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um
14:37
Konzert: Svavar Knútur
Ort: Landnámssýningin in Reykjavík (Iceland Airwaves)
Datum: 3. November 2016
Dauer: 45 min
Zuschauer: 70
Die tollen Fotos sind von Claudia - vielen Dank!
Tag zwei in Reykjavík hatte ja mittags schon wirklich toll begonnen. Anschließend machten wir Pause und Pläne und Foto-Sortierung und was alles sein muss, damit man in der Fülle der Eindrücke nicht untergeht. Für das Abendprogramm hatten wir uns Svavar Knútur als Startpaket ausgewählt, der zur Teatime im Landnámssýningin angekündigt war. Man kann den Namen anfangen zu lesen und kommt darauf, dass es was mit der Erstbesiedlung von Island zu tun haben könnte. Tatsächlich erwies es sich als Museum mit einem großen (etwas gegliederten) Raum, in dem nachvollzogen wurde, wie die ersten nachweisbaren Siedler Island zu ihrer Heimat machten. Angenehm war, dass es - wie in einem schönen Museum nicht unüblich - eine Garderobe und ordentliche Toiletten gab und alles ruhig, kompetent und freundlich zuging. Kein warten und kein schubsen. Ein prima Anfang für einen langen Tag!

Was wir uns von dem Konzert erwartet hatten, erfüllte sich alles auf das Schönste: Es wurde viel Blödsinn geredet, fleißig mitgesungen und die Erinnerung brachten uns auch auf dem nächtlichen Heimweg noch zum loslachen. Svavar begann damit, sich zu entschuldigen, dass er nicht ganz pünktlich sei (was fast nicht stimmte, denn es ging nur um 2 Minuten), weil sein kleiner Sohn eine Lungenentzündung hat und die Kinderbetreuung... Das war eine gute Überleitung dazu, dass er das erste Lied seiner Tochter widmete: Soundtrack. Unser Konzert war Teil eines Straußes von Svavar-Knútur-Konzerten während des Festivals - alle an Off-Venues, weil er ein Airwaves Outlaw sei. Nachdem er sich einige Jahre darüber geärgert hätte, derartig übergangen zu werden, fände er es mittlerweile viel netter vor aufmerksamem Publikum zu spielen als durch betrunkene Idioten gestört zu werden. Da hatten wir ihn, unseren schwarzhumorigen Isländer... Um zu zeigen, dass wir wirklich ein ganz liebes Publikum sind, sangen wir anschließend bei Humble hymn auch ganz innig mit. Dabei gab es die erste Show-Einlage beim Vorsagen des Textes durch den Künstler: Svavar als Evangelikaler Prediger oder auch kurz - Svavar der Kinderschreck...

Singen hält bekanntlich gesund und so ist er wohl in Wirklichkeit nicht einfach irgendein zwischen alle Stühle rutschender Indie-Pop-Singer-Songwriter, sondern ein Public Health Troubadur! Für das nächste Lied Clementine packte er zum ersten Mal seine brandneue Ukulele aus. Mein musikalischer Höhepunkt folgte mit dem Song Curtain. Fast schon hatte er mich überzeugt, er würde sich in dem kurzen Slot doch auf die Musik konzentrieren, als er für den Wanderlust-Song ganz, ganz weit ausholte. Alle möglichen Nationalhymnen neu interpretierte, den Ehrentitel Schrödingers Troubadur aus dem Publikum verliehen bekam und uns versuchte zu überzeugen, dass wenn man Wale versteht, man weiß, dass sie ganz üble Gesellen sind. Was die Geschichte mit dem wirklich schönen Lied Wanderlust zu tun hat (den wir natürlich auch schön mitgesungen haben), habe ich freilich nicht verstanden... Als ich schon befürchtete, jetzt sei wahrscheinlich Schluß (die halbe Stunde war schon ziemlich übererfüllt), gab es noch eines der Ohrwurm-Lieder (inkl. Geschichte) mit Girl from Vancouver. Da Savavar-Knútur-Konzerte immer Lust auf mehr machen, befragten wir ihn anschließend noch nach Konzertterminen in Deutschland und ich kann hiermit die frohe Kunde verbreiten, dass es eine vorweihnachtliche Tour durch einige Stationen in Deutschland und der Schweiz geben wird!

Setlist:
1: Soundtracks
2: Humble hymn
3: Clementine
4: Curtain
5: Wanderlust
6: Girl from Vancouver
Tourdaten:
01.12. Grüner Salon Berlin
02.12. Warenwirtschaft Hamburg
04.12. Krone Alt-Hoheneck Ludwigsburg
05.12. Trachtenvogel München
07.12. Gemeinschafthaus Köniz
08.12. Piccolo Giardino Zürich
09.12. Horns Erben Leipzig
10.12. Schauburg Dresden
Aus unserem Archiv:
Svavar Knútur, Karlsruhe, 15.09.16
Svavar Knútur, Leipzig, 09.10.13
Alle Konzertberichte vom Iceland Airwaves
um
11:47
Konzert mit Svavar Knútur & The Anatomy of Frank
Karlsruhe Waldstadt
Datum: 15. September 2016
Dauer: 40 min + 60 min
Zuschauer: 11
Als der US-Amerikaner Kyle Woolard anfragte, ob wir ihn als The anatomy of Frank gemeinsam mit dem Isländer Svavar Knútur in unserem Wohnzimmer aufnehmen würden, gab es keinen Moment des Nachdenkens. Seit ich 2013 den isländischen Ausnahmemusiker in Leipzig erlebt habe, hätte ich ihn längst schon gern wieder gesehen, aber wir sind immer irgendwie unglücklich umeinander herumgetourt. Nun würde Kyle ihn also "im Schlepptau" mitbringen. Wie schön! Es war klar, dass auch der Teil des Abends mit Kyle ein Knaller werden würde, weil man seinem jungenhaften Charme einfach erliegen muss. Seine Lieder über Nord- und Südamerika, seine Zaubertricks und die Geschichten dazu haben schon ganz andere Säle handzahm gemacht! Und er bekommt noch jede und jeden zum mitsingen...
Setlist:
01: Blurry
02: Diagonal/North America
03: Minnesota (part i)
04: The Girl from Ipanema
05: Ecuador
06: La Llorona
07: Postude for Reykjavík
Tourdaten The anatomy of Frank
03.10. Wohnzimmerkonzert Neumünster
05.10. FahrradKinoKombinat Kiel
06.10. Feinkost Lampe Hannover
07.10. Zwiebelkirche Berlin
08.10. Kulturverein Weitblick Bugewitz
11.10. Franzis im Kulturzentrum Wetzlar
12.10. Café Galao Stuttgart
13.10. Wagnerhaus Göttingen
14.10. Nebbienisches Gartenhaus Frankfurt
17.10. Colos-Saal Aschaffenburg
19.10. BC-Studentenclub Ilmenau
20.10. Noch Besser Leben Leipzig
22.10. Haus der Kirche, Dreikönigskirche Dresden
23.10. Wohnzimmerkonzert Wien
24.10. Trachtenvogl München
27.10. Wohnzimmerkonzert Winterthur
28.10. Davidseck Basel
29.10. Pop In Paris

Leider hatte ich im Vorfeld einen entscheidenenden Fehler gemacht. Ich hätte mit beiden abstimmen sollen, wie lange jeder spielen wollte. So verließ Kyle erst kurz nach halb 10 die Bühne und als dann der isländische Bär Svavar Knútur nach einer extrem kurz gehaltenen Pause drankam, war es klar, dass wir ihm vielleicht 45 min Zeit einräumen konnten, ohne die Nachbarn allzu sehr gegen uns aufzubringen. In unseren Reihenhäusern aus den 50er Jahren geht es nur mit etwas Rücksichtnahme aufeinander.
Das war wirklich sehr schade, denn was er uns bot war die allerbeste herzergreifendst und lustigste Vorstellung, die man sich wünschen kann. Zunächst konzentrierte er sich auf die EP zu Weltschmerz, Waldeinsamkeit und Wanderlust, um als letztes noch einen Song seiner aktuellen Platte zum Besten zu geben. Wir durften ein bisschen mitsummen und -singen und uns wiegen lassen.
Leider nur war es mir noch lange nicht genug, als wir Schluss machen mussten.
Setlist:
01: Vetrarsól
02: Undir Birkitré
03: In stiller Nacht (Johannes Brahms)
04: Wanderlust
05: The curtain
06: Emotional Anorexic
07: Brot
Tourdaten im Duo:
16.09. Schnabulenz Münster
17.09. Kommode 1 Freiburg
18.09. Stamm Silva Jugendheim, Solingen
Aus unserem Archiv:
Svavar Knútur, Leipzig, 09.10.13
The Anatomy Of Frank, Esslingen, 23.04.16
The Anatomy Of Frank, Karlsruhe, 12.03.15
um
10:24
Konzert: Svavar Knutur
Ort: Hafenbar in Leipzig
Datum: 09.10.2013
Dauer: 140 min
Zuschauer: ca. 40-50

Gestern steppte der Bär in der Leipziger Hafenbar. Das ist auf verschiedenen Bedeutungsebenen wahr. Es war in dem Laden recht voll, es wurde gelacht, gesungen, geklatscht und sogar ein bisschen getanzt. Aber hauptsächlich imitierte Svavar Knutur in seiner Cole-Porter-Cover-Zugabe einen Stepptanz, der diesen Satz in meinem Kopf aufblitzen ließ.
Vorangegangen war ein Tipp, sich doch Svavar Knutur unbedingt live zu besehen und die Erkenntnis, dass das tatsächlich an einem meiner Arbeitstage in Leipzig passte - die Hafenbar sogar in einigermaßen fußläufiger Entfernung von meiner Unterkunft.
Leider waren aber die Angaben zum Beginn nicht ganz vertrauenswürdig gewesen. Laut Hafebar-Event sollte es 20:30 Uhr losgehen. Als ich 20:20 Uhr ankam, war das Konzert aber schon im Gange. Später fand ich heraus, dass es auch Ankündigungen mit 20 Uhr gegeben hatte. Aber eigentlich hatte ich den Eindruck (nach den Ansagen) gerade in das erste Lied gestolpert zu sein und so war es so einigermaßen ok.
Die Hafenbar ist L-förmig. Ein Schenkel des Raumes liegt einige Stufen höher und beherbergt die Bar an der inneren langen Seite. Tische waren einladend verteilt und bei meinem Eintreffen schon gut besetzt. Am Ausgang zum Garten standen einige, die keine Sitzplätze mehr gefunden hatten. Im Laufe des Abends füllte es sich auch noch im Bereich der Eingangstür mit stehenden Konzertbesuchern. Svavar stand auf einer Bühne in der Höhe des Barteiles an dem Ort, wo beide L-Schenkel zusammentreffen. Um sich an sein Publikum zu wenden, konnte er sich zwei Richtungen aussuchen. Die eine Richtung auf seiner Ebene, für die andere Seite des Raumes war er deutlich erhöht wie auf einer "richtigen" Bühne.

Seine wahrscheinlich erste Ansage setzte gleich den Ton für den Abend. Er würde uns sicher das eine oder andere Mal horrifyen, aber er vertraue auf das Stockholmsyndrom und wir als Opfer würden sicher am Ende Sympathie mit ihm empfinden. Er wolle keine Vorschusslorbeeren dafür, dass er aus dem gehypten Island kommt und nicht vorwiegend als Isländischer novelty eskimo wahrgenommen werden, sondern Leute sollten durch seine Musik für ihn eingenommen werden. Im Verlaufe des Abends wurde aber schnell klar, dass die Faszination des Abends nur zur Hälfte der gebotenen Musik entsprang. Die war zwar herzergreifend und zum Herz wiegen und lächeln. Aber die Geschichten zwischendurch, die Filme und Situationen imitierenden Phrasen, wo er zum Teil ganz schön die Sau raus ließ, das machte den Abend wirklich einzigartig in seiner Art. Persönlicher Höhepunkt für mich vielleicht, wie er bei The humble hymn (ich zitiere: God bless our mistakes) nachdem alle mitsangen, den Fernsehprediger gab. Göttlich!

Er machte sich ein bisschen lustig auf Kosten der deutschen rudeness, ist aber wohl doch in einer Art Hassliebe an die deutsche Kultur gebunden. Ausführlich wurde immer wieder die deutsche Sprache aufgenommen und gewendet. Dass doch Gemeinschaft ein gemeines Wort sei und wir die einzigen sind, die so etwas wie Schadenfreude so benennen. Andererseits sang er Johannes Brahms In stiller Nacht in Deutsch in vielen Strophen. Und Oh wie schön ist Panama bekam auch einen eigenen Song Tiger and Bear. Nach seiner Tourerfahrung seien ohnehin die Englischen Touristen am schlimmsten, weil sie sich überall wo man ihnen auf der Welt begegnet nur sinnlos betrinken und dann sein Bett vollkotzen. Die Lieder des Abends umfassten u.a.

Don't be afraid
Girl from Vancouver
There must be an angel (Eurythmics cover)
Impossible
I want to hold you while the Earth burns
The glorious catastrophy
Letzteres wurde eingeleitet durch ein filmreifes Skript über den Weltuntergang (als Alternative zum Film Armageddon), mit viel Blut und massenweise theatralisch und qualvoll sterbenden Menschen und schwerelos im Raumschiff treibenden Ejakulatskugeln als Endeinstellung.
Mir gefielen auch sehr die isländischen Lieder, wenngleich ich vom Text nichts verstehe. Immer wieder wurde dabei auch thematisiert, dass Isländer dressiert höflich sind. Er nannte das passive aggressiv - being angry is as forbidden as shitting in your pants.
Immer wieder mal musste er das während des Konzertes bei schwatzenden Zuschauern vorführen, wie er sie höflich aber doch aggressiv zur Ruhe bringt. Höhepunkt zu diesem Thema war aber die fast szenische Vorstellung seiner Hassphantasien, die er in einem Zug der Deutschen Bahn durchlitt. Hier wurden Köpfe abtrennt und das Blut floss in Strömen. Der Trommelruf der Vorfahren, die Odin lebendige Opfergaben darbrachten voll präsent.
Das Finale des Abends in der Hafenbar bildeten ein deftiges Lieder über Durchfall auf Reisen und schließlich Lets get fucked up in Leipzig (das zum großen Teil vom Samstag davor in Hamburg handelte), in das Cover-Versionen eingeflochten waren, die mit Folk nichts zu tun haben, die sich nach der Story des Liedes die betrunkene Hamburger auf der Straße von ihm gewünscht hatten mitten in der Nacht auf dem Heimweg vom Konzert. Einfach beeindruckend und natürlich köstlich!
Als 23 Uhr alles vorbei war, war ich doch etwas erschöpft, aber auch angesteckt vom Knutur-Virus. Diesen Steppbären sollte man wirklich nicht ungeprüft vorbeiziehen lassen.