Das Fanwerden erledigen die dann mit 60 min Konzert.
(Und nach den letzten Takten von Wolf Alice lief Divine Comedy!)
Setlist Wolf Alice, Zoom, Frankfurt:
01: Your loves whore
02: You're a germ
03: Freazy
04: Bros
05: Lisbon
06: 90 mile beach
07: Silk
08: The wonderwhy
09: Storms
10: Swallowtail
11: Fluffy
12: She
13: Moaning Lisa smile
14: Turn to dust (Z)
15: Blush (Z)
16: Giant peach (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Wolf Alice, Köln, 12.02.16
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13
um
21:52
Konzert: Wolf Alice
Ort: Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln
Datum: 12.02.2016
Dauer: 65 min
Zuschauer: vielleicht 350 (nicht ausverkauft)
Ich habe zwei Einleitungen gelöscht, mit denen mein Bericht vom Wolf Alice Konzert anfangen sollte. Warum lange um den heißen Brei reden: Wolf Alice sind eine grandiose Liveband, das Konzert im Club Bahnhof war weit besser als nur "aufregend" oder "gut", es war ein Knüller. Bis Freitag war ich von zwei Sachen felsenfest überzeugt: 1) das beste Rockkonzert des Jahres wird von Savages kommen und 2) die Grammy-Nominierung von Wolf Alices Moaning Lisa smile als bester "Rock act" ist eine lustige Anekdote aber Unsinn. Nach dem Konzert (und jetzt) bin ich mir da gar nicht mehr sicher.

Ich hatte Wolf Alice 2013 beim End Of The Road Festival kennengelernt und bin seitdem großer Fan. Damals gab es nur zwei oder drei Singles und Aussagen wie "das ist die Band, über die in England am meisten gebloggt wird." Die Singles sind heute Gold wert, die beiden phänomenalen EPs, die irgendwann nach dem EOTR erschienen, kosten mehrere hundert Euro, wenn sie auf dem Markt auftauchen. Im Februar 2015 supporteten Wolf Alice alt-j, im Juni erschien das Debüt-Album My love is cool, das auf der Mercury Award Shortlist stand. Wegen dieser Nominierung musste eine erste eigene Deutschland-Tour verschoben werden. Auch die Nachholtour vom November fiel in den meisten deutschen Städten (und Luxemburg) aus, die Auftritte wurden noch einmal auf August und September geschoben. Köln fand als einziges Konzert statt, es wurde allerdings vom Luxor (November) auf den Club Bahnhof Ehrenfeld kleiner verlegt.

Da wächst gerade eine irre spannende Band schneller als die Booker buchen können, kassiert Nominierungen für NME- und Brit-Awards (und den Grammy) ein, in Deutschland interessiert das aber niemanden. Wann ist uns der gute Musikgeschmack eigentlich abhanden gekommen? Nach den frühen 80ern? Oder hundert Jahre früher?
Wir glaubten den Aufdrucken auf unseren Tickets und waren um acht da. Die Vorgruppe beendete gerade ihr vorletztes Lied. Wie gut, daß ich nach all den Konzertjahren immer noch nicht cool genug bin, um spät aufzutauchen, denn Wolf Alice begannen ihr Set um zehn vor neun. Der Saal war trotz der Runterverlegung nicht voll. Im April spielen Wolf Alice eine Headline-Tour in Großbritannien. Alleine in London tritt die Band an vier Abenden nacheinander im Forum auf, die beiden ersten sind ausverkauft. Dort hatte ich vor gut einem Jahr Slowdive gesehen, die das Forum (2.300 Plätze) an zwei Abenden nicht ganz ausverkauften.
Nach den ersten drei Liedern (Your loves whore, Freazy und Bros) hörte ich neben mir ein "nur Hits!" Vorher hätte ich nur Bros als Hit bezeichnet. Ich habe My love is cool im Gegensatz zu den EPs kaum gehört und war der Meinung, daß Wolf Alice zwar riesengroße Singles aber keine Alben könnten. Bros ist zwar auch auf der Debütplatte, es ist aber bereits 2013 auf einer der (mittlerweile sündhaft teuren) Singles erschienen. Die Einschätzung war Unsinn! Jedes Lied war des gut einstündigen Konzerts war großartig!

Die Melodien und die Songstrukturen sind schon toll, die Rhythmus-, Tempo- und Lautstärke-Wechsel. Aber das können ja viele Bands. Der echte Knüller ist die Live-Umsetzung. Wolf Alice sind ein Quartett, Gitarristin und Sängerin Ellie Rowsell, Gitarrist Joff Oddie, Bassist Theo Ellis (mit radikal kurzen Haaren) und Schlagzeuger Joel Amey. Von Joff sahen wir am Anfang - solange es noch ruhig war - nur den Kopf hinter dem linken Bühnenaufbau hervorgucken. Der Gitarrist stand meist in Kranhaus-Haltung. Aber irgendwann kommen dann immer die Stellen, an denen es laut und gitarrig wird. Erstaunlich, daß man mit zwei Gitarren solchen herrlichen Krach machen kann! Bei Lisbon zum Beispiel! Wow! Das Lied fängt so harmlos an mit Ellies leichtem Gesang und knallt dann irgendwann einen irren Lärm raus.

Wolf Alice spielten Songs des Albums, von beiden EPs und Singles. Es gab eine Phase, in der es etwas ruhiger wurde (Silk und The wonderwhy), ab Storms waren da aber wieder mehr Gitarren als bei Keith Top Of The Pops & His Minor UK Indie Celebrity All-Star Backing Band und da stehen manchmal bis zu 20 (oder so) Gitarristen auf der Bühne.
Meine Angst, maßlos mit meiner Liebe zu Wolf Alice übertrieben zu haben, war vollkommen unbegründet. Natürlich sind Savages eine phänomenale Liveband, Wolf Alice stehen ihnen aber in nichts nach. Und den Grammy in der Kategorie, die die wichtigte im Bereich Rock ist? Hochverdient! Die Konkurrenten sind die Foo Fighters, Florence, Alabama Shakes und Elle King. Vorsorglich schon mal, falls Wolf Alice nicht gewinnen: "%*2$/", Grammys!"
Setlist Wolf Alice, Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln:
01: Your loves whore
02: Freazy
03: Bros
04: Lisbon
05: 90 mile beach
06: Silk
07: The wonderwhy
08: Storms
09: You're a germ
10: Swallowtail
11: Fluffy
12: She
13: Moaning Lisa smile
14: Turn to dust (Z)
15: Blush (Z)
16: Giant peach (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13
um
14:20
Konzert: Wolf Alice (als Support von alt-j)
Ort: Stadthalle Offenbach
Datum: 07.02.2015
Dauer: gut 30 min
Zuschauer: ca. 4.000 (ausverkauft)
Ich bin schon häufig wegen der Vorgruppe zu einem Konzert gefahren, selten allerdings in ausverkaufte 4.000er Hallen. alt-j sind vermutlich zur Zeit europaweit die größte Indieband (unterhalb der sporthallenfüllenden Radiohead). Viele der Konzerte der aktuellen Tour sind ausverkauft, zum Tourauftakt in London spielte die Band vor 20.000 Zuschauern. Mich hätte nichts dazu gebracht, mir alt-j noch einmal anzusehen, vor allem nicht im Palladium in Köln oder in der Stadthalle in Offenbach. Ich verstehe alt-j, die Musik der Band und folglich den Hype um sie nicht. Vermutlich bin ich musikalisch viel zu einfach gestrickt. Es ist aber nicht so, daß ich die Band schrecklich fände, einige Lieder gefallen mir gut. Daß alt-j eigen und damit einzigartig sind, verstehe ich auch. Das war's.

Meine Verweigerung hat auch nichts mit diesesem albernen Indie-Reflex zu tun, Bands nicht mehr zu mögen, sobald sie größer und bekannter werden, von dem ich mich glücklicherweise meistens freisprechen kann. Ich habe alt-j zwar erstmals als Support von Big Deal vor 39 Leuten gesehen - mit einem 18-minütigen Programm. Aber auch schon da fand ich den Auftritt ok, besonders aber nicht so faszinierend, daß ich mir vorstellen konnte, dies auf Platten- oder Konzertdauer genießen zu können. Im E-Werk in Köln ging es mir genauso, als alt-j auf Headline-Tour in Deutschland waren. Nicht meine Tee-Tasse.

Ich musste aber trotzdem in die Offenbacher Stadthalle mit ihrem Turnhallen-Charme. Denn als eine der beiden Vorgruppen wurde vor wenigen Wochen Wolf Alice aus London angekündigt. Seit ich die Engländer 2013 beim End Of The Road Festival kennengelernt habe, bin ich hin und weg von der Band. Auch wenn es noch kein Album gibt, bin ich damit nich alleine, 2013 war Wolf Alice die britische Band, über die am meisten gebloggt wurde. Die Hype Machine hatte dies herausgefunden. Über Newcomer-Bands werde eben viel gebloggt, sagte Bassist Theo vorher in einem Interview. Und sie seien jetzt ja schon seit Jahren Newcomer.
Vor Wolf Alice begann allerdings eine weitere Supportband, Gengahr (London). Gengahr waren so eine Eigentlich-Band. Eigentlich fand ich die nämlich ganz gut. Die Melodien gefielen mir ausgezeichnet, der Gesang allerdings gar nicht. Wer auch immer jungen Musikern einredet, nur mit Kopfstimme werde man richtig erfolgreich, gehört zum Fernsehen oder in die bildende Kunst weggelobt. Der Gengahr-Sänger gefiel mir immer gut, wenn er mit seiner normalen Stimme sang, das tat er aber kaum.
Aber jetzt zu meiner Hauptgruppe.
Wolf Alice sind eine dieser Gruppen, deren Musik ich nicht so richtig fassen kann. Es geht aber nicht nur mir so. Liest man Porträts der Band, kommt da von Grunge über Folk alles vor. Wolf Alice bezeichnen sich selbst als "rocky pop." Im Juni erscheint nach einer Reihe von EPs und Singles endlich das Debütalbum. "Wann hast Du uns gesehen? 2013? Dann wirst Du nicht alle Lieder kennen, die wir spielen" - klang verlockend! Ich liebe die bisherigen Veröffentlichungen, es ist aber natürlich spannend, auch neue Sachen zu hören.

Die vier Londoner begannen ihren Auftritt um 20.15 h vor schon sehr voller Halle. Wolf Alice sind Gitarristin und Sängerin Ellie, Gitarrist Joff, Bassist Theo und Schlagzeuger Joel. Sie begannen ihr Set mit Moaning Lisa smile, der Single von der aktuellen EP Creature songs (2014). Wir standen ziemlich weit am Rand - schon um fünf standen Leute vor der Halle - die Mitte des häßlichen Saals war also schnell voll - die Stimmung schien aber im Innenraum gleich vom Start weg sehr gut zu sein. Obwohl Wolf Alice musikalisch nicht perfekt zu alt-j passen, kam die zweite Supportband offenbar beim aufgeschlossenen Publikum sehr gut an. Bei mir eh - das Konzert war hervorragend!
Daß Wolf Alice musikalisch nicht zu alt-j passen, stimmt zwar, sie passen aber dann doch, weil ja auch die Hauptgruppe stilistisch so wenig zu greifen bzw. in Genreschubladen zu packen ist.
Danach kam eines der drei unveröffentlichten Stücke des kurzen Konzerts. Your love's whore ist allerdings schon älter, Wolf Alice hatten es bereits bei meinem ersten Konzert gespielt, genau wie das herrlich punkige You're a germ ("1-2-3-4-5"), in dem Schlagzeuger Joel in einer Art Echo mitsingt. Hoffentlich werden die beiden Stücke auf der Platte oder sonstwo veröffentlicht! Das dritte unveröffentlichte Lied kannte ich nicht. Giant peach heißt es, erfuhr ich hinterher. Giant peach ist deutlich rockiger als der Rest. Also rocky rock statt pop.
Der Rest des Programms waren die Knüller der EPs und Singles. In meiner Mitschrift steht da an jeder Stelle "Hit". Hit wie Blush (der größte!) oder Bros oder Fluffy.
Wenn eines nicht toll war, war das die kurze Auftrittszeit. Die Ansetzung (Wolf Alice 20:15 h, alt-j 21:30 h), die vorher veröffentlicht wurde, verhieß zehn bis fünfzehn Minuten mehr. Aber glücklicherweise spielen Wolf Alice auch im Sommer überall da, wo auch alt-j gebucht sind. Also sehen wir uns beim Best Kept Secret Festival wieder.
Wenn man sich so übertrieben auf eine Band live freut, kann das ja auch gehörig schief gehen. Tat es nicht, tat es so was von gar nicht! So wie sich der Abend für 3.999 Leute wegen alt-j gelohnt hatte, hatte er es für mich wegen Wolf Alice! Wundervoll!
Setlist Wolf Alice, Stadthalle Offenbach:
01: Moaning Lisa smile
02: Your love's whore
03: Storms
04: Ninety mile beach
05: You're a germ
06: Blush
07: Giant peach
08: Bros
09: Fluffy
Links:
- aus unserem Archiv:
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13
- alt-J, Paris, 24.02.13
- alt-J, Köln, 22.02.13
- alt-J, Paris, 20.07.12
- alt-J, Köln, 04.03.12
(alt-j gefielen mir am Anfang recht gut. Die zwei Hits am Anfang waren mitreißend. Allerdings verliere ich bei der Band grundsätzlich nach einigen Minuten den Spaß und jegliche Aufmerksamkeit. Die 75 min Konzert plätscherten mal spannender, mal langweiliger vor mir her. Aber ganz offenbar liegt das an mir und nicht an alt-j, denn der Saal tobte, schmetterte mit und filmte die Handys voll. Es war also ein tolles Konzert, denke ich.)
um
17:32
Konzert: Wolf Alice
Ort: Larmer Tree Gardens (End Of The Road Festival), England
Datum: 30.08.2013
Dauer: 35 min
Vom End Of The Road Festival hatte ich seit Jahren nur Gutes gehört. Da das Festival aber irgendwo mitten in England und von allen Flughäfen schwer erreichbar zu sein schien, blieb es bei Bewunderung aus der Ferne.
Die Lage in der Mitte von Nichts war dann auch der Hauptgrund für unsere späte Anreise. Die ersten Bands, die wir unbedingt angucken wollten, hatten wir verpasst oder nur halb gesehen. Für Serafina Steer, die auf der Bühne zwischen Pfauen spielte, fehlte mir die Muße, sodaß Wolf Alice auf der Tipi Tent Bühne mein erstes richtiges Konzert des Wochenendes waren. Mir sagte die Band aus Nord London vorher nichts - das war allerdings nur halbpeinlich, da Wolf Alice erst drei Singles veröffentlicht hatten (Leaving you, Bros und Fluffy) - ihre Debüt EP Blush erschien im Oktober.
Die Band besteht aus Sängerin Ellie Rowsell, Joff Odie, Theo Ellis und Joel Amey. Zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass. Eigentlich nicht weiter aufregend. Aber der kurze Auftritt der jungen Briten überzeugte mich restlos! Mal, wie bei She klingen die Gitarren nach The xx, Fluffy erinnert nicht nur englische Muiskjournalisten an Elastica und Blush schließlich ist einer der tollsten Pop-Songs, die ich 2013 gehört habe.
Im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten des Wochenendes war das Tipi-Tent (das keines ist, aber an eines angrenzt) nicht vollkommen überfüllt. Ich bin sicher, daß sich das ändert. Irgendwo habe ich vor ein paar Wochen gelesen, Wolf Alice sei eine der meist-bebloggten (oder sogar die meist-beschriebene) Band Englands. Keine Ahnung, ob das stimmen mag. Aber Wolf Alice sind eine der spannendsten Gruppen, die ich dieses Jahr kennengelernt habe. Und bei aller nötigen Bescheidenheit: das heißt schon etwas.
Guter Vorsatz für 2014: Wolf Alice wiedersehen!
Setlist Wolf Alice, End Of The Road Festival:
01: Baby
02: Lighters
03: Your love's whore
04: Leaving you
05: Bros
06: You're a germ
07: April 29th
08: Blush
09: She
10: Fluffy