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Freitag, 20. September 2013

Woog Riots, Darmstadt, 19.09.13

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Konzert: Woog Riots
Ort: Künstlerkeller, Darmstadt
Datum: 19.09.2013
Dauer: 70 min
Zuschauer: nicht zu erkennen - vielleicht 60



"Das nächste Lied ist ein Cover und stammt von der wunderbaren Band The Times. Das ist was für die Mods unter euch. Sind Mods im Raum?" - "Motz, was?" - ach, Konzerte in Hessen können großartig sein! Vor ein paar Jahren wurde ich mit meiner Frage nach dem Beginn bei einem Konzert in Frankfurt mal an den Kollegen verwiesen und wusste nicht, ob ich den Micha oder den Mischer fragen sollte. Hessisch ist toll! Da ich einen Migrationshintergrund von da habe, kann ich das beurteilen (und belächeln). 

Woog Riots waren der Grund meiner Konzertreise nach Hessen. Das Duo stammt aus Darmstadt und sollte laut Ticket im Künstlerkeller unter dem Schloß einen Record-Release-Auftritt spielen. Ich hätte bisher zweimal Gelegenheit gehabt, Woog Riots zu sehen, habe aber beide verpasst. Als Support der wundervollen Indelicates in der Räucherkammer des Schlachthofs in Wiesbaden hatte ich nur einen Teil mitbekommen, beim Indietracks im Juli in Ripley aus Überschneidungsgründen gar nichts. Jetzt ärgere ich mich sehr.

Das Konzert im extrem dunklen Gewölbekeller (in Bärenhöhlen und Walfisch-Mägen ist es deutlich heller - allerdings weiß ich das nur vom Hörensagen) war nämlich schlicht und einfach hervorragend.

Woog Riots bestehen aus Silvana Battisti und Marc Herbert. Ihre Musik als Mischung aus Kraftwerk, den guten NDW Bands, Ladytron und Au Revoir Simone zu beschreiben, macht für mich zwar vollkommen Sinn, aber vielleicht nicht für jeden. Die Lieder, die alle von beiden gesungen werden, sind mit einem Hintergrundbeat, E-Gitarre (Marc) und Keyboard, singender Säge, Drumpad oder Stylophon (Silvana) instrumentiert. 

Das Konzert begann mit From lo-fi to disco!, dem Titeltrack der im Juli erschienenen vierten* Platte  der Band. Das Stück, nach dem sie auch ihr neues eigenes Plattenlabel benannt haben, ist enorm catchy und gefiel mir wegen des Gesangs im Dialogstil wahnsinnig gut. Und das Schöne an diesem Konzert war: es blieb so. Keines der gespielten Lieder war langweilig, im Gegenteil!

Weil es im Künstlerkeller wirklich stockdunkel war, war für mich nicht auszumachen, wie viele Zuschauer da waren. Ich schätze, daß es rund 60 waren, die sich im hinteren Teil des Raums, dessen anderes Ende als Bar genutzt wird, eingefunden hatten. Deutlicher war, daß das Konzert ein Heimspiel war. Häufiger entstanden Gespräche zwischen Band und Publikum. Silvana und Marc sagten zu fast allen Liedern, worum es in ihnen gehe, kündigten eine Darmstadt-Sektion (We are not Houston und Frankenstein tattoo) oder eine Skinhead-Phase an (Why are you a skinhead now? und das Camper van Beethoven Cover Take the skinheads bowling). Das war nicht nur wegen des schönen Kellers wunderbar familiär.

Aber ich war ja nicht wegen eines Kellers oder eines Familienanschlusses da, mir ging es um die Musik. Und die war großartig!

Schwer zu sagen, was mir am besten gefiel. Astronauts mit seinem Vaselines-Zitat am Anfang, sofern es eines ist, ist einer der großen Hits der Band. People working with computers, als Split-Single gemeinsam mit den tollen Schwervon! erschienen, gefiel mir sehr. We are not Houston oder das Stück über den Futurologen Alvin Toffler... es waren so viele.

Ganz besonders klasse wurde es am Ende. Das normale Set wurde vom Adam Green Cover Friends of mine beendet. Dabei spielte Silvana eine singende Säge. So weit, so gut. Silvana und Marc verliessen die Bühne und gingen Richtung Ausgang. Dabei nahm sie die Säge und er einen Ukulelenkasten, der vorher nicht zum Einsatz gekommen war, mit. Auf Höhe des Mischpults blieben sie stehen und stimmten die erste Zugabe Life electric von ihrer Platte Post bomb chronicles an - mit Säge und Ukulele. Wunderschön! "So, jetzt kommt das ganze noch mal elektrisch." Zurück auf die Bühne und noch einmal mit Beats, Gitarre und Mikros. Sehr sehr toll! Mrs pharmacist danach war mein Liebling des Abends. Boah, ist das ein hervorragender Popsong! Viel schlechter wurde es aber danach auch nicht mehr. Bei der vierten Zugabe Frank backwards kam eines meiner Lieblingsinstrumente zum Einsatz: das Stylophon. "If you love it, repeat it!" Boah, ist das ein hervorragender Popsong!

Danach kamen sie noch einmal zurück auf die Bühne und spielten Commercial suicide als Abschluß. Am Ende davon sangen Silvana und Marc den Refrain abwechselnd. Ach, es war fabelhaft und ich konnte gut nachvollziehen, warum alle vom Indietracks-Auftritt der beiden geschwärmt hatten. Weil bei diesem Festival so viele grandiose Bands gespielt haben (hier ein Link zu meinen Berichten) und ich mich zwangsläufig gegen einige entscheiden musste, habe ich mir vorgenommen, die verpassten möglichst schnell nachzuholen. Woog Riots geben mir vollkommen recht!


Setlist Woog Riots, Künstlerkeller, Darmstadt:

01: From lo-fi to disco!
02: People working with computers
03: Too funk to drug
04: Backstage lemonade
05: Why are you a skinhead now?
06: Take the skinheads bowling (Camper van Beethoven Cover)
07: Astronauts
08: We are not Houston
09: Frankenstein tattoo
10: Octopussy
11: My Andy Warhol poster (The Times Cover)
12: Alvin Toffler
13: Rhythm of (?)
14: Friends of mine (Adam Green Cover)

15: Life electric (akustisch) (Z)
16: Life electric (Z)
17: Mrs pharmacist (Z)
18: Frank backwards (Z)

19: Commercial suicide (Z)

* ich glaube, daß es das vierte Album ist

- mehr Fotos folgen!
 



Freitag, 1. März 2013

Die Heiterkeit, Darmstadt, 28.02.13

1 Kommentare

Konzert: Die Heiterkeit
Ort: Künstlerkeller, Darmstadt
Datum: 28.02.2013
Zuschauer: etwa 35
Dauer: 45 min



Es war ein langer, harter Winter aber seit heute scheint es wärmer zu werden. Seit 42 Jahren gab es keine so düsteren Monate wie die letzten. Höchste Zeit also für Optimismus, ein Konzert einer Band die Heiterkeit kam da wie gerufen.

Wenn man die Gruppe aus Hamburg nicht kennt, könnte man mir das abnehmen, wer die Heiterkeit einmal gehört oder gesehen hat, weiß aber, daß meine Einleitung großer Quatsch ist (es ist spät, ich bin einfallslos). Die Smileys auf den T-Shirts am Merchtisch neben der Kasse haben einen waagerechten Mund, Die Heiterkeit ist keine Party-Band-Heiterkeit.

Der Kellerclub unter dem Darmstädter Schloß war nicht einfach zu finden. Die Straßennamen des Ladens variierten im Internet zwischen Im Schloß 1 und Am Marktplatz 15. Leider wiesen auch keine wartenden Besuchermassen auf den richtigen Eingang hin, nur der Tour-Minibus, der vor der Tür stand, verriet den Club. Der Kneipen- / Konzertraum ist ein enger Gewölbekeller (eine umgedrehte Halfpipe für die Jüngeren), der mir serh gut gefiel. Weil der Raum recht lang ist und Bar und Bühne an entgegengesetzten Enden liegen, war auch mit einem einigermaßen ungestörten Konzert zu rechnen (Bands in Kneipen sind ja eigentlich prinzipiell zu meiden).

Ein paar Minuten später als angekündigt kamen Sängerin Stella Sommer, Bassistin Rabea Errati und Schlagzeugerin Stefanie Hochmuth auf die Bühne, vor der sich gut 30 Zuschauer versammelt hatten. Irgednwo auf der Suche nach der Clubadresse hatte ich eine Ankündigung gelesen, die von "vier Musikerinnen" sprach. Weil ich anderen immer eher als mir glaube, war ich gespannt, ob das wirklich stimme und eine weitere Frau zur Band gestoßen wäre. So recht vorstellen konnte ich es mir nicht, da das Debüt der Gruppe eigentlich nicht nahelegt, daß eine zweite Gitarristin oder ein Keyboard fehle.

Das Programm war nicht weiter überraschend, es entsprach weitestgehend der Setlist vom Mousonturm in Frankfurt im Dezember, meinem ersten Heiterkeit-Konzert. Stella, Rabea und Stefanie spielten mit einer Ausnahme Stücke des hervorragenden Albums Herz aus Gold, das ich sehr liebe und immer wieder gerne höre. Nur ein Stück (Lane?) kannte ich nicht, es war aber wohl das gleiche unbekannte, das sie in Frankfurt gespielt haben.

Warum mag ich die Band so? Und warum mag ich ihre Auftritte, die Miesepeter als holprig beschreiben könnten? Nun, da ist zunächst und vor allem Stellas wundervoll tiefe Stimme, mit der sie herrlich schleifend, fast gelangweilt "alles ist so neu und aufregend" singt. Die Stücke der Band wären ohne diesen Gesang auch toll, er macht sie aber besonders (und besonders aufregend - aber nicht im Sinne des eben zitierten Lieds).

Mir gefiel das Konzert noch eine Ecke besser als das erste, obwohl der Rahmen ein schlechterer war. Zum einen hatte Rabea arge Erkältungsprobleme. Sie sing regelmäßig zweite Stimme, sagte aber vor Für den nächstbesten Dandy, das es nicht mehr gehe. Beim letzten Lied hatte sie das vergessen oder wieder Stimme, sie sang da nämlich wieder mit.

Rabea ist - das ist jedenfalls mein bisheriger Eindruck - normalerweise auch für die Ansagen zuständig. Das machte sie deutlich, als sie am Anfang sehr charmant darauf hinwies, daß sie so Stimmen höre. Die Leute in der ersten Reihe, die gemeint waren, kapierten das, es war danach eine Weile leiser, wobei mich hier lautes Zuprosten und Reden viel weniger störte als sonst.

Nach einer Dreiviertelstunde war leider bereits Schluß. Auch eine Zugabe (wie in Frankfurt) gab es nicht mehr. Es war trotzdem ein Konzert, das mir sehr viel Spaß gemacht hat und das dafür sorgt, daß meine Vorfreude auf den nächsten Abend mit Heiterkeit jetzt schon wieder groß ist. 

Super Band, super Lieder!

Setlist Die Heiterkeit, Künstlerkeller, Darmstadt:

01: Alle Menschen
02: Alles ist so neu und aufregend
03: Hauptquartier
04: Die Liebe eines Volkes
05: Heiterkeit
06: Alle Wege
07: Für den nächstbesten Dandy
08: ?
09: Komm in meine Arme
10: Solange es euch gut geht
11: Auf dem Gipfel des Erfolgs

Links:

- Die Heiterkeit, Frankfurt, 10.12.12
- Die Heiterkeit, Dresden, 01.09.12


 

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