Sonntag, 6. Dezember 2009

The Sounds, Köln, 05.12.09

5 Kommentare

Konzert: The Sounds
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 05.12.2009
Zuschauer: fast ausverkauft, knapp 1.500
Dauer: The Sounds 90 min, Matt & Kim 30 min


Auf der Rückfahrt eben habe ich mich gefragt, warum ich im März mein erstes Sounds-Konzert in Wiesbaden gut fand... Denn auch wenn ich mich heute in der Live Music Hall ganz gut amüsiert habe, lag das nicht an der musikalischen Qualität des Abends.

Auf Matt and Kim, die New Yorker Vorgruppe hatte ich mich gefreut, weil ich so viel von der Band gehört hatte, sie jetzt auch einmal live erleben wollte. Wie oft kann man heutzutage wohl in 30 Minuten Autoscooter fahren? Ich hätte das zu gerne probiert - Matt and Kim machen nämlich prima Kirmesmusik - wenn man Kirmesmusik mag.

Matt spielte Keyboard, Kim Schlagzeug. Das klingt zunächst einmal nicht schlecht. Vielleicht geht die Musik der beiden auf Platte auch. Live allerdings war es eine echte Prüfung für Auge und Ohr... Matt stand hinter seinem Keyboard, sprang immer wieder hoch und feuerte das Publikum an. Seine Stimme litt ein wenig darunter, sie war alles andere als stabil. Das gleiche Bild bei Kim, auch sie spielte enorm energiereich, kletterte dann aber auch immer wieder auf ihr Schlagzeug. Da hätte ich ja nichts gegen gehabt, wenn die Musik besser gewesen wäre. Mit Ballermann-Indie kann ich aber nichts anfangen. Hätte Matt noch "Hyper hyper" gebrüllt, gewundert hätte es mich nicht.

Immerhin waren die beiden für einen Superlativ gut: mit einem The final countdown Cover haben sie mir das mit Abstand scheußlichste Livelied 2009 beschert.

Fairerweise muß ich aber erwähnen, daß Matt & Kim sehr gut ankamen.

Normalerweise ist man ja froh, wenn die Pausenmusik ausgeht und eine Band anfängt. Bei mir war es heute umgekehrt, der DJ vor und nach Mel & Kim war deutlich besser.

Anschließend dann die schwedischen Sounds... Deren neues Album kannte ich noch nicht, nur zwei Vorgänger. Auf den ersten Blick stammten die besten Lieder auch von den älteren Platten.

Dazu in Kürze mehr!

Setlist The Sounds, Live Music Hall, Köln:


01: Crossing the Rubicon
02: Queen of apology
03: Seven days a week
04: No one sleeps when I'm awake
05: Hurt you
06: Midnight sun
07: Night after night
08: 4 songs & a fight
09: My lover
10: Beatbox
11: Painted by numbers
12: Dorchester Hotel
13: Rock n roll
14: Living in America
15: Ego

16: Tony the beat (Z)
17: Song with a mission (Z)
18: Hope you're happy now (Z)

Links:

- The Sounds, Wiesbaden, 08.03.09
- The Sounds, Hohenfelden, 19.08.07



Freitag, 4. Dezember 2009

The Whitest Boy Alive, 04.12.09

1 Kommentare

Konzert: The Whitest Boy Alive

Ort: La Cigale
Datum: 04.12.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. etwa 90 Minuten.



Für The Whitest Boy Alive läuft es 2009 großartig. Nicht nur in Deutschland verkaufen sie Hallen aus, auch in Frankreich gehen die Tickets weg wie die warmen Semmeln und so war es nur konsequent, daß der Termin in der Cigale ebenfalls "complet" war.

Schon gegen 20 Uhr hatten sich zahlreiche Zuschauer in dem altehrwürdigen Theater eingefunden und warteten gespannt auf den Beginn. In meiner Nähe meinte ein Mädchen mit Brille, daß die Veranstaltung einem "défilé de mode," also einer Modenschau, ähneln würde. Aber die Brillenschlange erzählte Unsinn, das Publikum war recht normal (Ausnahme: die fürchterliche Tussi mit der goldenen Rolex (pfui Teufel) und dem Pelzmantel hinter mir) und kaum zu katalogisieren. Den typischen The Whitest Boy Alive- Konzertgänger, ich könnte ihn nicht beschreiben. Das Indievölkchen mischte sich mit den immer etwas aufgestylteren Tanzliebhabern und allen war gemein, daß sie gekommen waren, um sich zu vergnügen. Zwar hatte es der DJ drauf angelegt, mir im Vorfeld den Spaß zu verderben, in dem er Musik des unsäglichen Stink, ähem Sting, vom Band laufen ließ (genau genommen war es Police, aber egal), aber ich blieb ganz cool und ließ die fiesen Lieder von Stink an mir abperlen.

Gegen 20 Uhr 30 war es dann so weit, die vierköpfige , zu 3/4 deutsche Band um den Norweger Erlend Oye, marschierte unter riesigem Jubel ein. Das oben zitierte Mädel mit Brille machte eine zweite dumpfbackige Äußerung, indem sie in die Runde fragte: "Ist das die Vorgruppe?" - Nein, natürlich nicht! Es gab nämlich keine und außerdem erkennt man doch Obernerd Erlend Oye schon auf 2 Kilometer Entfernung!

Von Anfang an war die Stimmung unglaublich gut und im Nu war aus der Cigale ein Tanztheater geworden. Der Boden wippte, eine Besonderheit der Cigale, deren Parkett bei entsprechender Aktivität der Besucher zu einem Trampolin mutiert. Fotos schießen? Unmöglich! Durfte man während der ersten zwei Lieder aber auch gar nicht. Eine seltsame Regelung, normalerweise darf man nur die ersten drei Songs abblitzen, hier ging die Knipserei erst ab Lied 3 los. Und zwar auch nur für die, die einen Fotopass hatten wie ich. Die anderen wurden von einem bulligen Ordner* übertrieben rüde zurechtgestutzt, so daß sie sich in der Folge wirklich nicht mehr trauten, zu knipsen. Aber was hätten sie auch verpasst? Ich meine jetzt die jungen Frauen? Ist Erlend Oye etwa hübsch? Aus meiner Sicht keine Spur. Der dürre, lange Schlaks wirkt auf mich wie der typische Klassenstreber, der in der Schule Mathearbeiten immer schon vor der Zeit abgegeben hat und dem Mutti noch mit vierzig zum Frühstuck ein Nutella-Brot und einen Kakao macht. Überraschenderweise stehen aber Frauen anscheinend manchmal auf solche Nerds, der Ausruf einer Blondine: "Erlend, you are so hot!", ist der Beweis dafür. Aber egal, wir waren ja gekommen, um zu tanzen. Ich natürlich nicht, denn ich bin eher ein in-die-Luft- Glotzer als ein Tänzer. Das Gehopse überließ ich den anderen, die zu jedem funkigen Rhythmus abgingen wie Schmidts Katze. Der kredenzte Sound war aber auch wirklich diabolisch catchy und bestens geeignet, den Bär steppen zu lassen. Die angestimmten Titel schienen den Leuten offenkundig egal zu sein, es wurde jeder Beat genutzt, um abzuhotten. Vom Hit Burning mal abgesehen, der eine nie gesehene Welle der Begeisterung entfachte, wurden alle Songs in etwa gleich gut, sprich hervorragend (aber eben eine Tick weniger euphorisch als Burning) aufgenommen. 90 Minuten Party pur also, mit einem Erlend Oye als Antreiber der Meute, der immer mal wieder die Gelegenheit nutzte, um durch aufpeitschende Handbewegungen und Gesten noch mehr Öl ins Feuer zu gießen und die Leute vollends aufzustacheln. Neben dem Boss ragte Keyboarder Daniel heraus. Der bärtige Deutsche orgelte wie so ein Weltmeister auf seinem Rhodes Piano und seiner Crumar (eine italienische Orgel, die ihre Glanzzeit in den 1970er Jahren hatte) und amüsierte sich wie Bolle. In einer besonders witzigen Szene behauptete Erlend zwar, daß Daniel schüchtern sei und sich nicht so richtig freispielen könne, aber das war natürlich kompletter Unsinn, denn Herr Nentwig war ein ganz wichtiger Aktivposten in einer Band, die glänzend harmonierte.

1 1/2 Stunden lang wurde ein atemberaubend hohes Tempo gehalten und die massive Begeisterung im Publikum riss zu keiner Phase ab. The Whites Boy Alive hatten ihren Auftrag prima erfüllt und auf ganzer Linie überzeugt. Jeder, der sie dieses Jahr live gesehen hat, dürfte mit einem Lächeln auf den Lippen und müden Füßen nach Hause gegangen sein. Genauso wie die Leute heute in Paris ...

Ein fulminantes Konzert!

Setlist The Whitest Boy Alive, La Cigale, Paris:

01: Keep A Secret
02: High On The Heels
03: Gravity
04: Dead End
05: Intentions
06: Timebomb
07: Golden Cage
08: Inflation
09: Fireworks
10: Above You
11: Burning
12: Don't Give Up
13: You Don't Know Me
14: Take Me Home
15: Courage

16: Rollercoaster Ride
17: 1517
18: Instrumental
19: Island


Pour nos lecteurs français:

Un concert incroyable et une ambiance de folie dans une Cigale surchauffée par les rhytmes funky de Erlend Oye et ses acolytes. Tout la salle tremblait et chaque spectateur partait avec un sourire sur les lèvres!




* der Ordner war wirklich eine Marke. Nach dem Konzert wollte er unten im Foyer Erlend Oye rausschmeissen, weil das Konzert ja nun zu Ende sei. Erst als der baumlange Norweger erklärte, daß er doch Sänger der Band sei, die heute abend aufgetreten war, durfte er bleiben...





Konzertankündigung Devendra Banhart

8 Kommentare

Konzertankündigung: Devendra Banhart

Ort: siehe unten
Daten: siehe unten



Modezar Karl Lagerfeld schwärmt immer in höchsten Tönen von "dem Diwäntra". Der sei einzigartig, so Karl. Auch der wiederauferstandene Bloggergott Eike mag den Diwäntra sehr. Gestern hat der Ami seinen Freak-Folk in Hamburg erklingen lassen, am 1. Dezember war er in der Passionskirche in Berlin. Von nun an, müssen deutsche Fans aber ins Ausland fahren, um Hern Beinhart, ähem, Banhart zu sehen.

Ausgewählte Konzerttermine Devendra Banhart:

04.12.2009: Paradiso, Amsterdam
06.12.2009: La Cigale, Paris
07.12.2009: Transbordeur, Lyon
09.12.2009: Sala Apolo, Barcelona
15.12.2009: Shepherds Bush Empire, London
18.12.2009: Magazzini Generali, Mailand
20.12.2009: Auditorium Parco, Rom

Aus unserem Archiv:

Devendra Banhart, Paris, 12.11.07


- Das schreibt der Spiegel zum Konzert von dem Diwäntra in Hamburg.



Rozi Plain, This Is The Kit,u.a., Paris, 03.12.09

0 Kommentare

Konzert: Rozi Plain & Ladybird & Morningstar & This Is The Kit & François And The Atlas Mountains
Ort: Espace B
Datum: 03.12.2009
Zuschauer: hmm. 80-100?
Konzertdauer: insgesamt über 3 1/2 Stunden



Ein neue Konzertlocation erfreut die Herzen der Pariser Folkfans. Espace B heißt der rechteckige Raum, der aussieht wie ein Partykeller und seit 2 Monaten (oder sind es schon 3?) feine, handverlesene Acts empfängt. Kürzlich war sogar Six Organes Of Admittance da, ein Leckerbissen!

Heute gab es für faire 8 Euro gleich fünf Bands (größtenteils aus Bristol, UK, stammend) zu genießen.

Den Konzertreigen eröffnete Rozi Plain aus England. Zusammen mit dem Franzosen François begeisterte sie mich auf Anhieb mit ihrer natürlichen und sympathischen Ausstrahlung und ihren einfachen, aber nie einfältigen Folksongs. Ihre Stimme klang jazziger als auf ihrem Album Inside Over Here (2008), von dem sie interessanterweise nur The Post als Opener spielte. Der Rest war neu und eine Spur weniger folkig. Keinmal kam nämlich das auf dem Album omnipräsente Banjo zum Einsatz. Stattdessen performten sowohl Rozi als auch François auf E-Gitarren und schufen eine herrliche Klangfarbe, gespickt mit kleinen und feinen Gitarrenmelodien. Im Mittelpunkt stand aber immer die relaxte, trostspendende Stimme von Rozi, die so herrlich weich und warm klang. Tolle Songs gab es zur Genüge. Sting Sting, You Can See My Boat, oder auch Eating In My House, allein das Ende des recht kurzen Sets war wundervoll. Im Anhang habe ich Livevideos von den Liedern beigefügt. Unbedingt anschauen!

Setlist Rozi Plain, Espace B, Paris:

01: The Post
02: Bathtime
03: Means
04: End can come
05: Sting Sting

06: You Can See My Boat
07: Eating In Your House

Rozi Plain- Livevideos: You Can See My Boat,
Sting Sting,
Eating In Your House


Nach Rozi Plain stieg Ladybird in den Ring. Eine Band um den Franzpsen Victor Crespi, die frischen powerpoppigen Sound mit Geigen und Trompeten ablieferten, mir aber etwas weniger zusagten, weil ich Victor nicht unbedingt für den besten Sänger halte. Aber das kann man anders sehen...

Als dritter war Jesse D Vernon aka Morningstar an der Reihe. Ein witziger Kerl und Lebensgefährte von Kate Stables aka This Is The Kit. Überraschenderweise spielt er keinen Folk, sondern relaxten und sonnengereiften Sixties Pop (Beispiel: Guess it Was You), zu dem man herrlich mitwippen kann. Seine Begleitband wechselt von Stadt zu Satdt und er hat schon etliche Alben auf den Markt gebracht. Eine Einarbeitung in sein Werk lohnt sich!

Danach kam mit Kate Stables seine bessere Hälfte ins Spiel. Ihren Werdegang verfolge ich schon eine ganze Weile und ich kann mit Fug und Recht behaupten, daß sie immer besser wird! Von ihrem hübschen Debütalbum spielt die stets fröhliche junge Frau kaum noch etwas, stattdessen offeriert sie dem Publikum in diesem Jahr etliche Neuheiten, die endlich auf einen Tonträger gebannt gehören. Von einer reinen Folksängerin mit Banjo hat sie sich inzwischen zu einer Indierockerin gewndelt, die 90 % des Sets auf einer E-Gitare vorträgt und somit musikalisch in die Nähe von Julie Doiron rückt. Die neuen Sachen haben jedenfalls richtig Schmiß und wenn jedes Lied so ein Volltreffer wird wie Waterproof und Spinney, dann dürfte das zweite Album ein Highlight des Musikjahres 2010 werden! Ich kann den Release kaum abwarten!

Danach war allerdings bei mir der Saft raus. Entkräftet verließ ich den Espace B und bekam von François and The Atlas Mountains nur noch zwei Lieder mit. Was ich hörte klang vielversprechend, ich muß mir den Burschen noch einmal in Ruhe ansehen...


Setlist This Is The Kit, Espace B, Paris:

01: Easy Pickings
02: Moon
03: Birchwood Beaker
04: Tangled Walker
05: White Ash Cut/Sleeping Some
06: Waterproof
07: Spinney


Links:

- Charmante Session (mit Baby, das eifrig mitspielt) von Le Cargo mit This Is The Kit - White Ash Cut, Birchwood Beaker
- Rozi Plain - You Can See My Boat live
- Das berichtet das Klienicum über Frànçois And The Atlas Mountains





Donnerstag, 3. Dezember 2009

Konzertankündigung Hafdis Huld

0 Kommentare

Konzertankündigung: Hafdis Huld

Ort: verschieden Locations in der Schweiz und Deutschland

Daten: siehe unten



Die kesse Isländerin Hafdis Huld kommt im Dezember 2009 für ein paar Konzertermine in die Schweiz und nach Deutschland. Das sollte man sich nicht entgehen lassen, denn die inzwischen zur Blondine mutierten Frau liefert melancholische Folk/Popsongs mit typisch skandinavischem Zuckerguß frei Haus. Zudem ist sie eine glänzende Entertainerin!

Konzerttermine Hafdis Huld (ohne Gewähr):

3.12.2009: Grabenhalle, St. Gallen
5.12.2009: Werkstatt, Chur,
06.12.2009: Nordiska Boathouse, Zürich
07.12.2009: 59:1, München
08.12.2009: Ponyhof, Frankfurt
09.12.2009: King Georg, Köln
10.12.200: MS Treue, Bremen
11.12.2009: Bang Bang Club, Berlin


Aus unserem Archiv:

Hafdis Huld, Paris, 26.02.07
Hafdis Huld, Paris, 12.12.06



Mittwoch, 2. Dezember 2009

Julie Doiron, Paris,01.12.09

2 Kommentare

Konzert: Julie Doiron
Ort: Point Éphémère, Paris
Datum: 01.12.2009
Zuschauer:etwa zu 2/3 gefüllt
Konzertdauer: 77 Minuten



Schade, daß ich Lisa Li-Lund (auf dem Foto) verpasst habe. Ein guter Freud hatte mich zu seinem Geburtstag eingeladen und ich konnte nicht so einfach frühzeitig Leine ziehen. Sowieso ist es recht schwierig, als Konzertsüchtiger ein einigermaßen normales Sozialleben zu führen. Abends hat man in der Regel nie Zeit, man muß ja aufs Konzert. Aber mein Freund nahm es mir nicht allzu übel, schließlich hatte ich ihm schon ein paar Stunden Gesellschaft geleistet. Außerdem fand er den grünen Spielzeugtraktor, den ich ihm geschenkt hatte toll. Mit zum Konzert von Julie Doiron wollte er aber nicht. Mein kleiner Kumpel ist nämlich erst...5 Jahre alt!

Wie alt wohl die Kinder der Kanadierin Julie Doiron sind? In einem Interview hatte sie erzählt, daß sie nun wieder zu ihren Wuzeln aus der Startphase von Eric's Trip zurückkehrt und lautere, rockigere Musik macht, weil die Kids inzwischen schon größer sind. Ben, Charlotte und Rose heißen die drei Racker übrigens. Im Saal waren sie natürlich nicht, dafür aber zumindest deutlich mehr Besucher als bei ihrem letzten Pariser Konzert, daß sie vor vielleicht 20 Leuten gegeben hatte. Möglicherweise waren es heute 200 Fans (darunter alle drei Mitglieder von Herman Düne), die sich eingefunden hatten. Nicht schlecht, aber Julie verdient eigentlich noch deutlich mehr Aufmerksamkeit. Sie ist nämlich von Album zu Album gereift und hat mit I Can Wonder What You Did With Your Day ihr vielleicht bestes Werk veröffentlicht. Dennoch bleibt sie erfrischend natürlich, bescheiden und zugänglich. In einer Musikwelt der Eitelkeiten ist Julie ein bemerkenswerter Ausnahmefall. Sie wird wohl immer das "Girl next door" bleiben, das sich darüber freut, daß Leute überhaupt zu ihren Konzerten kommen und sogar bis zum Ende bleiben*.

Auch ihr äußeres Erscheinungsbild war heute absolut charmant. Unfassbar süßer Pferdeschwanz, rot-schwarz kariertes Holzfällerhemd und ein Röckchen mit Strumpfhose, die ein klitzekleines Loch unter dem Knie hatte. Dazu ein entwaffnendes Lächeln, mit dem sie Steine erweichen könnte, hach es war herrlich, sie so zu sehen! Verknallt wie ein kleiner Schuljunge ließ ich keine Sekunde den Blick von ihr und erfreute mich auch an ihrem großen Aktionsradius. Sie lief regelmäßig von rechts nach links über die Bühne und suchte den Kontakt zu ihrem Drummer, der wohl erst zum zweiten Mal dabei war und seine Sache super machte.

Julie selbst war aber mit ihrer eigenen Leistung nicht richtig zufrieden. Nachdem sie mit dem wunderbaren The Wrong Boy ins Set gestartet war, und zwei weitere Lieder folgen ließ, erklärte sie dem verduzten Publikum auf französich: "Auweia, das war richtig schlecht. Ich übe zu wenig. Außerdem bin ich sehr nervös. Dabei dachte ich vorher: "Oh, cool, in Paris zu spielen. In etwa so wie in New York nur mit weniger Stress. Aber von wegen! Mein Puls ist viel zu hoch!"

Mit dieser Offenheit zog sie in der Folge immer mehr Leute auf ihre Seite und es wurde deutlich, daß man nicht den abgebrühten, coolen Rockstar heraushängen lassen muss, um Sympathien zu gewinnen. Und schlecht war Julies Performance natürlich Mitnichten! Zwar gab es ein paar kleinere Fehlerchen, aber ihr Gitarrenspiel war doch sehr versiert und variantenreich. Stimmlich ist sie sowieso famos, denn wer kann schon von sich behaupten, beim Singen gleichzeitig zu lachen und zu wimmern? Ihre Stimme ist so zärtlich, so gütig, so liebevoll, einfach wunderschön.

Schade insofern, daß ich in letzter Zeit so selten ihre CDs gehört habe. Nicht, weil ich sie nicht mag, sondern weil ständig neue Werke von anderen guten Künstlern erscheinen, die ebenfalls ihr Recht auf Aufmerksamkeit einfordern. Ein paar Sachen habe ich aber eindeutig erkannt. Swan Pond von Woke Myself Up zum Beispiel, daß sie durch garnierte, daß sie eine Geschichte von eiem Park erzählte und preisgab, daß sie in einem 5ooo Seelenort wohne. Schön sei es dort eigentlich nicht, aber ideal, um sich zurückzuziehen. Desweiteren Me And My Friend, ein trauriges Lied mit den markanten Lyrics "Me and my friend we are not friendly anymore"und auch das ähnlich melancholische I Left Town. Auch einige wenige Lieder auf französsich gab sie zum Besten, darunter Le Piano vom Album Desormais. Witzig auch hier ihr Statement: "Hmm, ich muß mir heute wirklich mal eingestehen, daß ich nicht perfekt zweisprachig bin. Ich habe das immer von mir behauptet, aber hier in Paris fällt mir doch auf, wie oft ich nach Wörtern suchen muß und wie schwer es mir fällt, mich in französich auszudrücken."

Selbstverständlich performte sie auch viele Lieder vom neuen Opus I Can Wonder What You Did with Your Day . Highlight davon aus meiner Sicht Heavy Snow. Herrlich wie der Song zwischen lieblichem Gesang und dem agressiven Gitarrenriff hin und her pendelt, aber erst im Verlaufe explodiert. Die aufgebaute Spannung war absolut knisternd und zum Ende hin ging richtig die Post ab. So wollten wir das haben: saftiger Indierock mit Gefühl und Ideen. Toll!

Als besonderen Bonus gab es auch noch ein nagelneues Lied, das sie nach eigenen Angaben lediglich am Vortage in Brüssel einmal gespielt hatten. Der Melodiebogen erinnerte mich an The House Of The Rising Sun. Leider kann ich aber keinen Titel liefern, weil Julie keine geschriebene Setlist hatte, sondern stattdessen improvisierte und frei Schnauze spielte.

Insgesamt ein tolles Konzert, mit dem Julie sicherlich auch Neufans hinzugewonnen hat. Der CD- Verkauf lief nämlich hinterher richtig gut und es gingen auch etliche Scheibchen von ihrem Backkatalog über den Ladentisch. Ein Bekannter von mir deckte sich sogar gleich mit fünf CDs ein!

* in einer witzigen Szene wunderte sie sich: "Oh, ihr seit noch da? Merci!"

Aus unserem Archiv:

Julie Doiron, Paris, 05.12.07





Port O'Brien, Köln, 01.12.09

7 Kommentare

Konzert: Port O'Brien, Royal Bangs & First Aid Kit
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 01.12.2009
Zuschauer: sicher 3/4 voll
Dauer: Port O'Brien 65 min, Royal Bangs 35 min, First Aid Kit gut 30 min


Zwei Bands, die mir im Sommer auf Festivals große Freude gemacht haben, an einem Abend im Gebäude 9 waren entschieden zu attraktiv, um zu Hause zu bleiben. Also
ab in den liebsten Kölner Club, um neben Port O'Brien* und First Aid Kit auch noch Royal Bangs zu sehen, ein ambitioniertes Programm für einen Dienstagabend...

Auf First Aid Kit hatte ich mich nach deren tollen Auftritt bei der Wiesbadener Folklore besonders gefreut. Die beiden Schwestern Klara und Johanna Söderberg aus
einem Stockholmer Vorort sind nicht zufällig wegen eines youtube Videos, in dem sie die Fleet Foxes covern, bekannt geworden. Zum einen ist ihre Version des Tiger Mountain peasant songs ausgezeichnet, zum anderen hört man, daß Musik im Stile der Fleet Foxes die beiden Schwestern stark prägt und inspiriert. Ich war vorfreudig.

First Aid Kit begannen mit
In the morning, ihrem am meisten an die amerikanische Hippie-Band erinnernden Stück. Das Lied ist wundervoll, zündete heute bei mir allerdings gar nicht. Klara, die dunkelhaarige der beiden Schwestern, schien stimmlich nicht auf der Höhe zu sein. Ob sie erkältet war? Dazu kam, daß die Harmonie der beiden sonst so perfekt passenden Stimmen eine kleine Delle hatte. Stark war die nicht, es reichte aber, daß die Stimmen neben- und nicht miteinander klangen. Auch - und vielleicht war das die Ursache der leichten Mißklänge - waren beide für den Saal zu laut abgemischt. Es kippte alles ein wenig. Schade, schade, denn First Aid Kit leben sehr stark davon, daß der Gesang so wohl dosiert und passend ist.

Danach schickte Klara ihre blonde Schwester Johanna backstage, um Wasser zu holen. Keine große Szene, aber irgendwie bezeichnend für den Auftritt.

Die Rollen in der Band sind gut verteilt. Klara spielt Gitarre und singt einen größeren Anteil, während Johanna Keyboard und ab und an Autoharp spielt. Leider kam das spektakuläre Instrument heute nur einmal zum Einsatz. Es ist nämlich zu lustig, der jungen Schwedin beim Spiel dieser Zither-Art zuzusehen. Eigentlich stand die Musikerin die meiste Zeit ziemlich verhutzelt auf ihrer Bühnenseite, das Gesicht von vielen Haaren verdeckt und die Hände, wenn die nichts zu tun hatten, sofort in den Taschen der weiten Strickjacke verstaut. Aber die Autoharp umklammerte sie wie einen Schatz und entlockte ihr trotz enger Umarmung tolle Töne!

Irgendwie kam auch leider keine rechte Stimmung auf. Die beiden machen trotz der
Zither natürlich keine Mitgröhl-Musik, aber auch bei ihren Ansagen, Klaras Versuchen, ihrer schlechten Laune zum Trotz, mit uns zu reden, kam nichts zurück. "Das nächste Lied ist von einer Sängerin namens Buffy Sainte-Marie. Kennt ihr die?" - nichts - "Nicht Buffy die Vampirjägerin" - nichts...

Aber trotz allem bekam das Konzert noch die Kurve. Zum Fleet Foxes Cover stiegen die Söderberg Schwestern von der Bühne, baten uns, einen Kreis
um sie zu bilden und spielten mit zwei Gitarren und ohne Verstärkung. Ein sehr sehr schöner Moment!

Die beiden waren offensichtlich nicht in Bestform. Man ahnte aber sicher auch so, wie gut die Schwestern sein können. Mir hat es das nicht versaut, ich werde sie mir sicher wieder ansehen!

Setlist First Aid Kit, Gebäude 9, Köln:

01: In the morning
02: Our own pretty ways
03: You're not coming home tonight
04: Hard believer
05: Heavy storm
06:
Universal soldier (Buffy Sainte-Marie Cover)
07: I met up with the king
08: Tiger Mountain peasant song (Fleet Foxes Cover)

Danach folgte eine sagenhafte halbe Stunde! Den Namen Royal Bangs hatte ich bisher ein paarmal aufgeschnappt, aber noch keine Zeit gefunden, in ihre Musik reinzuhören. Aber - das predigen wir hier ja immer schon - neue Bands live kennen zu lernen, ist eine besonders empfehlenswerte, weil schonungslose Methode. Ich hatte wohl gar keine Vorstellung, was Royal Bang machen. Folkig sah ihr Bühnenaufbau nicht aus. Dabei hatte ich mit einem ruhigen Simon & Garfunkel-Abend gerechnet.

Hier standen jetzt aber reichlich laute Gitarren und ein mächtiger Keyboard-Turm in der
Mitte. Das Keyboard war allerdings nicht das dominierende Instrument, wichtiger waren die zwei (manchmal drei) Gitarren und das phänomenal gute Schlagzeug! Royal Bangs kommen aus Tennessee, dem schönsten US-Staat. Die Band besteht aus fünf Musikern, aus dem Sänger und Keyboarder Ryan Schaefer, den ich beim Aufbau noch für den Tourmanager oder Roadie gehalten habe, den beiden Gitarristen Brandon Biondo (mit sagenhaften Gesichtshaaren - lang leben die 70er!) und Sam Stratton, dem Bassisten Henry Gibson und Schlagzeuger Chris Rusk.

Ryans Stimme erinnerte mich manchmal an Robert Smith von The Cure, musikalisch stöbern Royal Bangs aber in einer anderen Ecke des Teichs; in der, in der sich sonst vielleicht British Sea Power oder
Modest Mouse rumtummeln - Arcade Fire in schnell, laut und ohne lustige Instrumente.

Vor allem die schmissigen Schlagzeugrhythmen machten den Auftritt der Knoxviller zu einem irre guten Erlebnis. Am besten wurde es, als Brandon seine Gitarre an Ryan
übergab und auf eine Standtrommel einschlug. Sagenhaft gut! Leider kann ich das keinem Lied mehr zuordnen, die Setlist entstammt nicht meinen Mitschriften, ich kannte ja noch nichts, sondern Brandons Gedächtnis.

Eine fabelhafte Band, die ich mir näher ansehen werde!

Setlist Royal Bangs, Gebäude 9, Köln:

01: Poison control
02: My car is haunted
03: Brainbow
04: War bells
05: Handcuff killa
06: Conquest II
07: Cat swallow
08: Tiny Prince of Keytar
09: Brother

Das lustige anders-als-meine-Vorstellung Spiel ging munter weiter. Als die Band die Bühne bestieg, waren da nur Männer, die aussahen, als wären sie gerade von einem Kabeljau-Kutter gestiegen. Cambria Holmes, die Gitarristin und Banjospielerin, die in Haldern noch dabei war, fehlte. Und als wäre sie das ruhige Element der (Live-)band gewesen, kamen mir Port O'Brien viel lauter, direkter und rockiger als in Haldern vor. Den Kaliforniern (sie betonten mehrfach aus der Bay area - wie wichtig manchmal doch so ein fehlendes n sein kann - bei San Francisco zu kommen) tat offensichtlich der Umzug von der Festivalbühne in den engeren Club gut, der entgegengesetzte First Aid Kit Effekt.

Es fing zwar mit
Don't take my advice gleich gut, aber noch vergleichsweise harmlos an. Das änderte sich beim fabelhaften Oslo campfire, denn da tickte Sänger Van Pierszalowski richtig durch. Er stürmte am Ende aufs Schlagzeug zu, lief da praktisch rein und trat ordentlich in die Zubehörtasche!

Es ist vollkommen unnötig Lieder hervorzuheben, da die Band ein gleichbleibend
hohes Niveau hielt. Und sie hatten Spaß! Ein kleines Beispiel... bei den kleinen Gitarrenstimm-Klimpereien vor Fisherman's son jubelten schon Leute im Publikum. Van Pierszalowski und den Keyboarder, der aussah, als hätte er er schon manchen Thunfisch eigenhändig aus dem Ozean gezogen, amüsierte das sehr. "Sie erkennen das schon!?"

Obwohl ich hundskaputt war, ging das alles viel zu schnell vorbei. Irgendwann (naja, bei My will is good, um genau zu sein), kam der Royal Bangs Schlagzeuger zum Extratrommeln auf die Bühne. Bei nächsten Stück, dem letzten vor den Zugaben, wurde das Spektakel noch größer. "Wir wollen, daß ein paar Leute nach oben auf die Bühne kommen! Die Frauen, die eben so getanzt haben..." Dazu sollte auch der Rest von Royal Bang als
Unterstützung hochkommen, die hörten aber die Rufe erst nicht und waren nicht aufzutreiben. Als sie gefunden waren, standen neben dem "normalen" Schlagzeuger vier Musiker um einige Toms und prügelten auf die ein. Wir Zuschauer sollten mit Flaschen, Schlüsseln und anderen Krachmacher mitmachen. Toll war es!

Danach kamen noch einige Kostproben der aufgeschnappten deutschen Satzfetzen und zwei fabelhafte Zugaben,
Stuck on a boat und Close the lid. Daß es so gut würde, hatte ich wirklich nicht erwartet. Aber damit war ich heute ja eh nicht besonders gut! Auch wenn Royal Bangs schon klasse waren, Port O'Brien waren unschlagbar!

Meine Lieblingszene war sehr unscheinbar aber köstlich: nach einem Stück, bei dem der Keyboarder und der Bassist zwei verschiedene Rasseln hatten, tauschten sie die für das nächste Lied...

Und zu gewinnen gibt es auch etwas von diesem Konzert:
Van Pierszalowski, der wie er mir mit einem "sure!" bestätigte, Fischer ist, hat das für unser Gewinnspiel signiert:













Setlist Port O'Brien, Gebäude 9, Köln:

01: Don't take my advice
02: Oslo campfire
03: Sour milk / salt water
04: Tree bones
05: Fisherman's son
06: Love me trough
07: Calm me down
08: Is this really what it's come to
09: Leap year
10: My will is good
11: I woke up today

12: Stuck on a boat (Z)
13: Close the lid (Z)



* von denen ich immer noch nicht weiß, ob sie jetzt Port O'Brian oder Port O'Briiiin ausgesprochen werden



Dienstag, 1. Dezember 2009

Scout Niblett, Paris, 30.11.09

6 Kommentare

Konzert: Scout Niblett

Ort: Le Scopitone
Datum: 30.11.2009
Zuschauer: es war sehr voll, aber der Laden ist klein.
Konzertdauer: Scout Niblett lediglich 40-45 Minuten




Résumé en français ci-dessous!



Die Alternativen haben die Yuppies aus ihrem Revier vertrieben! Na wenn das nicht außergewöhnlich ist, normalerweise läuft es ja immer umgekehrt!

Wie ich das meine? Nun, aus dem ehemaligen Schicki- Micki Laden Paris Paris, in dem Jungdynamiker Afterworkpartys mit Schampus veranstalteten, ist ein Konzertsaal geworden, der nun auf den Namen Le Scopitone hört und dessen Programm überwiegend von den Machern der Blogothèque gestaltet wird. Schon cool, daß Blogger, die einst damit anfingen, Bands an ungewöhnlichen Orten abzufilmen (man denke nur an die Sessions mit Arcade Fire oder Beirut! ) nun selbst am Drücker sind und sich die Gruppen, auf die sie Bock haben, in den einstigen Nobelschuppen bestellen. Kürzlich waren schon die Schwedinnen von First Aid Kit da und heute hatte man mit Scout Niblett eine noch bekanntere Künstlerin anlocken können.


Vorher galt es aber bei einer recht zähen Vorgruppe durchzuhalten, ohne vorher einzuschlafen. Amüsanterweise erwähnten der Sänger Marc Morvan und der Cellist Ben Jarry am Ende ihres eigentlich sehr feinen Konzertes auch diesen Umstand: "Wenn ihr nicht weggedöst seit und euch das Konzert gefallen hat, könnt ihr Euch am Merch eine CD von uns besorgen." Zugegeben: ich bin weggedöst! Ohne Mist! Ich saß auf einem sehr bequemen Sessel im Vorraum und bin immer weiter runtergesackt, bis ich irgendwann in einem schlafähnlichen Zustand war. Und das war gar kein unangenehmes Gefühl. Im Hintergrund hörte ich das gefühlvolle Cello brummeln und Marc, der Sänger, klang wie Yames Yorkston, in manchen Momenten auch wie Matt Berninger von The National. Feine Musik also, aber bei meinem immensen Nachholbedarf an Schlaf fast wie ein Narkoleptikum wirkend.

Mehr Feuer erwartete ich mir dann von der in Amerika lebenden Engländerin Scout Niblett. Schließlich kannte ich sie ja schon von früheren Konzerten her, wo sie eifrig Kostproben ihres wilden Temperaments abgegeben hatte. Heute blieb sie hingegen eher zahm und - leider passt das Worstpiel, etwas lahm. Mit einem Drumset, aber ohne ihren Drummer erschienen, performte sie ganz allein auf ihrer Elektrischen und spielte gerade am Anfang einige neue Lieder von ihrem im Januar 2010 erscheinenden Album The Calcination Of Sout Niblett. Wie gut diese sind, kann ich nach einem Hördurchlauf natürlich nicht wirklich beurteilen. Nur eins ist sicher: sie bleibt ihrem minimalistischen, rohen und depressiven Stil treu. Im Vordergrund steht wie immer ihre greinende Stimme, eine Gitarre, die ständig Gefahr läuft ins Noisige abzudriften und düstere Lyrics. Die Reaktionen im Publikum auf das Ganze: eher verhalten. Erst beim Erklingen der ersten Noten des Klassiker Dinosaur Egg vom letzten Output This Fool Can Die Now tauten ein paar Leute auf und machten sich durch Gejohle bemerkbar. Das Konzert war halbwegs lanciert und hatte in der Folge mit Relax und dem von ihr am Schlagzeug vorgetragenen Your Beat Kicks Back Like Death ("We all gonna die") eine starke Phase. So richtig los ging es aber nie. Das hatte verschiedene Gründe. Erstens war es viel zu eng und heiß in dem Laden und ich hatte die eklige Geruchsmischung aus altem Tabak, Schweiß und einer Bierfahne meines Vordermannes zu ertragen und zweitens ist das Scopitone ungünstig konstruiert. Die Bühne ist nicht erhöht und größere Zuschauer versperren ihren kleineren Hinterleuten komplett den Blick auf den jeweiligen Künstler. 2/3 des Konzertes sah ich Scout also nur sehr schemenhaft. Erst als ich mich seitlich in der Nähe der Bar positionierte, erblickte ich sie in ihren ganzen Schönheit. In der Ecke gab es aber das Problem, daß zwei Heinis sich ununterbrochen und sehr laut über irgendwelche beruflichen Projekte unterhielten und damit den zum Teil sehr intimen Vortag massiv störten. Möglicherweise ging auch Scout im Scopitone so einiges auf die Nerven und so verließ sie nach höchstens 45 Minuten die Bühne. Weil es so eng war und die Kabine in diesem Teil des Raumes lag, mußte sie direkt an mir vorbei. Sie wäre fast in mich reingelaufen und ich hatte Probleme, ihr auszuweichen! Schade, ich hätte die Chance beim Schopfe packen und sie ganz fest an meine Brust drücken sollen. Ich mag sie nämlich sehr, auch mit ihren Launen und Wutausbrüchen, oder gerade deshalb. Dieses widerspenstige Gemüt bei ihrem puppigen Engelsgesicht, das ist es was ein Teil der Faszination von Scout Niblett ausmacht. Geradezu typisch dann auch, daß sie nicht mehr zurück auf die Bühne kam. Kein "Auf Wiedersehen", keine Zugabe, nichts! Wenigstens Kiss und It's All For you hatten wir zuvor noch serviert bekommen. Zu wenig! Viele Leute äußertens sich hinterher enttäuscht und auch ich hatte mein bisher schwächstes Konzert von Scout erlebt.

Trotzdem bin ich sicher erneut dabei, wenn sie wieder nach Paris kommt.

Setlist Scout Niblett, Le Scopitone, Paris:

01: Duke
02: Just Do It
03: IBD
04: Calcination
05: Dinorsaur Egg
06: Relax
07: Lucy Lucifer
08: Your Beat Kicks Back Like Death
09: Kings
10: Meet & Greet
11: Kiss
12: Wolfie
13: It's All For You

Aus unserem Archiv:

Scout Niblett, Paris, 24.05.08
Scout Niblett, Paris, 17.12.07

- Video Scout Niblett Dinosaur Egg in einer Session der Blogothèque. Klick!

Pour nos lecteurs français:

Petite déception quand même ce concert de l'anglaise (vivant aux USA) Emma Louise alias Scout Niblett. Dans une ancienne boite branchée (l'affreux Paris Paris) rebaptisée Scopitone, pleine comme un oeuf et diaboliquement chaude, elle nous a juste montré quelques bribes de son immense talent. Arrivée sans son batteur, elle joua seule sur sa guitare électrique ses morceaux tristes à mourir. Au début elle donna quelques extraits de son nouvel album The Calcination Of Scout Niblett à paraître en janvier 2010. Le style n'a pas changé. C'est toujours mystérieux, hanté, depressif et brut, dominé par sa voix de gamine révoltée et sa guitare qu'elle fait hurler de temps en temps. Elle créé à chaque fois une ambiance presque suicidaire rappelant les beaux jour de Nirvana avec qui elle a partagé le même producteur, Steve Albini. Dommage qu'elle aie joué si peu. Le public resta sur sa faim. Ceux qui ne l'avaient jamais vu étaient étonné de la voir s'asseoir pour un morceau derrière la batterie et entonner la chanson Your Beat Kicks Back Like Death avec les paroles glauquissimes: "We all gonna die" et qu'elle demande parfois comme un prof: do you have any questions?

Dinosaur Egg était de loin le meilleur titre ce soir, mais Relax était très chouette aussi. Mais bon, j'avais espéré un peu plus de feu et un concert plus long et enthousiaste.




Montag, 30. November 2009

Chris Garneau, Köln, 30.11.09

5 Kommentare

Konzert: Chris Garneau
Ort: Motoki Wohnzimmer, Köln
Datum: 30.11.2009
Zuschauer: ausverkauft (80 vielleicht)
Dauer: Chris Garneau 55 min, honig 35 min


Ich konnte mich nicht entscheiden und habe dafür viel Unverständnis geerntet... Denn heute spielten zum einen Pete Doherty, zum anderen Chris Garneau in Köln. Kurz vorher kam ich dann zu dem Schluß, auf alle Fälle erst einmal den amerikanischen Singer/Songwriter im wundervollen Motoki Wohnzimmer anzusehen, um dann eventuell noch den englischen Hutträger in der Essigfabrik zu begutachten. Pete Doherty machte mir einen Strich durch die Rechnung, er begann viel früher als geplant. Daher blieb es bei Chris Garneau - und das war wirklich kein Trostpreis!

Ich glaube, ich war zum dritten Mal im Motoki. Viel zu selten, denn der Konzertort in Ehrenfeld gehört zu den schönsten, die ich kenne. Obwohl wir glaubten, früh zu sein, reichte es nicht für Sofaplätze. Das Motoki Wohnzimmer ist eine Art Loftzimmer, in dem rechts in der Ecke eine kleine Bühne, daneben eine Bar und davor Stühle und Sofas stehen. Wer auf denen keinen Platz findet, steht am Rand oder sitzt irgendwo mittendrin. Eine ungemein entspannte und gemütliche (wenn das Wort nicht so fies wäre, auch gesellige) Art, Konzerte zu erleben. So hielte man auch gut und gerne schlechte Bands aus, aber den Gefallen tat uns das veranstaltende Motoki Kollektiv nicht.

Vor Chris Garneau trat nämlich honig aus Düsseldorf auf und machte dies ganz
ausgezeichnet. Hinter honig verbirgt sich Stefan Honig, der live von Francis Norman an der Viola begleitet wurde. Akustische Gitarre, Viola und Gesang, eine Mischung, die sehr gut funktionierte! Zumindest bis nach dem ersten Lied. Dann trat einer der Organisatoren ans Mikro und sagte, ein paar Autos stünden falsch und würden gleich abgeschleppt. Normalerweise sieht man dann Leute im Publikum, die nach unten gucken und schnell nach draußen gehen. Diesmal traf es den Bratschisten. Ein Zuschauer bot an, den Wagen schnell umzusetzen, der Schlüssel lag aber in der Garderobe und musste erst gesucht werden. Es ging aber offenbar alles gut und honig konnten ohne Unterbrechung weiterspielen!

Die Bratschen-Gitarren-Mischung klang ganz fabelhaft, die ruhigen Lieder passten unglaublich gut
in das Ambiente des Abends. Und quasi als Gegenleistung war das Publikum mucksmäuschenstill; niemand tuschelte, selbst Flaschen fielen nicht um. Ein Publikum also, das man jedem leisen Künstler gönnt, das ich so aber bisher sehr selten einmal erlebt habe.

Nach gut einer halben Stunde war honigs Set um. Ich kannte vorher noch kein Lied, hatte aber großen Spaß an dem kurzen Konzert, ohne wegen des Nichtkennens zu fremdeln.

Chris Garneau gehört auch zu den "müsste ich mich mal mit beschäftigen" - Künstlern. Habe ich aber noch nicht. Aber ich wußte zumindest grob, was mich erwartete. Überrascht war ich, wie schüchtern der Sänger ist. Er muß sich ja wahrlich
nicht verstecken, seine Musik spricht für sich - und ihn. Er wirkte aber vollkommen verschüchtert, fast schon ängstlich oder unsicher. Vielleicht waren wir zu andächtig leise... Sobald er sich auf seine Musik konzentrieren konnte, hinter seinem riesigen Elektropiano saß, war aber alle Unsicherheit weg.

Begleitet wurde der in New York lebende Sänger von einer Cellistin. Auch hier war die Begleitung durch ein Streichinstrument dezent und ganz und gar wundervoll! Obwohl er im Sommer sein zweites Studioalbum veröffentlicht hat, spielte der Amerikaner kaum etwas davon. Wir kennen ja, wie Konzertprogramme von Künstlern üblicherweise aussehen: viel Aktuelles ("unsere neuen Stücke sind immer die, die wir am meisten mögen"), Hits von vorher und vielleicht ein oder zwei Bonbons für Hardcorefans - Cover oder B-Seiten. Chris Garneau schien das zu spielen, auf das er Lust hatte. Das klingt selbstverständlich, ist es aber eben nicht. So fanden sich im Programm also viele
Sachen vom Debüt Music for tourists, zwei Lieder von seiner EP C-Sides und drei nicht-Album Stücke. Am schönsten fand ich Blue suede shoes und den Island song.

Vermutlich hätte ich bei Pete Doherty auch viel Spaß gehabt, mein Abend war aber perfekt und sehr adventlich!

Setlist Chris Garneau, Motoki Wohnzimmer, Köln:

01: neu ("this october...")
02: Fireflies
03: Relief
04: Black & blue
05: Hand on the radio
06: Baby's romance
07: Not nice
08: Wintersong #1
09: Blue suede shoes
10: Island song
11: Sugar

12: Blackout (Z)

Links:

- Chris Garneau in Paris am 07.10.08




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates