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Mittwoch, 28. Februar 2018

Alela Diane, Paris, 01.02.18

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Konzert: Alela Diane
Ort: Le Silencio, Paris
Datum: 01.02.2018
Zuschauer: etwa 80
Fotos: stammen von Laurence Buisson, merci beaucoup Laurence


Die Nachfrage nach dem neuen Album der Folkeuse Alela Diane sei immens, freute sich eine junge Mitarbeiterin des französischen Labels der Sängerin. Im Moment gäbe es einfach wenige gute Veröffentlichungen auf dem Folksektor, da geniesse Alela fast die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Journalisten so ihre Schlussfolgerung.



Ob das so genau stimmt, lasse ich hier mal offen. Ich selbst bin auch in den letzten Jahren bei Singer-Songwriterinnen immer auf Interessantes gestossen, aber Alela Diane ist zumindest in Frankreich seit 2007 eine der Grossen in dieser Musiksparte, auch wenn Ihr letztes, zusammen mit Ryan Francesconi im Jahre 2015 veröffentlichtes Album, nicht auf allgemeine Gegenliebe stiess. Manche Altfans beschwerten sich über die wenig eingängigen, etwas sperrigen Titel, ich selbst war von dem Werk angetan.



Mit dem demnächst erscheinenden Cusp*, auf dem es thematisch oft um die Mutterschaft der Musikerin geht, kehrt Alela Diane aber wieder stärker zum Songformat zurück, die live präsentierten Stücke frassen sich jedenfalls schnell in die Gehirngänge.



Mit neuem Material begann Diane auch im noblen Pariser Nightclub von David Lynch, Le Silencio, ihre rund 45 minütige Show. Die Amerikanerin war seit dem 22. Januar in Europa gewesen, hatte an jenem Tag im Institut du Monde Arabe in Paris gespielt, am 23. eine live aufgenommene Session der Zeitschrift Gala absolviert, bevor sie Paris vorerst verliess, um in Glasgow, Amsterdam und London ihre neuen Stücke zu testen.





Diane eröffnete im Silencio am Piano, während ihre musikalische Begleiterin Heather Woods Broderick mit verschiedenen Synthies hantierte. Das war natürlich kein Elektro Pop, sondern nur der Einsatz moderner Methoden, um sphärische, verhuschte Klänge zu erzeugen, die nach wie vor organischer Natur waren.







Albatros hiess das erste Stück und war entsprechend luftig, bevor es mit dem wundervoll sentimentalen Never Easy weiterging, bei dem Alela und Heather die Plätze tauschten. Heather also nun  am Piano. Wenn ich den Text richtig verstanden habe, ging es um die Beziehung zu ihrer Mutter, die in der Vergangenheit nicht immer einfach war: "I didn't know how much you loved me, I didn't know until I had my own little daughter", sang Diane voller Hingabe und es klang so als hätte sie Frieden mit ihrer Mum geschlossen.



Colorado Blues, welches im Anschluss kam, behandelte die  Trennung von Exmann Tom in einem äusserst melancholischen Song.





Age Old Blue stammte dann von zweitem Album. Sie selbst sagte dazu: "It's about my great grandfather, a man who fought in Dunkerque. He was one of those men, rescued by some little bots". Gesänge fast wie ein Echo, eine feine Melodie, Age Old Blue ist bereits jetzt ein Klassiker im Repertoire der Chanteuse und gehört auch quasi immer zur Setlist.



Ether & Wood war erneut eine wundervolle Pianoballade, die sich inhaltlich in ihrem alten amerikanischen Holzhaus abspielt "Es ist von 1870, für Amerika alt, für Frankreich überhaupt nicht", wie sie schmunzelnd erklärte. In einem Musikmagazin hatte sie folgendes dazu erzählt:



“Ether & Wood” is a reflection on the different lives that are lived within a lifetime. The doors along the way that often open and close without notice. I live in a very old house, and love thinking about all the people who lived and died within these walls. We’re all in there: the former selves, the lost loves and the mysterious ones who came before."

Höhepunkt des Sets dann sicherlich Emigré. Ein Stück, das sich mit  dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer beschäftigte und insbesondere mit dem kleinen syrischen Jungen Milan Kurdi, der tot an die türkische Küste gespült wurde. Eine dichte Atmosphäre, wundervolle Chöre von Heather und ein nahegehender Text, dieses Lied bot wirklich alles und war ein Beispiel dafür dass man auch mal auf Texte und nicht nur die schöne Stimme von Alela hören sollte.

Wundervoll auch der Song For Sandy, eine Verneigung vor der grossen britischen Songwriterin Sandy Denny die 1978 im Alter von nur 31 Jahren tragisch zu Tode gekommen war. Sie starb an den Folgen eines Treppensturzes auf ihren Hinterkopf und noch heute stellen sich viele Fragen, wie das Ganze passieren konnte. Alela bezog die Thematik auf sich, da Denny ebenfalls eine junge Mutter zum Zeitpunkt ihres Todes war.

Mit dem Wild Ceaseless Song wurde dann perfekt abgeschlossen und hinterher stand Alela Diane auch noch für einen Plausch mit Fans zur Verfügung.



Setlist


1. Albatros 
2. Never Easy 
3. Colorado Blue 
4. Moves Us Blind 
5. Dry Grass & Shadows 
6. Age Old Blue 
7. Ether & Wood (altes Haus von, 18.. ashes ashes
8. Nothing I Can Do 
9. Buoyant 
10. Émigré 
11. Song For Sandy 
12. Wild Ceaseless Song

Deutsche Tourdaten:

16. April: Hauskonzerte, München
17. April: Brotfabrik, Frankfurt
18. April: Heimathafen, Neukölln
19. April: Elbphilharmonie, Hamburg

* inzwischen ist es erschienen



Sonntag, 7. Juli 2013

Tift Merritt, Paris, 03.07.13

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Konzert: Tift Merritt
Ort: Le Silencio
Datum: 03.07.2013
Zuschauer:etwa 40-50
Konzertdauer: 45 Minuten


Silencio hat ja der Wortbedeutung nach etwas mit Ruhe zu tun, aber an jenem 3. Juli in der Pariser Edeldisco von David Lynch war der Name leider nicht Programm. Versnobte Yuppies spielten sich im Nachbarraum zu Alleinunterhaltern auf, gaben mit ihrem Geld und ihren Statusymbolen an wie in der alten TV-Werbung ("Mein Haus, mein Auto, meine Frau (mein Boot?)") und nervten damit über alle Maßen. Schlimm.

Derweil passten etwa 40 Mitbürgerinnen und Mitbürger im eigentlichen Konzertsaal gut auf und verhielten sich vorbildlich. Ich saß natürlich bei den Guten und versuchte mich so gut wie möglich auf den Solovortag der amerikanischen Countrysängerin Tift Merritt zu konzentieren. Die zierliche Dame hat zwar eine bisweilen kraftvolle Stimme, aber gegen das laute Geplappere des Gesindels aus dem Nebenraum kam sie manchmal nur schwerlich an. Zudem musste sie in einer Phase ganz unplugged spielen, weil ihr Kabel defekt war.


Dennoch genoss ich das Konzert. In meinem Meditationskurs habe ich gelernt, alles Störende aus dem Umfeld auszublenden und mich nur auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das waren der Gesang und die Texte der Tift Merritt. Fast vierzig Jahre hat die sexy Country Lady jetzt auf dem Buckel, etliche gute Alben hat sie veröffentlicht, aber der große Mainstream Erfolg blieb bisher aus. Da fragt man sich schon manchmal, ob man (bzw. Frau) aussehen muss wie Dolly Parton, um als Songwriterin wahrgenommen zu werden. Und besser als eine Taylor Swift ist Tift Merritt ja ohnenhin, das müssen wir nicht diskutieren.

Das Songmaterial von Tift war jedenfalls vorzüglich. Sie spielte herzerwärmende Akustikstücke wie Still Not Home ("regular life don't suit me at all, yeah I gonna get going, I'm still not home"), Travelling Alone, aber auch ein gelungenes Tom Waits Cover (Train Song) und einen Titel, den sie zusammen mit der klassischen Pianistin Simone Dinnerstein aufgenommen hatte. 



Für mich da schönste Stück des Abends, das auf den Namen Colors hörte. Ganz feines Gitarrenspiel unterlegte die wundervolle Stimme von Tift Merritt. "What will i know tomorrow, that I don't know today?", fragte die Chanteuse textlich und kniete sich wie auch bei allen anderen Songs mit dem ganzen Körper rein. Bei ihr ist der Vortrag nie ein stoisches an der Gitarre zupfen, sondern eine rhythmische Bewegung, bei der die Knie immer schön gebeugt werden.

In den Pausen zwischen den Stücken erfreute sie die Zuschauer auch mit ihren guten Französichkenntsnissen (sie hatte einmal eine Weile in Paris gelebt), den Kommentaren zu dem Blues-Musiker Robert Johnson und ihren spaßigen Anmerkungen zu ihren Landsleuten in North Carolina. Zwar lebe sie in New York, aber die Wurzeln könne sie nie verleugnen, ließ sie wissen.

Das recht kurze Konzert (etwa 45 Minuten) wurde mit einem Highlight als Zugabe beendet. Feeling Of Beauty klang so herrlich dezent und filigran, so zart und zurückgenommen, daß es eine helle Freude war. Zufälligerweise war es zu diesem Zeitpunkt auch im Nebenraum ungewöhnlich leise, so daß meiner Gänsehaut wirklich nichts mehr im Wege stand.


Großartig, diese Tift Merritt, von dem Silencio (in dem Fotografieren streng verboten ist) kann man das leider nicht so sagen.



Freitag, 20. Juli 2012

Jesca Hoop, Paris, 18.07.12

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Konzert: Jesca Hoop

Ort: Le Silencio
Datum: 18.07.2012
Zuschauer: vielleicht 80 oder so
Konzertdauer: eine Stunde


Die härteste Tür von Paris, ich habe sie überwunden! (ich klopfe mir gerade selbst auf die Schulter)


Tja, in den sehr stylischen Club Le Silencio von Filmemacher David Lynch kommt halt eben nicht jeder rein! Da muss man entweder Clubmitglied sein (angeblich gegen Zahlung von jährlich 1.500 Euro möglich), oder auf der Gästeliste stehen. Bei mir war die zweite Alternative gegeben. Die gute M. aus Paris hatte mich freundlicherweise eingeladen, weil sie weiß, daß es für mich nicht in erster Linie darum ging, Zugang zu einem exklusiven Angeber-Laden zu bekommen, sondern mir die amerikanische Musikerin Jesca Hoop anzusehen.

Natürlich habe ich es mir trotzdem nicht nehmen lassen, das Silencio ein wenig zu inspizieren. Wie immer in solchen Etablissements gab es auf oberwichtig tuende Türsteher mit Listen in der Hand ("arbeiten sie für femme actuelle? nein? für wen dann?") und drinnen angekommen erwarteten einen puristische Strukturen, schlicht- elegante Treppen, die wie in einem Labyrinth nach unten führten, ein paar schwarz-weiß Fotos an den Wänden und im Keller schließlich eine weitere Kontrolle der Identität, diesmal durch ein junge Empfangsdame. Als ich auch diese Prüfung erfolgreich bestanden hatte, gelangte ich endlich in die eigentlichen Räume- und davon gab es mehrere. Einer hatte die gewölbte Form eines Tunnels, war mit sargförmigen kleinen Tischen und beigefarbenen Sesseln dekoriert und diente als Lese- und Flirtzimmer. An den Seiten lagen von stilvollen Nachttischlampen erleuchtete Designzeitschriften und feine Bildbände aus, die aber von niemandem konsultiert wurden. Über einen kurzen Flur gelangte man von dort an die Bar, die funktionell, hochmodern und elegant war und nur ein paar Schritte weiter befand sich der eigentliche Konzertssal. Der Clou an der Sache war das Schatzkammerdesign aller Räume. Reliefartig herausgearbeitete Goldbarren aus Holz dekorierten die Wande und gaben dem Ganzen eine noble, äußerst edle Note. Hier waren renommierte Designer und Innenarchitekten am Werke gewesen, soviel schien klar. Trotzdem ließ mich der kühle Luxus des Clubs weitestgehend indifferent. Ein abgeranzter Laden mit gammeligen Sofas und funzeligem Licht wäre mir mindestens genauso lieb gewesen, aus Realität gewordenen Designerträumen mache ich mir eben nicht viel.

Reden wir also nicht mehr von diesem ganzen elenden Bling-Bling, sondern vom Konzert, das schom im Gange war, als ich eintraf. Meine U-Bahn Linie war überraschend gesperrt worden und so musste ich wohl oder übel ein Taxi nehmen und geriet an den langsamsten und unfähigsten Taxifahrer der ganzen Stadt. Das Silencio kannte er nicht und ich musste ihm den Weg zeigen. So kam es zu dieser ärgerlichen Verspätung.

Das erste Lied, das ich von Jesca Hoop und ihrer dreiköpfigen Begleitband zu hören bekam, war allerdings so schlecht, daß ich mich fragte, ob ich hier richtig war. Hospital (Win Your Love) hatte einen übel käsigen Bubblegumrefrain und erinnerte bestenfalls an Cyndi Lauper, nicht aber an gute Folkmusik, die ich mir erhofft hatte. Zum Glück wurde es danach wesentlich besser (wenngleich nicht wirklich folkiger) und Hospital sollte der einzige Rohkrepierer bleiben. Born To, was folgte, war richtiggehnd catchy und auch nicht so poppig wie in der Studioversion, sondern etwas erdiger und ungekünstelter.





Der Titelrack de Album The House That Jack Built folgte und kam butterweich und einschmeichelnd rüber. Jesca schaffte es, abwechselnd brüchig und fragil zu intonieren, dann aber auch mit sehr fester und lauter Stimme nachzulegen, um schließlich höchste Töne anzustimmen. Ein wundervoller Titel, perfekt gesungen.

Mit Dig This Record wurden düstere Seiten aufgezogen und eindrucksvoll belegt, daß ihr Oeuvre sehr abwechslungsreich und kontrovers ist. Der Song erinnerte mich an langsame Gruselnummern der frühen PJ Harvey. When I'm Asleep im Anschluß übermittelte ein gothisches Feeling, verfügte aber auch über eine psychelische Hippie-Note.

Wir näherten uns dem Ende des Konzertes, durften aber noch ein wenig an dem herrlich süffigen Sound nippen und uns von Piecemaker becircen lassen. Ein Song, den Bat For Lashes so ähnlich hätte schreiben können mit seinem mysteriösen, feenhaften und tribalischen Touch und den stimmlichen Kapriolen.

Krönender Abschluß dann mit Deeper Devastation, wobei krönend sich nicht auf die Perfektion des Vortrages bezog, sondern die menschliche Wärme, die davon ausging, daß Jesca darüber schmunzelte, das Lied insgesamt dreimal neu anstimmen zu müssen. Sie hatte sich jeweils an der gleichen Stelle verspielt, aber das änderte rein gar nichts daran, daß das Konzert insgesamt sehr schön und gelungen war. Hinterher habe ich mir das Studioalbum zu Hause angehört und war ziemlich enttäuscht. Ich finde es zu aufgeplustert, mit Chören zugekleistert und zu satt produziert. An den Charme der abgespeckteren Liveversion, die wir im Silencio genießen durften, kommt es jedenfalls nicht ran (man vergleiche die beiden Videos, die ich eingebunden habe, da sieht man sehr gut den Unterscheid).


- Fotos waren nicht erlaubt.



 

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