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Sonntag, 25. Mai 2014

Manic Street Preachers, Frankfurt, 20.05.14

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Konzert: Manic Street Preachers
Ort: Gibson, Frankfurt
Datum: 20.05.2014
Dauer: ca. 100 Minuten
Zuschauer: ca. 1000




Heute übertreibe ich es einmal mit meiner Tendenz, etwas weiter auszuholen: Wir schreiben das Jahr 1994, und eine Freundin und ich haben beschlossen, gemeinsam unser erstes mehrtägiges Festival zu besuchen, "Rock in Riem" in München. Dieser wohl erste Versuch, eine verkleinerte Version von "Rock am Ring" im Süden Deutschlands stattfinden zu lassen, wartete mit Aerosmith und Peter Gabriel als Headlinern auf, die wir nicht wirklich sehen wollten, dafür hatten sich aber auch Bands wie The Breeders, Therapy? und The Smashing Pumpkins angesagt.



Der eigentliche Anlass für meine Anwesenheit waren aber Radiohead, die wir an einem Samstagmorgen um 10 Uhr zu sehen bekamen und die sichtlich verschlafen waren - sie hatten ja auch den schlechtesten Slot des ganzen Festivals ergattert. Meine Freundin erwischte es aber noch schlimmer, denn sie war wegen der Manic Street Preachers erschienen, die als einzige Band am Freitagabend das Festival eröffnen sollten. An deren Stelle wurde nämlich überraschend die schweizerische Metalband Gotthard angekündigt, und nachdem wir die Ansage nicht richtig verstanden hatten, harrten wir für deren gesamtes Set in der Hoffnung aus, dass danach noch die richtige Band erscheinen würde - vergeblich.


Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, Radiohead habe ich in den letzten Jahren gleich zweimal auf wesentlich größeren Bühnen und zu musikerfreundlicheren Zeiten gesehen, aber als mein Freund mich fragte, ob ich ihn zum Auftritt der Manic Street Preachers in Frankfurt begleiten wollte, kramte ich erst die Anekdote hervor und verglich dann Daten. Und tatsächlich: Das Frankfurter Konzert fand auf den Tag genau 20 Jahre nach meinem ersten Versuch, diese Band zu sehen, statt! Sofort musste ich auch besorgt überprüfen, ob die Band Gotthard noch existiert, und zu meinem Leidwesen feststellen: Ja.


Nehmen wir es gleich vorweg: Ich habe die Manic Street Preachers, die ich mittlerweile fast völlig aus den Augen verloren hatte, nun live gesehen, es gab keinen debilen Bandaustausch in letzter Sekunde. Als wir das dicht gefüllte Gibson, dessen warmes Gedrängel bei mir starke Erinnerungen an das dort besuchte Kasabian-Konzert weckte, betraten, spielte bereits die Vorband, Public Service Broadcasting. Die beiden Musiker präsentierten instrumentale Elektronikmusik mit Gitarren- bzw. Banjo-Begleitung, was in dieser Kombination sicherlich nicht häufig vorkommt und klangen wie die Söhne von Kraftwerk und Mogwai. Zwischen ihnen befand sich eine große, als altmodischer Fernseher aufgemachte Leinwand, auf die zu den Liedern passende Filmsequenzen aus den 50er/60er-Jahren projiziert wurden. Gesungen wurde nicht, zur Musik erklangen Stimm-Samples aus den gezeigten Filmen. Gesprochen wurde auch nicht, Danksagungen und die üblichen Dinge, die man so als Vorband sagt, kamen als Computerstimme aus dem Klapprechner, wobei das Wort "Frankfurt" (etwas in "We are glad to be here in ... Frankfurt") absichtlich schlecht hinein geschnitten war.


Von den Anzug tragenden jungen Männern bekamen wir nur die letzten drei Lieder mit, dann war schon wieder Umbaupause, so dass ich Gelegenheit bekam, das Publikum zu mustern. Die meisten sahen so aus, als hätten sie die Manic Street Preachers ebenfalls bereits vor 20 Jahren gehört, ich erspähte sogar irgendwo ein ausgebleichtes Festivalshirt von 1994 -  jedoch nicht "Rock in Riem".

Als bald darauf die Band die Bühne erklomm, waren alle Sorgen, dass sich vielleicht doch wieder Gotthard einfinden könnte, endgültig verflogen: Der kleine Mann da vorne war zwar etwas älter und dicker als früher (was er zu mir wohl auch sagen könnte), aber es handelte sich zweifellos um James Dean Bradfield. Neben ihm griff jemand mit dunkler Sonnebrille, unnatürlich schwarzem Haar und weißem Sakko, der wohl Nicky Wire sein musste, zum Bass. An Schlagzeuger Sean Moore konnte ich mich nicht mehr erinnern, er ist aber ebenfalls ein Originalmitglied der Band. Ergänzt wurden sie durch einen Gitarristen und einen Keyboarder.


Los ging es gleich mit dem Klassiker schlechthin, "Motorcycle Emptiness", das Publikum war begeistert. Die Band dagegen blieb recht stoisch, Nicky Wire machte gar den Eindruck, er sei nur körperlich anwesend und könne jeden Moment umkippen. Bald bekamen wir von Bradfield die Erklärung, Nicky sei "fucked up", das lag aber wohl nicht, wie ich sofort vermutete, an Alkohol oder Drogen, er war wohl einfach krank. Und auch Herr Bradfield sprühte sich mehrfach etwas in den Rachen, spuckte auf ein Handtuch und sagte etwas von "under the weather" und "soldiering on". Seine Stimme klang jedoch klar wie von Aufnahmen gewohnt.


Es folgte ein Set, das aus vielen alten Hits, einigen Albumtracks (aus "The Holy Bible" und "Everything Must Go") aber auch neueren Songs vom letztjährigen Album "Rewind the film" (dessen Titelsong, beziehungsweise dessen Botschaft, Bradfield mit den Worten "get fucking creative" zusammenfasste) und der noch nicht erschienenen Platte "Futurology". Von der letztgenannten stammte unter anderem der neue Song "Europa geht durch mich", an dem eigentlich die deutsche Schauspielerin Nina Hoss beteiligt ist. Im Gibson kam ihr Part aber vom Band. Bei den übrigen Titeln, die in der jeweiligen Studioversion Gastsänger aufweisen, wurde auf diesen Trick verzichtet ("Your love alone is not enough", "Rewind the film" und "This Sullen Welsh Heart"). Nina Persson und Co. Konnten an diesem Abend wohl ebenfalls nicht bei uns sein.


Nachdem Nicky Wire bereits während "Rewind the Film" kurz die Bühne verlassen hatte, ging er vor dem Akustikteil, der aus "This Sullen Welsh Heart" (angekündigt als ein Versuch, das eigene Walisisch-sein zu definieren) und "This is yesterday" bestand, gemeinsam mit Sean Moore und den beiden anderen Musikern wiederum nach hinten. Dass die Band aus Wales stammte, wurde auch durch die zahlreichen walisischen Fahnen angedeutet, die verschiedene Teile der Bühnenausstattung zierten, teils auch Bradfields Gitarren – er wechselte nämlich annähernd nach jedem Songs das Instrument, so dass wir im Lauf des Konzertes einen ganzen Gitarrenladen zu sehen bekamen.

Dass die Manic Street Preachers keine Zugaben geben, ist wohl Standard, eben so wie die Setliste, die eine festes Reihenfolge aufweist, immer aus 22 Titeln besteht, sich aber aus einem Pool aus ca. 30 Songs speist, so dass die ein oder andere Variation möglich ist. Bereits bei der arg kurzen Bandvorstellung kurz vor Schluss hatte ich den Eindruck, dass zumindest Bradfield – vielleicht mit Rücksicht auf Wire - das Konzert möglichst schnell hinter sich haben wollte. Mir sollte es recht sein, ich musste ja auch ins Bett. Außerdem war die Band ja dieses Mal immerhin erschienen, was gegenüber vor 20 Jahren ein riesiger Fortschritt war.



Setliste Manic Street Preachers, Frankfurt:

01: Motorcycle emptiness
02: You Stole the Sun from my heart
03: (It's not war) Just the end of Love
04: Europa geht durch mich
05: Theme from M.A.S.H. (Suicide is painless)
06: Stay Beautiful
07: Rewind the film
08: Die in the Summertime
09: Your love alone is not enough
10: No surface all feeling
11: Walk me to the bridge
12: A design for Life
13: This Sullen Welsh Heart
14: This is yesterday
15: Revol
16: Futurology
17: Ocean Spray
18: You love us
19: Tsunami
20: Show me the wonder
21: Motown Junk
22: If you tolerate this your children will be next

Links:

Gibt es nicht, das ist tatsächlich der erste Manics-Bericht im Konzerttagebuch!

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht



Donnerstag, 7. Juni 2012

Kasabian, Frankfurt, 06.06.12

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Konzert: Kasabian
Ort: Gibson, Frankfurt
Datum: 06.06.2012
Zuschauer: ausverkauft


Im neuen Sauna-Club: Kasabian im Frankfurter Gibson
von Ursula von neulich als ich dachte
Übernächstes Wochenende fahre ich zum Hurricane-Festival. Lange hatte ich gehofft, dass mit den letzten Bestätigungen auch Kasabian genannt werden würden, die im selben Zeitraum bei etlichen anderen Festivals auftreten, aber leider wird das nicht der Fall sein. Stattdessen sah ich vor zwei Wochen mit einiger Überraschung auf meinem Arbeitsweg Kasabian-Plakate. Von einer Einzeltournee hatte ich nichts gewusst, und vom Auftrittsort, einem Club namens Gibson, hatte ich in zwölf Jahren Frankfurt auch noch nie gehört.

Beim Googlen stellte ich fest, dass es sich beim Gibson um das ehemalige Zeil-Kino handelt, das zwischendurch sicher acht Jahre lang leer stand. Nachdem der Club bereits im März eröffnet hatte, ich aber vor meiner späten Kenntnisnahme der
Plakate weder von ihm noch dem Kasabian-Konzert etwas mitbekommen hatte, nahm ich an, dass die Promotion nicht sonderlich gut geklappt hatte. Dass es sechs Tage vor dem Konzerttermin noch Karten zu kaufen gab, schien diese Vermutung zu bestätigen.

Völlig falsch war sie aber trotzdem. Als wir uns gestern zum Veranstaltungsort begaben, suchte ich so konzentriert nach dem Eingang des ehemaligen Kinos, dass ich beinahe die gewaltige Schlange übersehen hätte, die bereits hundert Meter davor endete. Schnell war klar, dass das Konzert wohl doch ausverkauft war, denn man sah auch Menschen mit "Suche Karten"-Schildern. Die wartende Menschenmenge hatte allerdings auch damit zu tun, dass alle selbst ausgedruckten Eintrittskarten (und das waren die meisten) vom Einlasspersonal auf einer Liste nachgeschlagen und mit der Hand abgehakt werden mussten - diese Aufgabe kann man nur seinem ärgsten Feind wünschen.

Drinnen war alles Kinoähnliche herausgerissen worden, übrig geblieben waren viele Treppen und Gänge sowie blanke Ziegelwände. Im eigentlichen Clubraum gibt es
seitlich zur Bühne noch einen Balkon mit Bar, der früher sicherlich der erste Rang war, im Gesamteindruck wirkt der jetzige Club eher berlinerisch-abgerissen. Nachdem der Prinz aber von technischen Raffinessen wie einer videofähigen LED-Wand schwärmt, dürfte der Stil aber wohl eher so gewollt sein als von Geldmangel herrühren. Woran man aber definitiv noch arbeiten kann und sollte, ist die Belüftung, denn schon bei unserem Eintritt war klar, dass dieser Konzertabend genauso saunamäßig werden würde wie man es von gerade geschlossenen Mousonturm gewöhnt gewesen war.

Die Vorband Honig war bei unserem Eintreffen schon fast mit ihrem Auftritt fertig. In der Ankündigung war noch von Belakiss die Rede gewesen, weshalb wir uns nicht sonderlich beeilt hatten - von Honig dagegen hätten wir gerne mehr gesehen. Obwohl die Halle knallvoll war, gelang es uns, noch relativ weit nach vorne zu kommen. Seitlich von der Bühne konnte man zwar prima sehen, war aber den extrem kritischen Blicken von nicht weniger als vier schrankartigen Securitymännern ausgesetzt, die das komplette Konzert damit verbrachten, kritisch in die Menschenmenge zu starren und zum Beispiel zu verhindern, dass man sich an hochwichtige Kisten anlehnte. Bei einem Technoabend auf der Zeil mag ein solches Aufgebot möglicherweise ratsam sein, bei einem normalen Konzert wirkte es ziemlich befremdlich.

Kommen wir nach fünf Absätzen Geplänkel endlich zur Band: Kasabian erschienen erfreulich kurz nach Honig, betraten unter erheblichem Strobogeflimmer und extrem Rockstar-mäßig die Bühne und begannen ihr Set mit "Days are forgotten", meiner Lieblingssingle von 2011. Zusätzlich zu den fünf regulären Bandmitgliedern, die bis
auf den Sänger alle schwarz trugen, hatte auch ein Keyboarder und ein Musiker mit diversen Blechblasinstrumenten die Bühne betreten. Gemeinsam erzeugte die Band einen gewaltigen Geräuschpegel, so dass ich bereits nach einigen Takten verfluchte, dass ich ohne Ohrenstöpsel gekommen war. Gegen die Qualität des Sounds konnte man allerdings, mal davon abgesehen, dass ich die Trompete eher sehen als hören konnte, wenig sagen.

Weiter ging es mit "Shoot the Runner" und "Velociraptor!", es folgte ein Best of der vier veröffentlichten Alben. Im Mittelpunkt standen Sänger Tom Meighan, der seine Stubenfliege-Puck-Sonnenbrille geschätzte 500 Mal auf- und absetzte (allein während der ersten drei Lieder), sowie Gitarrist und Backgroundsänger Sergio Pizzorno, der bei "Black Whistler" allein den Gesang übernahm. Für uns von der Seite her gut sichtbar bildete sich vor der Bühne zu "Club Foot" und "Empire" eine hüpfende Masse begeisterter Tänzer, die natürlich die Raumtemperatur noch weiter erhöhte. Die Zuschauer in diesem Bereich sahen schon bald aus, als kämen sie direkt vom Schwimmen, wedelten aber fröhlich mit ihren durchnässten T-Shirts. Mein Begleiter behauptete, so eine gute Stimmung habe er bei einem Frankfurter Konzert noch nie erlebt, und auch die (ebenfalls immer feuchter werdende) Band war mit uns sichtlich zufrieden.

Nach "L.S.F." war das reguläre Set vorbei und das Publikum stimmte die Melodie in
einer längeren Pause immer wieder allein an. Natürlich bekamen wir aber noch eine Zugabe, die aus den Songs "Switchblade Smiles", "Vlad The Impaler" und "Fire" bestand. Emotionaler Höhepunkt des Abends war, als sich gegen Ende von "Fire" das Publikum im kompletten Bereich vor der Bühne gemeinsam hinhockte und die Band dazu veranlasste, den Song noch einmal anzustimmen, so dass alle beim Refrain aufsprangen. Danach warf uns Tom Meighan zwar noch gerührte Kusshände zu und stimmte kurz "She loves you yeah, yeah, yeah" an, aber sobald die Band die Bühne verlassen hatte, ging das Licht an. Allerdings hörten wir nicht nur beim Warten auf die Garderobe, sondern auch beim anschließenden Einkauf im Supermarkt gegenüber (der bis Mitternacht geöffnet war, und heute ist ja ein Feiertag) immer wieder Menschen, die noch "L.S.F." summten.

Setlist Kasabian, Gibson, Frankfurt:

01: Days Are Forgotten
02: Shoot The Runner
03: Velociraptor!
04: Underdog
05: Where Did All The Love Go?
06: I.D.
07: Black Whistler
08: Club Foot
09: Re‐Wired
10: Empire
11: Fast Fuse
12: Man Of Simple Pleasures
13: L.S.F. (Lost Souls Forever)

14: Switchblade Smiles (Z)
15: Vlad The Impaler (Z)
16: Fire (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Kasabian, Paris, 23.02.07
- Kasabian, Paris, 23.02.07

 

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