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Sonntag, 23. Oktober 2016

Flyying Colours, Köln, 21.10.16

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Konzert: Flyying Colours
Ort: Gebäude 9, Köln (Cardinal Sessions III)
Datum: 21.10.2016
Dauer: gut 30 min
Zuschauer: vielleicht 100





Warum Flyying Colours Teil des Lineups beim Cardinal Sessions Festival waren, verstehe ich auch zwei Tage später noch nicht. Beim Festival im Gebäude 9 traten Künstler wie die französische Sängerin Pomme oder die wie Brings klingende Band Faber aus der Schweiz auf. Pomme, Faber, Ätna aus Dresden, die den Tag begonnen hatten (der Schlagzeuger trug einen Mantel, der aus einem Vorhang in einem China-Restaurant gemacht zu sein schien), Phoria, Fai Baba oder Leoniden am Schluß - das passte alles ganz gut zueinander und sprach das gleiche Publikum an. Mich nicht. Ich war wegen der Gruppe da, die überhaupt nicht ins Programm passte. Wegen Flyying Colours aus Australien, einer Shoegaze-Band, die ich im vergangenen Jahr beim Primavera Festival kennengelernt habe.


Flyying Colours waren bereits um 19:20 Uhr angesetzt. Auch das war natürlich ungewöhnlich für die Art Musik. Wir brauchten eine Weile, um durch die vollgestopfte Bar zu kommen, in der Ätna vorher gespielt hatten. Also wir im leeren Saal ankamen, waren da außer uns nur eine Handvoll Leute - und Flyying Colours hatten bereits die ersten Breitseiten Feedback erzeugt. 

Im September erschien nach zwei EPs das Debüt-Album der Band. Mindfullness ist brillant und enthält einige der besten Songs des Jahres. Bis September lief bei mir Düsseldorf von Teleman hoch und runter. Seitdem Long holiday, hoch und runter - immer wieder.


Das Konzert begann mit einem der anderen Knüller von Mindfullness, mit It's tomorrow now. Long holiday kam danach und ich war seelig. Seelig und beruhigt, daß ich mir nicht bloß in den vergangenen 17 Monaten seit Barcelona eingeredet habe, wie toll doch Flyying Colours sind. Sie sind es! Und sie verdienten sehr viel mehr Aufmerksamkeit!

Das Festival war recht gut besucht, zu den Australiern waren aber nur wenige der Besucher in den Saal gekommen. Nach einer Weile waren es zwar vielleicht 100, vor der Bühne war aber fast niemand, den ich nicht kannte. Wäre ich Faber-Fan, hätte mich der Gitarrenkrach auch nicht interessiert, denke ich. 

Das Festival hatte Flyying Colours gerade mal 30 Minuten Spielzeit zugestanden (beim Primavera waren es gut 40, obwohl FC da nur die beiden EPs aufzubieten hatten). Mehr als eine Handvoll der Zuschauer mögen das nicht bedauert haben. 

Flyying Colours spielten neben den beiden Stücken nur noch 1987 vom Album (das Sänger Brodie erst mit "This is Running wild" angekündigt hatte, bis ihn seine Kollegen verbesserten und er sich korrigierte "This is 1987 instead"). Wie bei den anderen Liedern besticht auch 1987 durch den Gesang von Brodie und Gitarristin Gemma, die ein Tim & Struppi-Shirt trug (und bei 1987 die Gitarre gegen ein Keyboard getauscht hatte). 

Den Gesang und die unfassbar schönen krachig gespielten Melodien! Bei Running late hörte sich der Bass (von Melanie Barbaro) herrlich nach The Cure an. Das Lied von der 2015er EP Roygbiv könnte auch von Veronica Falls stammen, was in meiner Musikwelt ein sehr großes Kompliment ist. Als Flyying Colours gerade Wavy gravy von der ersten EP beendet hatten, kam ein Festival-Offizieller und wies die Band darauf hin, daß sie nur noch zwei Minuten habe. "Wir haben ein Lied, das wir in zwei Minuten spielen können." Hinterher sagte ich Schlagzeuger Andy Lloyd Russell, daß sie bestimmt Ärger bekämen, da sie das Stück auf mehr als vier Minuten ausgedehnt hatten. "Das hatten sie Glück, wir können das auch doppelt so lang spielen."

Natürlich bin ich dem Cardinal Sessions Festival vor allem dankbar, diese grandiose Band wieder sehen zu können! Aber es war schon ein wenig Verschwendung, solch einen Knüller einem Publikum vorzusetzen, das sich nicht dafür interessiert. 

Jetzt hoffe ich sehr auch ein Headline-Konzert der Australier in Köln!

Setlist Flyying Colours, Gebäude 9, Köln:


01: It's tomorrow now
02: Long holiday
03: Not today
04: 1987
05: Running late
06: Wavygravy
07: Leaks

Links:


- aus unserem Archiv:
- Flyying Colours, Barcelona, 30.05.15



Donnerstag, 4. Juni 2015

Flyying Colours, Barcelona, 30.05.151

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Konzert: Flyying Colours
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 30.05.2015
Dauer: etwa 40 min
Zuschauer: vielleicht 200




Samstagabend spielten die beiden großen New Yorker Bands auf den gegenüberliegenden Hauptbühnen. Interpol hatte ich am ersten Festivaltag schon bestmöglich gesehen, ich hätte sie mir aber vermutlich noch einmal angeguckt, wenn nicht etwas viel Spannenderes auf der kleinen Pro-Stage angesetzt gewesen wäre: Flyying Colours aus Australien. Spannender für mich, außer mir waren nicht schrecklich viele Zuschauer gekommen. Und die meisten von denen saßen seitlich auf den Stufen.



Flyying Colours kommen aus Melbourne und sind eine der vielen Bands einer (jedenfalls von mir wahrgenommenen und überaus dankbar angenommenen) neuen Shoegaze-Welle (Nugaze? Nushougaze?). Ich kannte vor dem Konzert nur die Single Running late, einen sagenhaften Ohrwurm, der so exakt dem entspricht, was ich unter einem Hit verstehe. 



Flyying Colours sind Sänger Brodie J Brümmer, Gitarristin Gemma O'Connor, Bassistin Melanie Barbaro und Schlagzeuger Andy Lloyd Russell. Bei den meisten Stücken singen Brodie und Gemma. Der Gesang war aber (bewußt oder nicht) sehr im Hintergrund der scheppernden Instrumente. Umso wichtiger, daß die Melodien etwas taugen - das tun sie! Schade, daß das nicht viel mehr Leute interessierte! Um die Leute auf den Stufen nach unten zu locken, gab Drummer Andy alles und ruderte mit dem Armen und schrie sie nach unten. Das war die erste Gelegenheit, einmal sein Gesicht zu sehen. Denn offenbar wollte er - langhaarig wie sein Kollege Brodie - auch shoegazetypisch kein Gesicht zeigen. Man sah meist nur den tief runtergezogenen Schlapphut. Andy Bemühungen um mehr Leute vor der Bühne klappten einigermaßen. Ab der Mitte des Konzerts war es vorne ganz gut gefüllt (in der ersten Reihe stand Big Jeff, ein untrügliches Zeichen für meine richtige Konzertwahl). 


Es reichte aber nicht dafür, crowdzusurfen. Das wollte eine Frau im Publikum machen, also halfen ihr ein paar Leute aus und nahmen sie hoch und transportierten sie so als Instant-Crowdsurferin durch die kleine Menge!



Das kurze Set war durchgängig toll. Running late, I don't want to let you down, Wavygravy und Bugs sind bei mir am meisten hängengeblieben. Bei Bands aus Australien bin ich immer besonders ängstlich, daß es dauern wird, bis sie wieder einmal erreichbar auftreten (Flyying Colours sind eine 1A-Indietracks-Band), zumal die Melbourner gerade ihr erstes Deutschland-Konzert gespielt haben (in Hamburg natürlich). Aber nach dem prickelnden 40-minütigen Auftritt will ich sie zu gerne wiedersehen!

Setlist Flyying Colours, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: I don't want to let you down
02: Like you said
03: Running late
04: Not today
05: In the end
06: Wavygravy
07: Bugs
08: Leaks

Links:

- mehr Fotos
 


 

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