Konzert: Best Kept Secret Festival Ort: Tilburg Datum: 31.05.-02.06.2019 Dauer: 3 Tage Zuschauer: wg. Tageskarten unterschiedlich
Freitag: Wie viele andere Festivals in diesem Jahr hatte auch das Best Kept Secret keinen Freibrief für ein "Ausverkauft" Schild am Eingang. Die Zeiten des ewigen Wachstums, sowohl was die Festivals selber, als auch deren Anzahl angeht, scheint lange vorbei. Wem es nicht gelingt, innovative Headliner, besondere Orte oder eine Nische zu besetzen, wird es in Zukunft schwer haben. So bleiben die Einschnitte für das BKS dieses Jahr noch minimal, die Infrastruktur und der damit verbundene, reibungslose Ablauf am sonnigen See haben halt immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Die Headliner des Jahres 2019 wurden mutig ausgewählt. Bon Iver, der seit 10 Jahren kein Festival in den Niederlanden gespielt hatte, Kraftwerk als Ikone immer willkommen, und Christine and the Queens als Act der Gegenwart und Zukunft.
Zu Beginn tritt aber am Freitag die immer noch unglaublich jung wirkende Julien Baker auf die Zeltbühne "Two". Diesmal stimmig begleitet von einer Geigerin. Wie immer mit vielen getragenen Songs im Gepäck und einer fantastischen Gesangsleistung (Julien variiert ihre Stimmlautstärke, indem sie immer wieder am Mikro vor-und zurückweicht). Ein sehr schöner, da intensiver Start in den Tag.
John Grant wirkt danach zwar wesentlich spielfreudiger mit seiner großen Band, aber seit seinem tollen Album "Queen of Denmark" habe ich ihn leider etwas aus den Augen verloren, und ehrlich gesagt, gefallen mir die neuen, discoartigen Klänge live auch nicht besonders. Primal Scream machen auf der Hauptbühne am frühen Abend alles richtig. Schön laut ist es, und alle Hits fliegen über den Strand. Alleine der Start mit einem druckvollen "Movin on up" und später eine Endlosversion von "Rocks" und "Kill all hippies", so sollte eine Festivalshow aussehen.
Dann einer meiner besonderen Lieblingsbands: Spiritualized. Was Spaceman und seine diversen Mitstreiter (incl. der obligatorischen Chordamen) auf die Bühne zaubern ist wie immer genial und schwankt zwischen überbordenden Melodien und völliger Zerstörung. Leider macht Spaceman heute mal wieder was er will und beginnt mit vier Hits, um danach sechs Songs des neuen Albums zu präsentieren. Dadurch verliert der Set seine Dynamik völlig und geht am, zum Teil jungen, unkundigen Publikum vorbei. So schön es für mich war, auf der Hauptbühne bei Sonnenlicht war dieser Auftritt deplatziert.
Trotzdem, "Come Together", "Shine a light" und "Soul on fire" überhaupt noch einmal live zu hören, immer wieder ein Erlebnis. Auch wenn Spaceman seinen Stuhl nicht ein einziges Mal verlässt oder sich an das Publikum wendet. Das hatte schon Dylan-Format.
Genau das Gegenteil versuchte dann Bon Iver als Headliner. Es schien, als würde er jede musikalische Anstrengung mit dem Publikum teilen wollen. Alles wirkte so schwer und mühsam arrangiert. Der Eindruck: Hier wird Musik erarbeitet und nicht wie bei Spiritualized als Fingerübung, mit fast schlampiger Leichtigkeit zelebriert. Von Bon Ivers Auftritt bleibt emotional kaum etwas hängen, da er selbst keinerlei Spaß auf der Bühne zu haben scheint, obwohl er andauernd ins Publikum lächelt.
Erst die Zugabe, wer hätte es anders erwartet: "Skinny Love" ist wirklich ein Ereignis. Wie dabei 25.000 Kehlen mitflüstern und er die Spannung über den Platz zieht, erst jetzt zeigt er endlich seine musikalische Klasse. Die Show bläst dabei alles noch viel größer auf, als es zu sein scheint. Sah aus wie Headliner, war aber keiner. Danach noch ein paar Minuten bei DJ Koze vorbeigeschaut. Alle tanzen und haben Spaß, so kann es halt auch funktionieren.
Konzert: Bon Iver & Sam Amidon Ort: Arena, Wien Datum: 01.08.2012 Dauer: 90 Minuten Bon Iver, 40 Minuten Sam Amidon "What might have been lost", tönte es am Ende eines tollen Konzertes in Sprechchören durch die Arena. Verloren gegangen sind auch einige mögliche Konzertberichte, die ich mir in letzter Zeit vorgenommen hatte, deren Geburt dann aber alle möglichen Umstände einen Strich durch die Rechnung machten. (Abtreibung sag ich jetzt nicht dazu, wir wollen ja nicht unsere starke Leserfraktion aus dem Vatikan vergraulen.) Jedenfalls sind Bon Iver ein perfekter Grund, dem lieben Tagebuch wieder einen Wiener Bericht anzuvertrauen! Irgendwie zählt der erste Eindruck ja doch auch: Auf dem Hüpfer von der U-Bahn zur Arena wurden gleich zwei wesentliche Charakteristika des Abends sichtbar: Höchst heterogene Menschengruppen säumten den Weg mit "Suche Karte"-Schildern. Was das zeigen soll: Erstens war das Konzert schon wochenlang gnadenlos ausverkauft, zweitens war die Besucherschaft ausgesprochen bunt und unterhaltsam: vom 60-jährigen, barfüßigen Routinier bis zur blutjungen Indie-Queen mit hohen Absätzen, von gelassenen "An der Bar-Lehnern" bis zum Hardcore-Fan in der ersten Reihe, von Amerika bis Kärnten und so weiter war alles dabei. Mein Favorite war dabei der der Mann, der über der Schulter eine Tasche mit der Aufschrift "I ♥ Riesling" trug und in der Hand ein großes Bier - ein Hoch auf die Selbstironie! Kurzum, es gab viel zu schauen, vor allem wenn man überpünktlich angerückt war.
Gegen dreiviertel acht begann dann allerdings Sam Amidon, der alleine auf die Bühne schritt und sich mit "We are Sam Amidon" seinen ersten Beifall abholte. Etwa 40 Minuten spielte sich der Amerikaner dann durch seine zwischen brav und unkonventionell divergierenden Songs, in denen er den Begriff "Folk" bis zum Anschlag ausreizte. Bisweilen lieferte der wilde Sam auch richtige Showeinlagen, in denen er Vogelkrächzen und komische Verrenkungen zum Besten gab. Unterstützung erhielt er dabei von Schlagzeug und Blasinstrument, dem Publikum gefiels sichtlich und Mr. Amidon hatte sowieso Spaß. Ob seine "normalen" Konzerte auch so spaßig sind?
Justin Vernon weiß das vielleicht, rückte damit aber nicht heraus. Dafür bedankte er sich gleich bei Betreten der Bühne um Punkt neun Uhr bei seinem Support und fand unter den gut 3000 Anwesenden massig Zustimmende. Ansonsten verlor der Waldschrat wenig Worte und konzentrierte sich auf seine musikalischen Qualitäten. Ihm zur Seite standen acht weitere Musiker, von denen besonders der der Perkussionist ganz rechts modisch zu gefallen wusste. (Ich mag Haarbänder, das ist wohl in etwa so, wie Oliver und seine Vorliebe für lange Frauenbeine.)
Die ersten vier Songs stammten allesamt von Bon Iver, dem zweiten Album der Band. (Wieso nennt man eigentlich nicht gleich sein erstes Album nach sich selbst und lässt sich dann originelle Titel einfallen statt umgekehrt? Vielleicht hat man sich da einfach an Heroen wie Portishead orientiert...) Dabei wurde auch gleich die Marschrichtung vorgegeben, durchaus fette Arangements dominierten. Wie auf dem aktuellen Album eben, eine andere Sorte Bon Iver. Wobei gleich mal festgehalten werden soll, dass beide Sorten, die reduzierte und die opulente, überzeugen können. So wie Kuchen manchmal mit Schlagobers, mal ohne besser schmeckt.
Der erste Song von For Emma, Forever Ago war dann Creature Fear, ein Lied, das ich noch vom Haldern 2009 kannte. Oder auch nicht, denn Vernon verpasste seinem guten Stück mehr als nur ein Facelifting und frisierte es gleich ordentlich um. Quasi Waschen, Schneiden, Färben und Fönen all inclusive - fast wie im Haarsalon. An einen solchen erinnerten übrigens die Gespräche der ganzen Leute rundherum, die ich aber keinem verdenken kann: das Konzert von Bon Iver in der Arena verbreitete lauschiges Flair wie in der besten aller Pergolas. Dem guten Winter war das sowieso eher wurscht, der war versunken in Perfektion und schwelgerische Sounds. Besonders freuen konnte ich mich über Blood Bank von der gleichnamigen EP, das sehr ungestüm daherkam und doch herzzerreißend herrlich. Über Woods braucht man sowieso keine Worte verlieren und das neue Calgary hat schon als Single seine absolute Qualität unter Beweis gestellt. Große Worte gab es auch von Justin Vernon nicht mehr, der Kollege machte aber auch mit dem wenigen Verbalen, das er von sich gab, klar, dass es ihm "fucking" gut gefalle. So ging es wohl auch dem Publikum, dass zumeist sehr konzentriert lauschte und sich unaufgeregt begeistert verhielt. So enorm die Musik von Bon Iver mittlerweile sein mag, so verweigerte sie doch den Sturz vom schmalen Grat zwischen sympathischen Pathos und Stadionrock. Allein das Bühnenbild - von oben herabhängendes Gewebe, das aussah wie zusammengenähte Kartoffelsäcke - wies schon auf den bodenständigen Charakter des besten aller Justins (gleich nach Timberlake und Bieber natürlich) hin. Wer sich wochenlang in Waldhütten zurückzieht, der wird es wohl kaum auf einen Auftritt im Praterstadion abgesehen haben. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, was während der Zugabe The Wolves (Act I & II) folgte, nämlich astreine Massenchöre. Aber andere als bei den Bands mit ihren Eintrittspreisen jenseits der 60€, nämlich wunderbar entspannte, kollektiv glückliche Gesänge, die nicht alles übertönendes Gegröle, sondern ein kleiner Beitrag zum Abschluss eines tollen Konzerts sein wollten. "What might have been lost"...
MitFor Emma ging dann ein Abend zu Ende, der sich ständig steigern konnte und einen sehr zufrieden in die Nacht entließ. "Es wohnen, ach, zwei Seelen in meiner Brust", hört man noch im Deutschunterricht - Bon Iver kann sie zusammenführen: Die leise folkige und die auffallend poppige - sie verschafften Wien im Team ein wunderbares Debüt des Burschen aus Wisconsin. Hoffentlich nicht forever ago. Setlist Bon Iver, Arena Wien:
01: Perth 02: Minnesota, WI 03: Michicant 04: Towers 05: Creature Fear 06: Hinnom, TX 07: Wash. 08: Holocene 09: Blood Bank 10: Woods 11: Bracket, WI 12: Skinny Love 13: Calgary 14: Beth/Rest
Konzert: Midi Festival Ort: Hyères-les Palmiers, Südfrankreich Datum: 28 & 29.07. 2012 Zuschauer: gute Frage; es war ein intimes Festival
Im südfranzösischen Hyères ist meine Frau geboren worden und hier ist sie auch zur Schule gegangen. Logisch also, daß ich die kleine Mittelmeerstadt gut kenne und schon oft durch ihre pittoresken Straßen geschlendert bin, vor allem in der Zeit, als ich selbt im Süden Frankreichs wohnte. Ich studierte damals ein Jahr Jura (eine seltsame Idee, hatte ich noch alle Tassen im Schrank?) in Aix-en Provence und kam ohne Examen, aber mit einer jungen hübschen Französin zurück nach Berlin. Inzwischen sind wir längst in Paris gelandet, aber die Zeit an der French Riviera habe ich natürlich noch in bester Erinnerung (nicht wegen des Studiums, sondern anderer Dinge. Welche? Ist 'n Geheimnis!)
Natürlich besuchen wir auch unsere Schwiegereltern/Eltern mindestens einmal pro Jahr und ich fand, daß man in die eine Woche Ende Juli auch schön ein kleines Festival integrieren kann. Ich malte mir das im Vorfeld wunderbar aus: tagsüber an den Strand gehen und meinen dicken, alten Körper durchgrillen lassen, den schönen Mädchen im Bikini hinterherglotzen, abends auf dem Festival zu wunderbarer Musik unter Pininen schwofen. Und so kam es dann auch. Strand, Sonne, sexy Girls bei Tage. Kein Strand, dafür eine Konzertbühne, untergehende Sonne, erneut sexy Girls und gute Musik am Abend. Perfekt. Die zahlreichen Hipster und der Sonnenbrand auf meiner Plautze konnten mir die Laune jedenfalls nicht verderben. Auch nicht, daß ich auf den ersten Festivaltag am 27 Juli verzichtete, weil wir uns auch bei den Eltern mal zeigen mussten (kein Problem, ich mag sie sehr gern).
Am 28. Juli waren wir dann beim Midi Festival live mit dabei. Die Konzerte fanden im Hippodrome nahe des Flughafens von Hyères statt und statt des befürchteten großen Reitstadiums erwartete uns eine kleine intime Ecke unter Pinien, die nichts mit den riesigen unpersönlichen Konzertbühnen bei Massenveranstaltungen zu tun hatte. Der Einlass und die Bändchenvergabe getaltete sich als herrlich unproblematisch und ich wurde mit einem Pressepass ausgestattet, auf dem als Medium einfach "Peel" stand. Herrlich, Oliver Peel enterprises, meine Großmannssucht wurde hier bestens bedient.!
Es war etwa 20 Uhr und auf der Bühne standen Arthur Beatrice. Im Vorfeld war ich ahnungslos davon ausgegangen, daß es sich hierbei um einen französischen Chansonsänger handele. Weit gefehlt, Arthur Beatrice entpuppten sich als vier Briten mit einer sehr hübschen, südamerikanisch wirkenden Sängerin und Keyboarderin mit Zopf und einem rothaarigen Sänger. Wie ich von der Pressechefin erfuhr, handelte es sich um die Band mit den meisten Interviewanfragen überhaupt. Ein gewisser Hype scheint also hier im Anmarsch zu sein.
Stellt sich natürlich sofort die Frage, ob das Medieninteresse gerechtfertigt ist? Nun, zunächst einmal ist nüchtern festzustellen, daß ich neugierig geworden bin auf diese vier Londoner, die ein recht kurzes Set ablieferten. Aber diese Neugierde wird bei einer Internet-Recherche nur unzureichend befriedigt. Die seltsame Homepage erzählt so gut wie gar nichts über die Band, Artikel oder Musik (kein einziges Lied auf der Facebook Seite) des Quartetts recht rar gesät. Da wird man unweigerlich an Wu Lyf und deren anfängliches Versteckspiel erinnert, ohne daß es Arthur Beatrice so wild und mysteriös treiben wie die Jungs aus Manchester vor zwei Jahren.
Nach Wu Lyf klingen Arthur Beatrice jedenfalls nicht. Der Sound erinnerte mich eher an The XX (der Bass, das düstere Moment), die Editors (die Grabesstimme des Sängers), die Antlers (die pathetische Seite, die aber zum Glück nicht allzu stark ausgeprägt ist), die Wild Beats (der tanzbare Rhythmus, die perlenden Gitarren), Beth Jeans Houghton (die hohe, manchmal exaltierte Stimme der Sängerin Ella Girardot) oder Lanterns On The Lake (das Wechseln zwischen ruhigen und stürmischeren Phasen), ohne das die Ähnlichkeiten mit genannten Gruppen jedoch allzu ausgeprägt waren. Arthur Beatcrie klangen somit erfreulich eigenständig, ganz ohne nervenzerrende Ausflüge in experimentelle Gefilde zu starten.
Ihre Lieder waren sehr abwechslunsgreich, feinglidrig und clever arrangiert. Da gab es vieles was aufhorchen ließ, obwohl ich vor diesem Festival nie etwas von dieser Band gehört hatte. Der Überhit, neben der prima Single Midland, war allerdings What We Hoped To Achieve, dessen Titel ich nach dem Konzert recherchierte. Ein sechsminütiges Schmuckstück mit einer anziehend mysteriösen Seite, famosen Tempowechseln, flirrenden Gitarren und einem unwiderstehlichen Finisch.
Da wollte man in Hyeres die Engländer gar nicht so schnell ziehen lassen, aber es musste ja im Programm weitergehen. Für mich wird es jedenfalls ein baldiges Wiedersehen mit Arthur Beatrice geben und zwar beim Haldern Pop Festival. Da freue ich mich jetzt schon riesig drauf!
In Südfankreich war es inzwischen 21 Uhr geworden und die Sonne fing schon an zu sinken, um gegen Ende des Sets des nun an den Start gehenden Thurston Moore samtweich hinter den Pinien unterzugehen.
Der ex-Sonic Youth Mann hatte eine mehrköpfige Band dabei*, darunter auch die famose Geigerin und Bassistin Samara Lubelski, die Kenner auch als Solokünstlerin schätzen. Die Musiker ließen es zunächst langsam angehen, arbeiteten sich durch wolkenverhangene Passagen langsam ans Licht, blieben aber oft der düster- trüben Atmosphäre der Songs treu. Das Tempo wurde allerdings im Laufe des Sets teilweise deutlich angezogen. Da gab es fetzige und noisige Phasen, die immer wieder durch zahlreiche Brüche und Schlenker konterkariert wurden. Thurston ist halt eben kein Typ für mundgerechten kugelrunden Bubble Gum Pop. Er bleibt seiner Schrägheit treu, schreibt keine Hits für Millionen, die im Sommer aus Autoradios erschallen. Aber die Harcore Indie Freaks hat er auf seiner Seite. Zu recht, denn Burroughs, diese gemeine Noisekeule, war wirklich ein ziemlicher Hammer. Auch sehr cool: Circulation, das von der Geige Subelski nach vorne getrieben wurde und wahnsinnig nonchalant rüberkam. Thurston Moore, der ewige Berufsjugendliche, wippte auf seinen Adidas Sneakers ganz lässig im Takt und zog mit schnellem Armzug durch die Saiten seiner Gitarre. Wie man mit 54 noch auf so unverkrampfte Weise rebellisch sein kann, imponierte mir ungemein.
Zugegeben werden muss, daß nicht jeder im Publikum wirklich begeistert wirkte. Manche standen nur gelangweilt rum, andere lagen auf der Wiese und schonten ihre Kraftreserven für Bon Iver. Thurston Moore schien mir jedenfalls nicht unbedingt der Name auf dem Line-Up gewesen zu sein, für den die meisten Leute gekommen waren. War mir aber egal, denn ich kam beim Gig des schlaksigen Amerikaners auf meine Kosten.
Hinterher hatte ich kurz Zeit, durch den Pressebereich zu schlendern und war erstaunt darüber, wie gemütlich der war. Da gab es große rote Sofas, Liegstühle und eine Pinie, die mit leuchtenden Glühlämpchen behangen war. Sehr heimelig das Ganze, es war wirklich eine verdammt laue Sommernacht.
Um 22 Uhr 30 galt es aber, taufrisch zu sein, denn Bon Iver und seine gefühlt 87 Mitmusiker (in Wirklichkeit waren es acht) stürmten die Bühe, die mit zerfledderten Stofffetzen und elektrischen Fackeln mit Glaslämpchen dekoriert war. Vom Pitchfork Festival in Paris im letzten Jahr wusste ich, daß Justin Vernon inzwischen auf wuchtigen und orchestralen Livesound mit Geige, Trompete, Horn, Basssaxofon und zwei Schlagzeugern setzt und war insofern nicht überrascht, daß es laut und druckvoll aus den Boxen schallte. Nichts mehr übrig von der Folkreduktion des in einer Jagdhütte in Wisconsin enstandenen ersten Albums, stattdessen satter Breitwand Sound und Opulenz in seinen schillerndsten Farben, die auf die Stofffetzen projeziert wurden. Aber ich musste schon ziemlich bald feststellen, daß Justin sowohl in der abgespeckten, kargen Variante als auch in der stark instrumentierten Version zu überzeugen weiß. Er ist einfach ein exzellenter Musiker, seine Falsettstimme schlichtweg sagenhaft und als Dirigent eines Orchesters taugt er viel. Natürlich konnte man jammern über die verschwundene Intimität und Innigkeit, die fehlende Magie früherer Tage, anerkennen musste aber jeder die meisterliche Beherrschung des famosen Songmaterials, die Komplexität der Liedstrukturen und die tadellose Darbietung des Vortrages.
Besonders gewandelt klang Creature Fear. Das einst so verhuschte Folkstück gebärdete sich wild und angriffslustig wie ein sich bedroht fühlender Bär, rockte am Ende wie Hölle. Wundervoll Holocene, eines meiner Liebslinsglieder des zweiten Albums, das ich unzählige Male im Mietwagen laufen ließ, als ich 2011 die USA durchquerte. Ein perfekter Soundtrack für diese weiten, atemberaubend schönen Landschaften, auch wenn mich Holocene heute nicht besonders stark emotional berührte. Ohnehin war das Konzert eher weniger für Melancholiker, als für Fans im Chor geschmetterter Gesänge geeignet, wie man sie bei Skinny Love hören konnte.
Richtig gelungen fand aber auch ich Calgary, eine Nummer bei der die Falsettstimme von Vernon besonders gut zur Geltung kam und der Schwebesound süße Träume assozierte.
Letztlich dauerte das Konzert etwa 90 Minuten und erlebte mit For Emma noch eine schöne Zugabe.
Schwebenden Schrittes machten wir uns im Anschluß auf den Heimweg. Die nächtlichen Konzerte am weit entfernten Strand schenkten wir uns und überließen das jüngeren Leuten. Wir hatten genug gehört und gesehen und waren zufrieden. Allein der idyllische und bukolische Rahmen hatte das Kommen locker gerechtfertigt.
Die Schönheit der Spielstätte konnte am nächsten Festivaltage noch mal locker getoppt werden. Da fanden die Konzerte nämlich auf einer Anhöhe in den mediteranen Gärten der tollen Villa Noailles statt. Ein Ort am dem regelmäßig Ausstellungen zu besichtigen sind, der aber seit inzwischen sieben Jahren für das Midi Festival genutzt wird. Mir fehlen fast die Worte, um die Magie der Örtlichkeit zu bechrieben, es war einfach irreal schön, wahnsinnig romantisch, kurzum: nicht zu toppen!
Um 19 Uhr gingen die Konzerte auf der nicht sonderlich großen Anlage los. Heute aber konnte mich keiner der insgesamt 5 Gigs so richtig begeistern. Der hünenhafte Brite Gabriel Bruce kredenzte einen recht kitschigen, stark von den 1980er Jahren inspirierten New Wave Elektro Pop Sound, den er mit tiefer Baritonstimme vortrug und der von zwei weiblichen Tanzmäusen in Szene gesetzt wurde. Das war recht unterhaltam, musikalisch aber nicht sehr hochstehend.
Palma Violets im Anschluß vermochten ebenfalls nicht wirklich zu überzeugen. Die junge gehypte Band, die bei Rough Trade gesignt ist, wird oft mit den Libertines verglichen, hatte aber keine Hits im Stile von Can't Stand Me Now oder Time For Heroes zu bieten und spielte einen Sound, den man so ähnlich auch schon in der Vergangenheit gehört hatte. Das spannendste an dem energisch vorgetragenen Set waren die Dejellaba des Sängers, unter der seine weiße Schießer- Boxershort herauslukte und seine schmuztigen Socken. Jedenfalls blieb mir das am stärksten im Gedächtnis haften.
Von Money aus England werde ich sicherlich die ziemlich albern aussehende Mönchsfrisur des Sängers und sein bis auf den letzten Knopf zugeknöpftes Hemd in Erinnerung behalten. Die Gruppe allerdings war definitiv nicht schlecht, hatte aber immer mal wieder Hänger drin, die das Zuhören zäh gestalteten. Vier junge Musiker spielten einen Sound, der an amerikanische Bands wie Animal Collective, Yeasayer oder Grizzly Bear denken ließ, aber auch Spurenelemente von englischen Formationen wie Wu Lyf oder den Manic Street Preachers in sich trug. Mal sehen, wie die sich entwicklen, eventuell komme ich bei den Jungs aus Manchester noch auf den Geschmack. Also dranbleiben.
Dranbleiben war auch das Stichwort beim Konzert der aus LA stammenden Nite Jewel. Wenn man nämlich nah vorne an der Bühne stand, konte man beim Aufbauen sehen, daß die zierliche Sängerin einen Anzug trug, der stark an einen Pyjama erinnerte. Zum Einschlafen war ihr Set dann schließlich nicht, aber ihre musikalische Ausrichtung- eine Mischung aus Soul, Dance Musik, Funk und Pop-, entsprach einfach nicht meinem Geschmack. Da fehlten mir schmerzlich die Gitarren, wurden immer wieder nervige Assoziationen zu Michael Jackson und seiner Off The Wall Phase wachgerufen, oder an Ariel Pink's Haunted Graffiti erinnert. Immerhin konnte ich mich an ihrer schönen Stimme erfreuen, wenigstens etwas.
Zu guter Letzt durften dann Franzosen das Festival schwungvoll beenden. Francois and The Atlas Mountains machten ihre Sache dann auch erwartet gut, spulten ihre tanzbaren Afro-Indiebeat ab und sangen mal englisch, mal französisch (soyons les plus beaux) Dennoch ist der Funke bei mir noch nie so richtig übergesprungen. In den letzten Monaten hatte ich sie ein paar Mal gesehen, immer wieder an einzelnen Liedern (La Piscine!) meine Freude gefunden, wurde aber nie durchgängig gut unterhalten. Das Liedmaterial ist mir einfach zu wechselhaft. Darüber konnte ich mir aber nicht mehr allzu lange Gedanken machen, denn meine Frau holte mich schon vor dem Ende des Konzertes mit dem Auto ab. Sie meinte, ich hätte nun genug Festival gehabt, nun solle ich mich mal wieder um sie kümmern. Recht hatte sie und nächstes Jahr können wir ja wiederkommen, ein Hotel müssen wir schließlich da unten im Süden nicht bezahlen.
Insgesamt: eine sehr lohnende Sache! Das Midi Festival kann ich wirklich empfehlen, allein schon wegen des wundervollen Rahmens!
Concert: Bon Iver (& Poliça) Lieu: L'Olympia, Paris Date: 15.07.2012 Spectateurs: complet (environ 2.500) Durée du concert: environ 75 minutes
Compte rendu par K. Merci beaucoup!(Deutsche Übersetzung unten*)
Bon Iver c'était spectaculaire!
Un début de concert super sympa avec Poliça et son duo de batteur!! J'ai été très étonnée et agréablement surprise! La chanteuse hypnotique avec sa voix et sa gestuelle lancinante.. Et après Bon Iver! Un plateau technique un peu dingo pour un décor super étudié lampes/drap qui rappelle un décor de ''radeau de la méduse" on se serait cru en pleine mer!! Cela dit les lumières projetées étaient un peu de trop à la fin!! Pour la musique, une set list sans surprise, intro qui envoie une décharge, milieu qui laisse plané, avec des effets plus jazz (que sur album mais également plus jazz qu'au Pitchfork)/conclu et rappel avec ses beaux morceaux romantiques. Un son impeccable, un Justin Vernon souriant qui fait des blagues, un groupe en apparence détendu.. Enfin au final un concert super beau, quoique.. et là ça n'engage que moi, sans originalité... la salle de l'Olympia ayant une organisation assez rigide, voir Justin Vernon enfourcher sa guitare et s'accorder à la hâte pour faire Skinny Love sans même laissé le public digérer le concert et s'impatienter pour réclamer le rappel... un peu impersonnel tout de même! Le line-up est respecté à la minute prêt, s'en devient déconcertant et on sent que le groupe flippe et s'autorise peu les écarts, et donc se pose la dure question du plaisir à jouer! Même si on sent qu'il se passe bien quelque chose entre eux et le public! On leur impose une rigueur un peu cruelle! Quoiqu'il en soit ce fut un très beaux concert! Des mélodies de génies, touchantes! Vivement le prochain! Mais je préfèrerais un truc version Blogothèque que version super sonique!
* Deutsche Übersetzung von Oliver Peel, Originaltext von K.
Bon Iver, das war spektakulär!
Sehr sympathischer Beginn mit Poliça und ihren zwei Schlagzeugern. Ich war sehr verwundert und angenehm überrascht. Eine Sängerin mit hypnotischem Auftreten und einer durchdringenden Stimme!
Und danach Bon Iver! Eine ziemlich verrückte Bühnendeko* mit fackelartigen Lampen und drapierten Vorhängen, die einen an das Bild "Le Radeau de la Meduse" von Géricault erinnerten, man fühlte sich wie auf offenem Meer. Am Ende war es der Lichtershow gar zu viel des Guten!
Hinsichtlich der Setliste gab es keine großen Überraschungen. Ein kraftvolles Intro, ein verträumter Mittelteil und ein Ende mit zwei romantischen Zugaben, so der musikalische Teil, der insgesamt jazziger ausfiel, als man das vom Album her kennt.
Der Sound war indess sehr gut, Justin Vernon lächelte oft und machte ein paar Witzchen.
Insgesamt also ein sehr schönes Konzert, das allerdings nicht sonderlich originell und intim war. Der strikte Zeitplan im Olympia führte zu einer großen Hetze und ließ Vernon kaum die Zeit, sich vor den Zugaben etwas auszuruhen. Auch für die Band gab es wenig Möglichkeiten, einen Gang runterzuschalten, was die Frage aufwirft, ob es für die Gruppe sonderlich spaßig und relaxt war.
Aber nörgeln wir nicht zu viel, die Melodien waren genial und berührend und ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen. Eine abgespeckte Varante im Stile der Blogothèque Sessions wäre mir allerdings lieber als diese orchestrale und laute Inszenierung.
Konzert: Pitchfork Festival Paris mit Bon Iver, Lykke Li, Jens Lekman, Kathleen Edwards, The Rosebuds und Stornoway Ort: La Grande de la Villette, Paris Datum: 29.10.2011 Zuschauer: ausverkauft, mehrere tausend
"Die Innigkeit ist verloren gegangen."
Wie schon nach dem Konzert der Fleet Foxes im Bataclan musste ich an den Kommentar des Bloggertitanen Eike vom famosen Klienicum denken, den er eigentlich auf das aktuelle Album von Iron & Wine gemünzt hatte.
Spätestens nach heute ist klar: ob Bon Iver, Iron & Wine oder Fleet Foxes, überall ist die Innigkeit flöten gegangen. Fans des kargen und reduzierten Folks jaulen auf, der Mainstream jubelt. Sänger, die dereinst ihre brüchigen Songs in einer alten verlassenen Jagdhütte oder im Schlafzimmer geschrieben haben, bespielen heutzutage mit riesigem Orchester und fettem Sound große Hallen und das Publikum sind keine schluffigen Bartträger mit Ökölatschen mehr, sondern ein trendiges Völkchen mit ordentlich Knete im per Second Hand erstandenen Portemonnaie.
Wie reagiert man auf einen solchen Wandel? Stellt man sich in die Ecke und kotzt, oder sagt man sich: "ist doch gut, wenn jemand wie Bon Iver in den Charts vor Beyonce steht?" Hmm...
Aus kommerzieller Sicht ist Bon Iver jedenfalls inzwischen ganz klar Mainstream geworden, was man schon daran sehen kann, daß ich mir sein zweites Album beim diesjährigen USA Urlaub bei Starbucks (!) gekauft habe. "Einen doppio espresso und das neue Album von Bon Iver", hörte ich mich dem Barista antworten, als er fragte, was ich zu bezahlen hätte. Verrückt! Als ich das letzte Mal für längere Zeit in den USA war (2005) verkaufte Starbucks ein Album von Coldplay (nicht an mich, ich mag die nicht). In dieser Promi Liga ist Justin Vernon also nun angekommen. Da fragt man sich: wo ist das Topmodel/die Hollywood Schauspielerin, die man zur Belohnung bekommt, wenn man berühmt geworden ist? (man erkundige sich diesbzüglich bei Pete Doherty, Paul Banks, Alex Turner und Sean Lennon)
Im Falle von Justin heißt die Eroberung Kathleen Edwards, ist charmante kanadische Folksängerin und spielte in meiner Anwesenheit heute bereits um 15 Uhr 30 beim letzten Tag des Pitchfork Festivals. Vernon selbst durfte erst um 20 Uhr 30 ran, nachdem zuvor schon Jens Lekman und Lykke Li aufs Festivalvolk gehetzt worden waren.
Mit einer riesigen Band erklomm Vernon die Bühne. Da ich recht weit hinten stand und es auch nicht schaffte, mich nach vorne durchzukämpfen, konnte ich die Anzahl der Mitglieder nicht genau nachzählen, aber 12 Musiker dürften es bestimmt gewesen sein, darunter allein zwei Schlagzeuger, viele Trompeter und ein Saxofonist. Entsprechend orchestriert und breitwandig war dann der Sound und auf Grund der hohen Lautstärke klang das Ganze noch wuchtiger als auf dem aktuellen Album. Für mich keine große Überraschung, hatte ich doch bereits Bon Iver auf der Hauptbühne des Haldern Pop Festivals gesehen und mitbekommen, wie rockig und aggressiv da teilweise zu Werke gegangen wurde. Und dies war beim wesentlich reduzierter gehalten Album Nummer eins. Daß dann ein opulentes Album wie das zweite live noch einmal eine ganze Spur bombastischer dargeboten wird, wunderte mich nicht mehr.
Ich war also mental gut auf das heutige Konzert vorbereitet und das zahlte sich letztlich dann auch aus. Anstatt allzu lange über die (in der Tat) verloren gegangene Innigkeit zu hadern, erfreute ich mich an der sensationellen Falsettstimme von Vernon , den geschliffenen Arrangements und den gelungenen Stücken. Die riesige Band spielte wirklich exzellent zusammen und man konnte sich vorstellen, wie viel Arbeit hinter dem Ganzen stand. Da agierte plötzlich nicht mehr der Singer/Sonwriter, sondern der Dirigent Justin Vernon, der auch diese Aufgabe mit Bravour meisterte. Klar, der Sound war fett, ja überfett, der Ballon bis zum Platzen aufgeblasen, aber in einer solch großen Location wie der Grande Halle de la Villette musste man einfach so auslegen, um den Saal angemessen beschallen zu können.
Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Ein guter Bekannter von mir rümpfte die Nase und verließ in der Mitte des Konzertes die Halle, andere wiederum schienen alles rundum zu genießen. Manche sprachen hinterher von einem "concert magnifique", einer ließ sich gar zum dem Spruch verleiten: "Bon Iver live sehen und dann sterben."
So euphorisch war ich persönlich nicht und auf's Sterben habe ich auch noch keinen Bock. Ich habe alles in allem ein gutes Konzert gesehen. Schulnote 2. Justin Vernon hatte es auf überzeugende Weise geschafft, seinen Lieder live urwüchsige Kräfte zu verleihen. Die musikalische Leistung war tadellos. Allerdings fehlten auch mir am Ende die intimen Momente, die es bei meinem ersten Bon Iver Konzert in der Maroquinerie zuhauf gab. Damals war Justin sprichwörtlich ein Kerl zum Anfassen (ich stand ganz vorne), heute sahe ich sein rot-weiß gestreiftes Hemd (ein häßliches Ding!) nur von weitem. Mittendrin statt nur dabei galt heute nicht, es war eher umgekehrt. Ich war dabei, aber nicht wirklich mitten und leibhaftig im Geschehen drin. Es war ein Konzert wie in einem Stadion, perfekt durcharrangiert, aber nicht immer wirklich herzerwämend. Vorgesehen war die heutige Location ursprünglich nicht. Anfänglich war der Gig im stimmungsvollen Theater Trianon angesetzt, wegen der riesigen Nachfrage, dann aber in die Grande Halle de la Villete höherverlegt worden. Und aus welchen Gründen auch immer wurde plötzlich ein ganzes Festival drumherum gebastelt.
Hinsichtlich des gespielten Lieder muss Holocene unbedingt hervorgehoben werden. Schon auf dem Album ein Highlight, überzeugte der cinematographische Track auch live durch Tiefe und Anmut.
Eher weniger gefiel mir Skinny Love. Der eigentlich famose Track des ersten Albums wurde heute von einem riesigen Chor geschmettert und verlor dadurch seine Kargheit und Erdigkeit. Ganz anders als aus der Konserve klang auch Creature Fear. Geradezu brachial und noisig wurde hier zu Werke gegangen und die Schlagzeugsalven hatten eine immense Wucht.Bon Iver goes Post Rock!
Letztlich wurde der Erstling komplett neu arrangiert serviert und entsprach im Klangbild dem zweiten Werk. So war dann auch Flume, die erste Zugabe, wesentlich opulenter als früher und hinsichtlich der Orchestrierung nicht von neuen Stücken zu unterscheiden. Die zweite Zugabe Wolves und den eher nervigen Mitsingpart ("what might have been lost") fand ich schon damals nicht so toll und war deshalb froh, daß es mit For Emma noch einen besseren Schlußpunkt gab.
Gegen 22 Uhr war die Messe gelesen und die modebewußten Jünger trotteten in der Mehrzahl sehr zufrieden aus der Halle.
Die Veranstalter dürften ebenfalls ein positives Fazit von dem ersten Pariser Pitchfork Festival gezogen haben, selbst wenn man sich zwischen den ganzen Engländern und Amerikanern nicht wie in Paris fühlte.
Nächstes Jahr wieder? Schau' mer mal.
Gute Nacht!
P.S: Morgen auch noch ein paar Sätze zu dem charmanten Jens Lekman und der gewohnt käsigen Lykke Li.
Setlist Bon Iver, Pitchfork Music Festival, La Grande Halle de la Villette, Paris:
01: Perth 02: Minnesota, Wi 03: Holocene 04: Blood Bank 05: Beach Baby 06: Hinnom, TX 07: Wash 08: Towers 09: Creature Fear 10: Skinny Love 11: Calgary 12: Lisbon, Oh 13: Beth/Rest
14: Flume 15: The Wolves
16: For Emma
Fotos in Kürze!
Ausgewählte Konzerttermine Bon Iver:
30.10.2011: E-Werk, Köln 01.11.2011: C-Halle, Berlin 06.11.2011: Docks, Hamburg
Konzert: Bon Iver Ort: Haldern-Festival Datum 15.08.2009 Zuschauer: sehr sehr viele Dauer: 60 min
Musikfans kennen die Entstehungsgeschichte des wundervoll intimen Albums For Emma Forever Ago von Bon Iver inzwischen auswendig. Ein Mann mit Liebeskummer - der Sänger und Gitarrist Justin Vernon- zieht sich für ein paar Monate auf eine einsame Jagdhütte in den USA zurück und schreibt einige der betörendsten Lovesongs der letzten Jahre. So weit, so schön. Wie die ziemlich reduzierten Albumtracks aber live klingen, wissen längst noch nicht alle. Nur ein überschaubarer Teil der Festivalbesucher in Haldern hat den vierschrötigen Aussteiger schon einmal live erlebt. Diejenigen, die bei den Konzerten in Köln, München oder anderswo aber dabei waren, schwärmten von dem berauschenden Erlebnis allerdings in den höchsten Tönen. "Grandios, überwältigend, sensationell", so urteilten viele dieser Glückspilze. Am heutigen 15. August wollen sich gerne noch viel mehr Leute davon überzeugen lassen, wie gut Justin und seine Band sind. Schon kurz bevor es losgeht, scharren viele Fotografen ungeduldig mit den Hufen und warten auf Einlass. Konzerterlebnisse werden ausgetauscht und ich habe die Gelegenheit, etwas mit meinem Pariser Bon Iver Konzert von 2008 zu prahlen. "Eines der besten Konzerte des letzten Jahres" berichte ich und Klaus von Persona Non Grata und ein anderer Bursche hören aufmerksam zu. Klaus ist ein toller Fotograf und ein netter Kerl. Er kommt aus Leipzig und seinen sächsischen Akzent hat er glücklicherweise nicht abgelegt. Für das Magazin Persona Non Grata macht er seit geraumer Zeit Fotos und die Postille hat in Haldern sogar seinen eigenen Stand. Ich habe mir aus Neugierde eine alte Ausgabe gekauft und Klaus zeigt ein wenig stolz sein hübsches Foto von Tom "Deus" Barman, das er während eines Interviews geschossen hatte. So vergeht die Zeit sehr angenehm und nun dürfen wir endlich in den Graben vorrücken. Ein tolles Gefühl: Die Band vor, die begeisterten Zuschauer hinter einem. Justin Vernon trägt ein olivfarbenes Unterhemd und sein junger Gitarrist Mike Noyce ein Fuballshirt und Shorts. Komplettiert wird das Live Line-Up von Sean Carey und Matthew Maccaughan. Eine sympathische Truppe, keine Frage! Sie starten mit dem herrlichen Flume ins Programm und sofort ist sie da, die Gänsehaut. Justin singt einfach zu ergreifend, als daß ich mich der Wirkung entziehen könnte. Seine Kopfstimme kommt präzise, punktgenau und sehr fest und nichts wirkt forciert. Ein Genuß ihm zuzuhören. Mit dem nachfolgenden Creature Fearwird das Tempo und die Lautstärke spürbar angezogen und am Ende rockt das Quartett ganz schön ab. Darauf waren einige, die nur das Album kannten, nicht gefasst. Bon Iver können auch Druck machen und wie! Die sonnendurchflutete Wiese vor der Hauptbühne beschallen sie locker.
Nach Lump Sum ist für die Fotografen Schluß. Sie müssen abziehen und nun wie jeder andere hinter der Absperrung das Konzert verfolgen. Es bleibt trotzdem genauso schön wie zu Beginn. Songs von einer Compilation (Dark Was The Night) und der Blood Band EP(2009) erfreuen das Herz. Natürlich spielt Justin auch das grandiose Skinny Love(Text: "I told you to be patient") und den traumhaften Titelsong For Emma, Blindsided, einer meiner Favoriten des Albums, wird aber ausgelassen. Stattdessen hat der lausbübische Gitarist Mike Noyce seinen großen Auftritt und trägt ein Graham Nash Cover vor. Ein warmer Applaus ist hinterher der Lohn. Ganz am Ende wird auch das Publikum aktiv eingespannt, es soll den Refrain "What might have been lost" von The Wolves mitsingen und nach anfänglichen Startproblemen summen tatsächlich einige mit. Das Stück endet fulminant und intensiv und beschließt ein wunderschönes Konzert.
Justin Vernon ist einer der ganz Großen, auch live, auch auf einer großen Bühne, dies hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt! Das neue Album kann ich kaum erwarten...
Text von Oliver Peel
Setlist Bon Iver, Haldern Pop Festival 2009:
01: Flume 02: Creature fear 03: Lump sum 04: Skinny love 05: Bracket, WI 06: Babies 07: Blood bank 08: Simple man (Graham Nash Cover) 09: For Emma 10: re: stacks 11: Wolves
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