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Dienstag, 4. Februar 2014

Erik Penny, Köln, 31.01.14

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Konzert: Erik Penny
Ort: Stereo Wonderland, Köln
Datum: 31.01.2014
Dauer: 75 min
Zuschauer:gefüllt bis zum Anschlag, geschätzt ca. 70



von Petra aus der Nähe von Köln

Erik Penny, ein Name, zu dem ich bis vor kurzem weder ein Gesicht noch einen bestimmten Musiktitel hätte zuordnen können. Etwas überrascht sind wir schon, als wir um kurz vor halb neun einen ersten Blick in das Stereo Wonderland werfen. Die überschaubare Bar ist schon so gut gefüllt, dass wir uns ernsthaft fragen, ob wir da wohl überhaupt noch hinein passen. Der gebürtige US Musiker, seit einigen Jahren mit Wohnsitz in Berlin – und übrigens ganz hervorragenden Deutschkenntnissen – hat ganz offensichtlich eine treue Fangemeinde in Köln. Eine bunt gemischte Truppe netter Menschen, die gerne noch ein wenig enger zusammenrückt, um auch uns noch etwas Platz zu machen. Und wir sind bei Weitem nicht die letzten, die freundlich aufgenommen werden. 


Als Erik kurz darauf die kleine Bühne betritt, wird schnell klar, was sein Publikum so an ihm schätzt. Diesen Abend bestreitet er alleine mit der Akustikgitarre und seiner wunderbar warmen Stimme. Man merkt ihm sofort an, mit wie viel Freude und Leidenschaft er seine Lieder vorträgt. Schon als ich mir vor dem Konzert einige davon via Soundcloud anhörte, fiel mir auf, dass er seine Herkunft nicht verleugnen kann, denn die spiegelt sich im Stil sehr vieler seiner Songs wieder. Besonders sein letztes Album Heart Bleed Out, über Pledge Music realisiert, ist wesentlich geprägt vom „Americana“. Dabei sind viele seiner Melodien eingängig, die Lyrics, manchmal persönlich und über die Liebe, das Leben allgemein. Inspiriert von der Wüstenlandschaft, in der Penny aufwuchs sowie der Zeit, die er in L.A. verbrachte, werden Erinnerungen geteilt, die auch das amerikanische Lebensgefühl wieder geben. Vom ersten Ton an macht es großen Spaß diesem sympathischen Singer/Songwriter zuzuhören – bei seinen souverän dargebotenen Stücken wie auch den zahlreichen kleinen Plaudereien, die er zwischen den einzelnen Liedern mit uns, seinen Zuhörern, sehr offen und ungekünstelt, führt. Das Gitarrenspiel ist für mich Genuss pur und Erik beherrscht es wirklich perfekt. 

Die nicht vorhandene Setlist kann ich leider nicht mehr rekonstruieren. Dazu waren mir die Lieder einfach nicht geläufig genug. Beim Anhören der beiden Alben, in deren Besitz ich jetzt bin – neben dem aktuellen Album Heart Bleed Out freue ich mich ganz besonders Erik Penny & Band, Live At The Sofa Sessions entdeckt zu haben, das, in Eriks Wohnzimmer aufgenommen, wirklich ein ganz besonderes Schätzchen ist - erkenne ich natürlich einige der Lieder wieder, die gespielt wurden. So wie Flowers and Fire, ein sehr schönes Stück, das sofort im Gehörgang hängen bleibt. Oder auch Heart Bleed Out, Titelsong des gleichnamigen Albums. Und natürlich Another Way Of Talking und ich glaube auch ziemlich sicher Old Enemies. Nicht zu vergessen Under The Gun, das wunderbare Honey Please und Bend, das ich ganz besonders mag. Ein gelungenes Cover von Bad Moon Rising war eine von drei Zugaben – „Im Land der Zugaben“ (O-Ton Erik Penny). 

Nach diesem Abend im gut aufgeheizten Stereo Wonderland, den wir sehr genossen haben, hat Erik Penny zwei weitere Fans gewonnen. Und ich weiß nun am Ende meines Berichts eine ganze Menge mehr über einen interessanten Musiker, der vorher für mich ein doch eher unbeschriebenes Blatt war. Eine tolle Neuentdeckung für mich!



Dienstag, 7. Januar 2014

My Year In Lists: die 5 besten Konzerte des Jahres (Petra)

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Petra aus der Nähe von Köln hat uns in den letzten Monaten einige tolle Konzertberichte geschickt aus Köln, London oder Klingenberg. Hier ihre Konzerte des Jahres mit einer besonders wundervollen Nummer eins!



Meine Top 5 Gigs 2013 

Platz 5 Villagers 25. November 2013 Luxor, Köln 


Conor O’Brien, der kleine Ire mit der gewaltigen Stimme, ist ein großartiger „Storyteller“. Und sein geniales Songwriting setzt er live mit seiner Band einfach toll um, so dass mich der Abend im Luxor sehr begeistert hat. Die Lieder, eine gute Mischung aus beiden Alben und auch das wunderbare noch unveröffentlichte „Hot Scary Summer“, waren bis ins kleinste Detail ausgefeilt einfach klasse vorgetragen. Besonders die ruhigen Stücke,wie „My Lighthouse“, genoss ich sehr inmitten eines erfreulich ungeschwätzigen Publikums. Ich könnte auch sagen, sie waren einfach alle zu sehr im Bann der Musik um zu reden. Ganz genauso ging es mir ja auch! 

Platz 4 Tallulah Rendall, Ray Gibson 12. Oktober 2013 Schlosskeller, Klingenberg 

Diesem Konzert hatte ich schon lange entgegen gefiebert und ich wurde nicht enttäuscht, wie man in meinem Bericht hier im Konzerttagebuch auch gerne noch einmal nachlesen kann! Tallulah und Ray waren einfach super! 









Platz 3 Jim Kroft 21. Mai 2013 Blue Shell, Köln 


Es passiert mir jedes Mal auf’s Neue! Wenn ich nach einem Konzert von Jim Kroft den Veranstaltungsort verlasse, habe ich ein breites Grinsen im Gesicht, das sich so gar nicht mehr verflüchtigen will. Genau so war es auch an diesem Abend, als das Energiebündel Jim mit seiner Band das Blue Shell rockte. Schweißtreibender Rock ’n Roll, dazwischen ein paar sehr emotional dargebotene Akkustikstücke und die netten Plaudereien mit seinen Zuhörern – Jim Kroft, ein Musiker der immer alles gibt, hat mich live wieder einmal mehr beeindruckt und begeistert. 

Platz 2 Bill Ryder-Jones 8. Mai 2013 The Lexington, London 


Das Publikum im ausverkauften Lexington dankte einem mehr als aufgeregten Bill Ryder- Jones mit begeistertem Applaus (und ein paar feuchten Augen) für seine wunderschöne musikalische Darbietung und seine Rückkehr auf die Bühne. Mit zum Niederknien schönen Melodien und Arrangements, seinem unbestreitbar musikalischen Können, sowie einer Band im Rücken, auf die er sich zu 100 % verlassen kann, hat er einen seiner ersten live Auftritte 2013 mit Bravour gemeistert. Und dabei eine emotional aufgeladene Atmosphäre geschaffen, der man sich nur schwer entziehen konnte. Der Support, der an diesem Abend mit von der Partie war, By The Sea, trug mit dazu bei, das diese Show ein absolutes Highlight in meinem Konzertjahr 2013 war. 

Platz 1 The Pastels 8. November 2013 Scala, London 


Fast hätte ich wegen einer Eurostar Panne mein Konzert des Jahres verpasst, was mich unsagbar geärgert hätte. Zum Glück kam ich dann aber doch in den Genuss den wunderbaren „The Pastels“ mitsamt der Band ihres Gitarristen Gerard Love „Lightships“ als Vorband live lauschen zu dürfen. Ein Konzert, bei dem einfach alles passte, tolle Songs – ein Mix aus alten Zeiten und dem hervorragenden, neuen Album „Slow Summits“ -, mitreißend präsentiert, exzellente Musiker, bei denen die Musik und deren Präsentation im Vordergrund stand und eine super Stimmung im proppenvollen „Scala“! Das war einfach nur Spaß pur!



Montag, 21. Oktober 2013

Martin & James, Köln, 19.10.13

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Konzert: Martin & James (Jim Kroft)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 19.10.2013
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden
Zuschauer: ca. 300 - 400



von Petra aus der Nähe von Köln

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich Martin & James in den vergangenen Jahren live on stage gesehen habe. Es war wirklich interessant den Weg, dieser in Berlin lebenden Musiker, die ursprünglich aus Coatbridge, nahe Glasgow stammen, zu verfolgen. Zum ersten Mal hörte ich von ihnen vor einigen Jahren, wenn ich mich recht erinnere war es wohl 2007, auf Myspace. In diesem damals sehr beliebten Social Network bekam ich immer sehr viele Nachrichten von mir völlig unbekannten Musikern, die ich ehrlich gesagt meistens nicht weiter verfolgte. Martin & James jedoch hatten mir eine so charmante und witzige Mail geschrieben, das ich neugierig wurde und mir ihre Musik anhörte. Und sie gefiel mir auf Anhieb sehr gut. 

Im Nachhinein muss ich sagen, es war schon beeindruckend zu sehen wie sie mit ihrem enormen Fleiß und einem unerschütterlichen Glauben an ihre Musik immer bekannter wurden. Bis schließlich auch die Musikindustrie auf sie aufmerksam wurde. 

Martin & James sind zwei exzellente Musiker. Mit einem Gespür für sehr melodische Harmonien, die sie mit ihren sich perfekt ergänzenden Stimmen vortragen, schreiben sie ganz einfach wunderschöne Songs. Mit oft sehr tief gehenden Lyrics. Hat man sie einmal live erlebt, vergisst man sie nicht mehr. Ganz nebenbei sind es auch noch zwei verdammt nette Kerle, ausgestattet mit einem guten Sinn für Humor, die sich ihre freundliche Art im Umgang mit ihren Fans zum Glück über all die Jahre hinweg bewahrt haben. Auf der Bühne wie auch nach den Konzerten haben sie einen sehr engen und herzlichen Kontakt zu ihren Fans. Und ich mache mir schon manches Mal etwas Sorge ob sie den ganzen Andrang nach der Show überhaupt noch bewältigt bekommen. Aber egal wie anstrengend es auch sein mag, man hat das Gefühl die beiden sind immer mit großer Freude dabei und haben für jeden ein offenes Ohr. 


Im Luxor gab es heute Abend die geballte schottische Ladung aus Berlin. Denn als Support hatten Martin & James ihren langjährigen Freund Jim Kroft dabei. Welcher ein nicht minder netter Schotte ist! Mit viel Spaß und großer Aufmerksamkeit habe ich auch seine musikalische Entwicklung in den letzten beiden Jahren verfolgt. Ich habe ihn bereits einige Male live erlebt und es immer wieder sehr genossen, seinen teils sehr rockigen, teils ruhigen und berührenden Liedern zu zuhören. Berührend, weil Jim sehr ehrliche und persönliche Musik mit seinem Publikum teilt. Seine Lyrics sind vom Feinsten und eine wahre Inspiration. Mal ist er mit seiner kompletten Band, mal alleine mit seiner Akustikgitarre unterwegs. Heute Abend begleitet ihn der virtuose Ben Barritt gesanglich als auch an der Gitarre. 

Mit ein paar neuen Songs im Gepäck, wie Like A Human Heart zum Auftakt, legen die beiden los. Nachdem ich einige Vergleiche heranziehen kann fällt mir sofort auf, wie ausdrucksstark und sicher Jims Stimme heute Abend klingt. Und sie wird ganz wunderbar von Bens Gesang ergänzt. Tell Me, die erste Single aus dem Album Lunatic Lullabies setzen die beiden dann auch echt klasse mit Gitarrenbegleitung um, gefolgt von Blue Sky, einem neuen Lied. Spannend zu hören, wie Lieder, die ich in einer ganz bestimmten Version (meist der auf der CD) im Kopf habe, neu arrangiert wieder völlig anders und erfrischend klingen! Jim und Ben sind mit sichtlich viel Spaß dabei dem Publikum die Songs in dieser Form zu präsentieren. I Hope You Know, ebenfalls auf Lunatic Lullabies zu finden, widmet Jim an diesem Abend Martin & James. „I hope you know, it’s easier to fall than it is to rise...” – ja, ich denke mal diese Erfahrung ist keinem der drei Musiker fremd! Diamonds In The Rough höre ich diesen Abend zum ersten Mal und finde es sehr schön. 


Es folgt ein etwas älteres Lied, das ich total gerne mag. Cracked Polaroid, das leider nur als B-Seiten Titel zu finden ist, kommt beschwingt und leicht daher. Zum nächsten Titel, dem absolut bewegenden I Will Wait möchte ich erwähnen, das er zu einem Projekt gehört, das Jim Kroft auf Anfrage für Spotify gemacht hat. Dazu hat Jim seine Fans eng mit einbezogen. Jeder, der wollte, konnte ihm eine Geschichte aus seinem Leben zuschicken, Jim wählte aus und ganz der kreative Kopf, der er ist, hat er daraus ein paar tolle Songs gemacht. I Will Wait ist einer davon. So wurde aus einer berührenden Geschichte ein bewegender Song. Einfach nur schön! 

Jim holt nun ganz weit aus, nimmt uns mit Typical Day mit zurück in die Zeiten, als es ihn mit seiner damaligen Band Myriad Creatures nach Berlin verschlug. Und katapultiert uns mit The Jailer, bei dem das Publikum gerne mit einstimmt, wieder in die Gegenwart. „Through my weakness I became strong...” Mit einem meiner Lieblingssongs beendet Jim Kroft seinen heutigen Auftritt. Through My Weakness, vom aktuellen Album Lunatic Lullabies, ein wunderschönes Lied, in dessen Lyrics man sich sehr gut hineinfühlen kann!
 

Mit seiner Darbietung hat mich Jim Kroft samt Ben Barritt bestens auf die beiden Musiker eingestimmt, die nun kommen sollten. Die neuen Lieder, denen ich an diesem Abend von ihm lauschen durfte, haben mich neugierig auf das gemacht, was ich in Zukunft noch von ihm hören werde. Und ich bin mir sicher, das wird bestimmt eine ganze Menge an guter Musik sein! 

Setlist Jim Kroft, Luxor, Köln:

01: Like A Human Heart 
02: Tell Me 
03: Blue Sky 
04: I hope you know 
05: Diamonds In The Rough 
06: Cracked Polaroid 
07: I will wait 
08: Typical Day 
09: The Jailer 
10: Through My Weakness 


Martin & James beginnen nach einer kurzen Pause ihr Set, bei dem man so gar nicht das Klischee der „geizigen Schotten“ bestätigt bekommt, denn mit ihren Songs sind sie alles andere als sparsam! Mit sage und schreibe 21 Liedern begeistern sie uns Fans und bieten einen Querschnitt ihres Könnens. Bevor sie 2011 ihr erstes Album Martin and James veröffentlichten, hatten sie, wie heute so üblich, schon ein paar EPs herausgebracht. Martin and James ist für mich ein ganz besonderes Schätzchen, denn darauf ist kein Lied, das ich nicht mag. Beim Anhören wird sofort klar, was die beiden so ausmacht. Lieder, komponiert in kunstvoller Singer/Songwriter Manier, wunderschöne Melodien, anspruchsvolle Lyrics und ihre unverwechselbaren Stimmen. Mit ihrer aktuellen CD Life’s A Show bleiben sie ihrem Stil überwiegend treu und warten mit fast durchweg herausragenden Songs auf, die auch schon mal etwas flotter ausfallen. 

In Begleitung ihrer Band, bestehend aus Stuart am Keyboard, Mark am Bass, Jürgen am Schlagzeug und natürlich Martin & James an den Gitarren (je nach Lied mal E-Gitarre, mal Akustik), starten sie mit dem zeitlos schönen Bloom, einem Song aus ihren frühen Jahren. 



Mit Where I Belong spielen sie das erste von vier Liedern ihres neuen Album und schlagen damit rockigere Töne an. Auch Cold Heart, My Dog Don’t Like The Rain und My Last Prayer begeistern. Wie ich es schon von ihren früheren Auftritten in Köln kenne, haben sie schnell eine Verbindung zu dem Publikum hergestellt und genießen es sichtlich, wieder einmal in der Domstadt zu sein. Was meist in ihrem charmanten, schottischen Akzent beteuert wird, aber auch schon mal in ein paar netten Worten Deutsch. Tides ist wieder ein ruhigeres Lied, gefolgt vom wunderbaren Cynical Skin, das auf ihrer neuen CD zu finden ist. 



Nach Crashing Into Love spielen Martin & James ein paar Stücke ohne Band. Den Anfang macht das melancholische I Know A Girl, das zum Niederknien schön dargeboten wird. Einfach toll! Zwei Männer, zwei Gitarren – mehr braucht es auch nicht um das Publikum mit Maybe It’s Time in seiner sehr ursprünglichen Form zu begeistern. 


Die Jungs sind wirklich clever, das muss ich ihnen lassen. Nachdem sie bei ihrem Konzertauftakt in Hannover nach den ersten paar Liedern einen Komplettausfall ihrer Musiktechnik hatten, haben sie die Show einfach mutig, ohne jegliche technischen Hilfsmittel bestritten. Und scheinbar hat ihnen das, und ihrem dortigen Publikum auch, so gut gefallen, das sie heute Abend auch im Luxor einfach mal einen Song unplugged „ohne Strom“, wie Martin sagt, spielen. So ruhig habe ich die Zuhörer in dieser Location selten erlebt. Es ist wirklich Muckmäuschen still als die beiden You’re A Window, mit Martin noch zusätzlich an der Mundharmonika, zum Besten geben. Und es ist ganz wunderbar. Man könnte sagen, etwas ganz Besonderes. Nach Bad Dream, einem älteren Lied, wird die Band wieder auf die Bühne gebeten. Jedoch nicht an ihren Instrumenten, sondern neben Martin & James plaziert. 

Alle zusammen singen nun I Have To Fall und wenn man meinen Bericht bis hierher gelesen hat, kann man sich sicher unschwer vorstellen das die Stimmung im Luxor ziemlich gut war. 


Das rockige See No Land vom neuen Album treibt das Tempo weiter voran und ein begeistertes Publikum geht gerne mit. Die beiden Schotten haben sich scheinbar gerade erst warm gespielt! Mit Wrong Direction und The Rope schlagen sie etwas ruhigere Töne an um dann mit dem, man könnte schon fast sagen Gassenhauer, Matilda erneut Gas zu geben. Erwähnen möchte ich, das die beiden dieses Lied für James’ kleine Tochter geschrieben haben, was ja wirklich sehr herzerwärmend ist! Und zur „Kölner Grundstimmung“ passt es irgendwie auch ganz hervorragend! Das Publikum nimmt es auf jeden Fall mit großer Begeisterung an und stimmt mit ein. 

Das Konzert ist zu Ende und unter tosendem Applaus verlassen die Musiker die Bühne. Lange muss man sie aber nicht bitten zurück zu kommen! Zunächst nur Martin & James um All Over The News, eines ihrer sicherlich bekannteren Lieder zu spielen. 



Mit der kompletten Band folgt noch Little Bits Of Light und als Jim Kroft und Ben Barritt auch noch die Bühne betreten einer der Höhepunkte des Abends. Alle zusammen tragen You’ll Be Gone, I’ll Be Here vor. Ein wunderschönes, ergreifendes Lied, das sehr emotional dargeboten wird. 

Man mag es kaum glauben, aber mit Life’s A Show beenden Martin & James ihr mehr als gelungenes Konzert. Hut ab, das war eine super Leistung! Sie haben mir einmal mehr bewiesen, das sie live einfach toll sind. Und mich neben ihrer musikalischen Darbietung, die mich begeistert hat, auch wieder einmal mehr mit ihren netten Plaudereien zwischen den Songs und ihrem ganz eigenen Humor des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. O-Ton James über Martin & James: „We work together, we live together in Berlin – it’s a very romantic story...” Ich hoffe mal diese „romantische Geschichte“ dauert noch ganz lange Zeit an! 



Setlist Martin & James, Luxor, Köln:

01: Bloom 
02: Where I Belong 
03: Cold Heart 
04: My Dog Don’t Like The Rain 
05: My Last Prayer 
06: Tides 
07: Cynical Skin 
08: Crashing Into Love 
09: I Know A Girl 
10: Maybe It’s Time 
11: You’re A Window 
12: Bad Dream 
13: I Have To Fall 
14: See No Land 
15: Wrong Directions 
16: The Rope 
17: Matilda

18: All Over The News (Z)
19: Little Bits Of Light (Z)
20: You’ll Be Gone, I’ll Be Here  (Z)
21: Life’s A Show (Z)



Mittwoch, 16. Oktober 2013

Tallulah Rendall, Klingenberg, 12.10.13

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Konzert: Tallulah Rendall, Ray Gibson & Four-on-one
Ort: Schlosskeller, Klingenberg am Main
Datum: 12.10.2013
Dauer: ca. 3 Stunden
Zuschauer: ca. 20 



von Petra aus der Nähe von Köln

Was für ein fantastischer Abend! Danke Tallulah, Ray und ein ganz besonderes Dankeschön geht an die Gastgeber des Abends – Four – on – one! Ihr wart alle spitzenmäßig! 

Schon einmal hatte ich geplant Tallulah Rendall live im Rahmen ihrer zurzeit veranstalteten Living Room Gigs zu sehen, was dann aber leider nicht klappte. Umso mehr freute ich mich nun darauf diese stimmgewaltige, sehr eigenwillige Künstlerin endlich einmal live on stage erleben zu können. 


Schon die Anreise war äußerst abenteuerlich, denn unser Navi, nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, führte uns anstatt über die Schnellstraße durch die Hügel und Täler des düsteren Odenwaldes und ließ uns sogar einmal ganz im Stich. Bestens amüsiert wurden wir bei unserer Ankunft in Klingenberg am Main aber mit einem tollen Blick auf die hoch über der Stadt thronenden, beleuchteten Burg belohnt. Das Schloss mitsamt Schlosskeller liegt allerdings mitten im Ort und befindet sich in Privatbesitz. Alte Gemäuer, das sind immer sehr einladende Locations für mich! 

Die aus London stammende Musikerin Tallulah Rendall, die auch zeitweise in Berlin wohnt, hatte bereits zwei Alben veröffentlicht als ich auf ihre Musik aufmerksam wurde. Libellus (2009) und Alive (2010) kommen jedoch nicht nur als Hörgenuss daher. Beide CDs sind auch mit einem kunstvoll gestalteten Hardcover Buch erhältlich. Für Alive verleihen darin verschiedene Künstlerinnen den einzelnen Songs in ihren Kunstwerken wie Gemälden und Schmuckstücken Ausdruck. Wie auch im Buch zu Libellus, welches liebevoll von Tallulah selber gestaltet wurde, erfährt man viel über die Hintergründe der Lieder und Entstehungsprozesse der Interpretationen. Was auch noch zusätzlich auf der Alive beiliegenden DVD zu sehen ist. 

Als Tallulah Ende 2012 eine Crowd Funding Aktion zur Finanzierung ihres dritten Albums startete, war es für mich keine Frage dabei mit zu machen. The Banshee And The Moon ist bis jetzt ausschließlich als Download Version für alle Supporter erhältlich. Ganz selbst die Frau, hat die talentierte Musikerin für ihr neues Werk alle Instrumente selber eingespielt. 

Tallulah ist aber nicht nur eine Vollblutmusikerin, sondern auch eine sehr kreative Künstlerin, die es sehr gut versteht ihre Musik in einer ganz eigenen Form zu präsentieren. Ihre meist sehr vom Bass geprägten Songs sind in Kombination mit ihrer Stimme etwas ganz Besonderes. Nachdem ich ihre CDs wirklich außergewöhnlich gut finde war ich schon mehr als gespannt darauf wie sie mir live wohl so gefallen würde. 

Und es war mehr als eine glückliche Fügung das sie auch noch Ray Gibson mit im Gepäck hatte. Zwar kannte ich von dem in Berlin wohnenden Briten bis jetzt nur einige wenige Stücke, aber ich ahnte schon, der ist richtig gut. Was er uns dann auch gleich bewies, als er den musikalischen Abend eröffnete. 

Ray Gibson, auch bekannt als „The Singing Painter“ (denn er malt auch ganz wunderbare Bilder!), bezauberte uns im - mit ein paar gemütlichen Sofas und einer kleinen Bar eingerichteten - Schlosskeller auf Anhieb. Ausgestattet mit einer sehr markanten, warmen Stimme, einfach brilliant, fiel ihm das auch ohne seine sechsköpfige Band sichtbar leicht. Wie bereits erwähnt, hörte ich die meisten seiner Lieder zum ersten Mal, war aber sofort von seiner Musik und Stimme in Bann geschlagen. Das Anhören seiner 2013 erschienenen CD Banana For The Monkey hat mich nun restlos überzeugt. Ein sehr professionell produziertes Album, das einem aufhören lässt. Viele der sehr atmosphärischen Lieder haben sofort mein Kopfkino in Gang gesetzt, Bilder erzeugt, ja besitzen fast schon Soundtrack Qualität. Das mag damit zusammen hängen das Ray als Maler auch ein sehr visueller Mensch ist. Ich kann nur jedem, der auf der Suche nach neuer, besonderer Musik ist ans Herz legen einmal auf Rays Homepage vorbei zu schauen. Es lohnt sich auf jeden Fall! 

So kamen wir also in den Genuss Ray an diesem Abend sehr „pur“ zu hören. Mit Debt Collectors spielte er dann auch den ersten Song seiner CD. Super Titel für ein klasse Stück, von dem wir wohl alle ein Lied singen könnten... Gefolgt vom brandneuen The Keeper Of The Sea und Shine, beide Stücke sehr souverän dargeboten. Es fällt auf, Ray kommt auch auf der Bühne völlig ungekünstelt als der absolut warmherzige und sympathische Mann herüber, den wir an diesem Abend kennen lernen durften. Man merkt ihm an, wie sehr er es genießt auch vor einem kleineren Publikum aufzutreten. Und die netten Plaudereien zwischen den einzelnen Liedern sind wirklich sehr charmant! 

Red Ribbon ist nun endlich ein Lied, das auch ich schon kannte. Ein wirklich wunderschönes, das zu Herzen geht. Dazu Rays gefühlvolle Stimme, sanfte Gitarrenklänge – manchmal sind es gerade die leisen Töne die den Zuhörer fesseln und begeistern. 



Es folgen Lazy Gold, Milk Dream und Full Time Hobby. Diese neuen Lieder haben mir auch sehr gut gefallen. GuGu ist ein ganz besonderes Lied, denn Ray hat es für ein Kinderbuch komponiert, das er ebenfalls selber geschrieben und illustriert hat. Nachdem ich einen Blick in das Buch geworfen habe muss ich sagen, es passt alles toll zusammen – der Song, die Illustrationen sowie der Text! 



Mit dem mitreißenden Supersonic Morning beendet Ray sein Set. Bevor er loslegt werden wir noch eingewiesen, wann genau wir mitklatschen sollen und wir lassen uns nicht lange bitten und sind mit viel Spaß dabei. 



Ray Gibson, ich bin Tallulah jetzt schon dankbar das er sie auf ihrer Tour durch Deutschland begleiten durfte – eine absolut fantastische Neuentdeckung für mich! Mit Sicherheit habe ich ihn nicht zum letzten Mal live gesehen! 

Setlist Ray Gibson, Schlosskeller, Klingenberg:

01: Debt Collectors 
02: The Keeper Of The Sea 
03: Shine 
04: Red Ribbon 
05: Lazy Gold 
06: Milk Dream 
07: Full Time Hobby 
08: GuGu 
09: Supersonic Morning 

Was folgt ist eine Künstlerin und ihre E-Gitarre. Tallulah Rendall betritt die kleine Bühne einfach als die, die sie ist: eine temperamentvolle, herzliche und sehr aufgeschlossene junge Musikerin mit einer unglaublichen Präsenz . Ein kleines „Problem“ mit der Technik ist dank Rays Hilfe schnell beseitigt und nach ein paar netten Worten kommt nun der Moment, dem ich schon einige Zeit entgegengefiebert habe: Tallulah live on stage legt los... Ihre Stimme, die mich schon auf ihren CDs total beeindruckt hat, ist live einfach phänomenal. Gesegnet mit einem gewaltigen Stimmumfang bereiten ihr auch die höheren Stimmlagen keine Mühe und sie klingt unglaublich sicher. 

Mit Go Bathe In The Light – Gänsehaut pur - startet die Powerfrau durch und findet einen super Einstieg in ihr Repertoire, das an diesem Abend hauptsächlich aus Liedern ihrer ersten beiden Alben besteht. Inspiriert durch einen Konzertbesuch bei der legendären Patti Smith schrieb sie diesen Song, sowie auch Hope Tonight, was sie direkt im Anschluss spielt. 



Nach dem ruhigeren Time away gibt Tallulah mit Blind Like A Fool wieder richtig Gas. Ein toller Song zu dem es dieses gelungene, witzige Video gibt. 



Black Seagull ist für mich das Highlight dieses Konzertes! Einfach ein klasse Lied – live als auch auf CD! Ich muss hier einmal erwähnen das Tallulah an diesem Abend die Technik der „Loops“ für sich nutzte, und damit für mich erstaunliche Effekte erzielte. 



Hear Me Now ist eines von zwei Stücken, die vom aktuellen Album präsentiert werden. Ruhigere Töne werden mit dem fantastischen Ghost On The Water angestimmt. 



Die Lady greift nun zum E-Bass, den sie ebenfalls perfekt beherrscht. Das groovy Bassspiel wird begleitet durch Loops - Lost On The Way und Lay Me Down in dieser Art vorgetragen hat schon etwas ziemlich einzigartiges! Ich jedenfalls bin völlig fasziniert von dieser Darbietung. Auch in Canary, einem weiteren Titel ihrer neuen CD, begeistert Tallulah mit ihrem Spiel am Bass. Hut ab - alle diese Stücke ganz alleine live zu spielen ist schon eine tolle Leistung! Es ist ihr eigentlich letztes Stück, aber das begeisterte Publikum möchte mehr! 



Dem Wunsch kommt Tallulah gerne nach und so dürfen wir uns noch an zwei Zugaben erfreuen, eine davon mit Pianobegleitung. Denn auch hier zeigt sie wieder einmal, das sie ein richtiges Multitalent ist! Pieces und Trust In Me beenden ein mehr als tolles Konzert. Ehrlich gesagt bin ich etwas sprachlos, aber auch überglücklich, das ich genau diese Musikerin in einem solch intimen Rahmen live erleben durfte. Eine, die so unbeirrt ihren Weg geht und ihr „Ding macht“, entgegen allen Widrigkeiten die das heutige Musikbusiness so mit sich bringt. Das finde ich sehr mutig und bewundernswert! Und es war sehr nett Tallulah Rendall, die wirklich allen Grund hätte sich auf ihr Talent etwas einzubilden, als eine sehr Down-To-Earth Person, mit einem großen Herzen, kennen lernen zu dürfen. Eine tolle Frau, die man einfach mögen muss! 

Setlist Tallulah Rendall, Schlosskeller, Klingenberg:

01: Go Bathe In The Light 
02: Hope Tonight 
03: Time Away 
04: Blind Like A Fool 
05: Black Seagull 
06: Hear Me Now 
07: Ghost On The Water 
08: Lost On The Way 
09: Lay Me Down 
10: Canary 
 
11: Pieces  (Z)
12: Trust in me (Z)


Der Abend war aber noch lange nicht zu Ende! Die Gastgeber Four-on-one, eine sympathische, noch sehr junge Band aus Klingenberg, die in ihren Proberaum, den Schlosskeller, geladen hatten, stürmten nun die Bühne. Und das wurde jetzt ziemlich voll, denn sie sind zu siebt! 

Was mich ganz besonders freute, war zu sehen und hören was für Nachwuchstalente hinter dicken Schlossmauern heranwachsen - es besteht also noch Hoffnung für die neue deutsche Musikwelt! Okay, die Jungs und ein Mädel spielen noch vorwiegend Cover – und das wirklich hervorragend -, konnten aber auch mit vier eigenen Kompositionen aufwarten, die mir sehr gut gefallen haben. Und die ich mir jetzt gerne noch einmal anhören würde. Also, bitte ein wenig Beeilung mit der angekündigten EP! Ich werde diese Band auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren, denn da wächst etwas Spannendes heran! 


Neben all den tollen Coverstücken, mit denen wir super unterhalten wurden möchte ich hier nur die eigenen Stücke erwähnen: 

Headstorms
Dying On The Road
Straßen Aus Papier
Better Of Without You

Bei den letzten Liedern wurden Tallulah und Ray noch einmal auf die Bühne gebeten und es wurde so richtig abgerockt. Wie es sich eben so im Spessart gehört! Der Abend endete für uns so, wie er begonnen hatte – mit vielen gut gelaunten Menschen und einer super Atmosphäre! Den Rückweg haben wir sogar über die Schnellstraße geschafft. Und nächstes Mal wissen wir dann Bescheid... 


Mittwoch, 18. September 2013

Bill Ryder-Jones, Bristol, 13.09.13

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Konzert: Bill Ryder-Jones
Ort: The Louisiana, Bristol, England
Datum: 13.09.2013
Dauer: ca. 2 h
Zuschauer: ca. 40



von Petra aus der Nähe von Köln

Bill Ryder-Jones, Sturm und Regen. An einem Freitag, dem 13.! Das passte alles, irgendwie. Obwohl dieser Tag und Abend alles andere als ein Unglückstag für mich war. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr habe ich mich auf den Weg nach UK gemacht, um ihn live zu sehen. Und es hat sich gelohnt, mich mit meinem vom Wind zerfetzten Regenschirm zur Venue durchzukämpfen. 

Ich muss sagen, ich finde dieser junge Musiker ist ein ziemliches Ausnahmetalent. Die Musikgeschmäcker sind ja bekanntlich, und auch zum Glück, sehr verschieden. Sowie eine sehr persönliche Empfindung. Weswegen man sich natürlich darüber streiten kann. Die Meinungen über Bills Post-The Coral Zeit gehen ja wohl auch ziemlich auseinander. Ich hatte das Glück seine Musik für mich zu entdecken, ohne The Coral gekannt zu haben, so dass ich völlig unvoreingenommen war. Und eben auch keine großen Vergleiche anstellen konnte oder irgendwelche Erwartungen hatte. 

Die Idee, ein Buch zu Musik zu machen hat mich total begeistert. Ich muss, glaube ich, nicht noch erwähnen das ich sein Album If… extrem gut finde. Diese emotionalen Stücke, zum Teil sehr tief gehend, dann wieder von einer großen Leichtigkeit und Einfachheit, wunderbar arrangiert, berühren mich beim Anhören immer wieder. 


Seine neue Veröffentlichung im April diesen Jahres habe ich dann auch mit großer Spannung erwartet. A Bad Wind Blows In My Heart – für mich ein rundum gelungenes Werk eines Künstlers, der sich darauf erneut emotional und sehr ehrlich präsentiert. Und zeigt, was er so drauf hat. Mich hat es tief beeindruckt. Sein Gespür, eine Stimmung oder ein Gefühl in Noten umzusetzen, ohne dass es je überladen oder aufgesetzt wirkt, gefällt mir sehr gut. Und so hat es mich denn dieses Mal in das schöne Bristol verschlagen, in eine wunderbare, kleine Location.

Der gut überschaubare Konzertraum im ersten Stockwerk des Pub The Louisiana erinnert ein wenig an ein gemütliches Wohnzimmer. Und so war die Atmosphäre darin dann auch schon fast familiär. 

Leider kam ich mit etwas Verspätung an, so dass ich den Auftritt des ersten Musikers, Eddy Hill, doch glatt verpasst habe. Was mir nicht entging, ist auf einen gut gelaunten, sympathischen Bill Ryder-Jones zu treffen, der es schon vor dem Gig sichtlich genoss, ein wenig mit seinen Fans zu plaudern. 


Der zweite Act des Abends, Peter And The Harmonics, machen ihrem Namen dann auch alle Ehre. Eine eigentlich vierköpfige Band, deren perfekte Folk-Pop Harmonien an diesem Abend aber nur als Trio zu genießen waren. Wirklich hübsche Musik einer netten Band aus Bristol, von der ich mir wünschen würde, dass sie mal ein paar Tunes mehr veröffentlichen. Denn ich fand die ziemlich gut und ihre EP mit vier Songs ist leider viel zu kurz!  


Als Bill mit seiner Band die Bühne betritt, ist gleich klar, seine gute Laune hat er noch. Nach einer knappen Begrüßung zaubert er mit dem, wie den meisten seiner Stücke, ruhigen A Bad Wind Blows In My Heart Pt. 1 sofort eine ihm ganz eigene Stimmung und zieht das Publikum in seinen Bann. Am Klavier erleben wir ihn heute Abend leider nicht, aber sein nächstes Lied „Hanging Song“ funktioniert auch ganz wunderbar mit ihm an der Leadgitarre, begleitet von seiner tollen Band – ein gut eingespieltes Team! 

Mr. Ryder-Jones ist in Bristol auch auf der Bühne überaus gesprächig und zu so manchem Witzchen, gepaart mit viel Selbstironie, aufgelegt. Wie wenn er einen Song ankündigt als „der ihm wieder versagte Nummer 1 Hit“. Oder nachdem er seine drei Solostücke beendet hat, meint „er hole mal lieber wieder die Band zurück, die ersten Zuschauer würden schon den Raum verlassen“. Sie kamen aber wieder – die Band wie auch die Zuschauer! Es ist auf jeden Fall wirklich toll und macht viel Spaß ihn so auf der Bühne zu sehen. 


Nach There’s A World Between Us geht es mit dem etwas flotteren Lemon Trees #3 weiter. Der Gitarrenpart darin ist einfach nur wunderschön und live dargeboten klasse. Überhaupt hat sich der Eindruck des ersten Konzertes, das ich von Bill besucht habe bestätigt, das seine Songs live noch an Intensität gewinnen. 

Es folgt eines meiner persönlichen Lieblingslieder des Albums, Anthony & Owen. Leider fehlt mir auch hier das Piano ein wenig, aber es hat auch etwas das Lied einmal in der E-Gitarrenversion zu hören. Dabei versteht Bill es wirklich es mit seiner ganz persönlichen Note zu versehen und mit seiner rauchigen Stimme vorgetragen zu einem unvergesslichen Hörerlebnis zu machen. Ich sehe, daß es den meisten im Publikum so geht wie mir. Man kann einfach nur da stehen und staunen. Und ist irgendwie ergriffen und tief berührt. 


Jetzt hat die Band erstmal eine kleine Verschnaufpause, denn Bill spielt die nächsten drei Lieder solo. Im Anschluss an By Morning I kommen zwei unveröffentlichte Songs. Während Eli At Night hätte man im Publikum eine Stecknadel fallen hören können. Ein wunderschönes Lied, das mit viel Gefühl präsentiert wird. 1991, sehr eindringlich vorgetragen, lässt einem nachdenklich zurück. 



Die Band ist zurück und zur großen Freude von uns Zuschauern hören wir nun endlich das mitreißende Wild Swans. Die etwas schnelleren Beats zeigen, das bis jetzt doch eher zurückhaltende Publikum ist nun zu richtigen Tanzausbrüchen bereit! Und es macht Spaß – uns und Bill. Als er den Song beendet hat sagt er das auch und stimmt noch einmal die ersten Takte an. Und noch einmal. Bis er dann doch auf Christina umschwenkt und sich alle Tanzwütigen gerne noch einmal im zweiten Teil des Liedes mitreißen lassen. 


Mit He Took You In His Arms gibt Bill mit seiner Band noch einmal alles und schon sind wir beim, wie er uns versichert, leider, leider letzten Lied A Bad Wind Blows In My Heart Pt. 2 angelangt, welches sowohl live als auch auf CD mein absolutes Highlight ist. Obwohl ich hier ehrlich gesagt das Piano schmerzlich vermisse, genieße ich dieses melancholische Stück doch sehr. 

Bill Ryder-Jones am Freitag, dem 13., in Bristol. Der Sturm hat sich gelegt, der Regen fast aufgehört. Ein tolles Konzert ist zu Ende. (Okay, als einzigen „Schwachpunkt“ kann ich nur erwähnen das Bill in einem Song zwei Textzeilen vergessen hat, es uns aber so elegant verkauft hat, das ich ihm gleich wieder verziehen habe.) Vor The Louisiana kann man auf einen fast noch besser gelaunten Bill treffen, der sich gerne alle Zeit der Welt für seine Fans nimmt. Mal sehen wohin mich Mr. Ryder-Jones live das nächste Mal führt, denn aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei! 

Setlist Bill Ryder-Jones, The Louisiana, Bristol: 

01: A Bad Wind Blows In My Heart Pt. 1 
02: Hanging Song 
03: There’s A World Between Us 
04: The Lemon Trees #3 
05: Anthony & Owen 
06: By Morning I 
07: Eli At Night 
08: 1991 
09: Wild Swans 
10: Christina 
11: He Took You In His Arms 
12: A Bad Wind Blows In My Heart Pt. 2



Freitag, 19. Juli 2013

By The Sea, Cambridge, 16.07.13

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Konzert: By The Sea
Ort: The Portland Arms, Cambridge
Datum: 16.07.2013
Dauer: zusammen 150 min
Zuschauer: ca. 80


von Petra aus der Nähe von Köln



Heißer Sound an einem echt heißen und sehr schweißtreibenden Abend im altehrwürdigen Pub „The Portland Arms“ (seit 1852, rekonstruiert in den 1930ern) in Cambridge. Übrigens eine sehr coole Location, wenn man mal vom Wetter absieht. 


Im erst kürzlich renovierten kleinen Konzertraum, der mal so schätzungsweise 100 - 120 Leute fassen kann, eröffnet Matt Randall alias Plantman mit seinen drei Bandmitgliedern um kurz nach acht den Abend. Der aus Southend stammende Musiker, früheres Mitglied der Band Beatglider, präsentiert seine im Februar 2013 erschienene CD Whispering Trees. Wunderbar relaxte Musik! 


Die zweite Band, die ich heute zum ersten Mal sehe, Fuzzy Lights, existiert seit 2004 und hat bereits vier Alben herausgegeben. Ich muss sagen, die vier Jungs um Rachel Watkins und ihre Musik sind echt klasse! Sie bieten abwechslungsreiche Songs, die immer für eine Überraschung gut sind. Ganz besonders gut hat mir Rachel gefallen, die ein echtes Multitalent zu sein scheint. Mit einer super Stimme gesegnet spielt sie nebenher noch Keyboard oder Geige – wie ihre männlichen Mitbestreiter mit sehr viel Spaß an ihrer Musik! 

Bis dahin habe ich mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Und dann kam es wie erwartet noch besser! 


By The Sea hatte mich schon als Supportband im Mai in London auch live echt begeistert. Die fünf Jungs aus Wirral, deren gleichnamiges Album By The Sea 2012 erschienen ist, muss sich wirklich jeder, der bei mir so ein- und ausgeht anhören – ob er nun will oder nicht. Hier in Deutschland noch eher unbekannt, sind sie in ihrem Heimatland von einem gig zum nächsten unterwegs. Und scheinen sich so langsam einen Namen zu machen, was ihnen auch wirklich zu wünschen ist. 


Eher zufällig habe ich ihre Musik für mich entdeckt und mich dabei sofort in ihren „Dreampop“ verliebt! Ich will hier jetzt gar keine Vergleiche anführen. Am besten macht jeder, der Lust hat, sich selber ein Bild und hört einfach mal in ihren Sound rein. Ich war schon sehr gespannt, was sie alles für Lieder spielen würden, da sie zurzeit kräftig an ihrem zweiten Album arbeiten. Und es war toll schon ein paar Songs daraus live hören zu können. 

Eine große Überraschung war dabei für mich der Gesang. Singt Gitarrist Liam Power auf dem ersten Album doch eher mit einer verträumten, sanften Stimme, so schlägt er bei den vorgestellten neuen Liedern ganz andere, viel tiefere Töne an. Und die stehen ihm und der Musik seiner Band verdammt gut. Was man im live Video Endless days hören kann! Wie schon im Erstlingswerk bleibt der Sound anscheinend sehr gitarrenlastig, geprägt von tollen Arrangements mit viel Liebe zum Detail und dem harmonischen Zusammenspiel von Mark Jackson and Liam Power. Der unverkennbare Sound der Band wird komplettiert und getragen von Daniel O’Connells Bassspiel, unterstützt von Joe Edwards’ melodischen Keyboard Klängen und nicht zu vergessen, Andy Roydens hervorragendem Spiel am Schlagzeug. Auf die neue Scheibe bin ich schon sehr gespannt! 


By The Sea - Endless Days (live at Leaf Tea Shop, Liverpool) from FREAKBEAT FILMS on Vimeo.


So beginnt das Set dann auch mit einem neuen Song, Crystal Sky. Gefolgt von einem meiner persönlichen Lieblingssongs, Dream Waters. Wie der Titel schon sagt, zum auf und davon Träumen! Wunderschön das Gitarrensolo in der Mitte des Liedes, haut mich jedes Mal wieder aufs Neue um! Das schon erwähnte brandneue Endless Days päsentieren die Jungs so professionell, als hätten sie es schon ewig in ihrem Repertoire. Das könnte es in meiner Favouritenliste bald ziemlich weit nach oben schaffen! 



Und dann kommt schon wieder ein absolut toller Song! Alone Together! Es ist eines der schnelleren Stücke, das einem schon zu Beginn richtig packt. Leider ist es viel zu kurz! Mit vier neuen Liedern wagen sich die Fünf richtig was! Vielleicht haben sie sich auch gedacht, dass es eine gute Idee wäre, die neuen Lieder vor einem kleineren Publikum auszuprobieren. Und sie hatten recht! Die noch unbekannten Werke kommen gut an. Im Gedächtnis geblieben ist mir davon Emily Says, mit beschwingter Melodie, die einem gleich im Gehörgang hängen bleibt. 


By The Sea, der gleichnamige Titelsong des Albums ist einfach ein traumhaft schönes Lied. Wie, für mich bei allen Liedern der ersten CD, passt hier alles zusammen. Liams „huschiger“ Gesang, Andys Schlagzeugspiel in Perfektion, raffiniert. Die sanften Gitarrenklänge. Es war glaube ich auch das erste Lied, das ich von „By The Sea“ gehört habe und man sieht wie es geendet ist. In einer Konzertkritik, in der keine Kritik zu finden ist! Nur Begeisterung. Und das geht jetzt so noch weiter! 

Denn auch Eveline – James Joyces Dubliners lassen grüßen! - kann ich wieder nur als Lied beschreiben, das live nur noch gewinnen kann. Daniels absolut mitreißende Basslinie und Andy am Schlagzeug lassen einem sofort im Rhythmus mitgehen, da gibt es kein entkommen! Einfach nur klasse, nein, super klasse! 



Mit dem flotten Waltz Away geht für mich, nach gefühlten vier Saunagängen, ein Konzert zu Ende, das mich mehr als begeistert hat. Ja, ich „waltz away“, getragen auf einer Wolke von Gitarrenklängen, sphärischen Keyboardmelodien, einem Schlagzeug das mich immer wieder aufhören lässt und einem echt groovy Bassspiel! 

Diese Band hat für mich etwas von einem ungeschliffenen Edelstein, bei dem man nicht so recht weiß, was man ihm denn wünschen soll – sich in einen funkelnden Diamanten zu verwandeln oder ganz einfach in seiner Rohfassung zu verbleiben, weil er so doch eigentlich am Schönsten ist. Für mich ist auf jeden Fall klar, By The Sea bleibt mein Soundtrack des Sommers, des Herbstes und des Winters, sowieso! Allen, die jetzt neugierig geworden sind wünsche ich viel Spaß beim Entdecken! 

Setlist By The Sea, The Portland Arms, Cambridge:

01: Crystal Sky 
02: Dream Waters 
03: Endless Days 
04: Alone Together 
05: Stranger Things 
06: Another Way 
07: Emily Says 
08: You’re The Only One 
09: By The Sea 
10: Eveline 
11: Waltz Away
 

 

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